Ebersberg Mit Wheelmap gegen Frust und Wut

Ein Gemeinschaftsprojekt soll den Menschen helfen, barrierefreie Orte im ganzen Landkreis zu finden

Von Jessica Morof, Ebersberg

Groß erleuchtet auf der weißen Wand des Sitzungssaales im Landratsamt die Wheelmap von Ebersberg - eine Internetkarte, die mithilfe von roten und grünen Markierungen zeigt, welche Plätze und öffentliche Gebäude barrierefrei sind und welche nicht. Zumindest sollte sie das tun. Doch tatsächlich zeigt die Karte noch viele leere Flächen. Damit sich das ändert, startet nun ein Projekt, das mit Spaziergängen die Aufmerksamkeit bei den Menschen im Landkreis erhöhen soll. Der Titel lautet "Barrierefreie Orte im Landkreis Ebersberg mittels Wheelmap finden". Getragen wird es vom Landratsamt, dem Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo), dem BRK-Kreisverband sowie dem Einrichtungsverbund Steinhöring. Bei der Auftaktveranstaltung im Landratsamt knüpften Bürgermeister, Senioren- und Behindertenbeauftragte sowie Mitarbeiter des Landratsamtes erste Kontakte.

Seit 2015 arbeitet Gerhard Schönauer, Leiter der Abteilung Ambulante Dienste für Menschen mit Behinderung beim Awo-Kreisverband, daran, die Wheelmap bekannt zu machen. Mit dem Projekt soll nun neuer Schwung in die Angelegenheit kommen. Die Webseite wheelmap.org basiert auf einer virtuellen Karte für alle Orte der Welt; Nutzer sollen einsehen können, welche öffentlichen Plätze und Gebäude mit Rollstuhl oder Rollator erreichbar sind. Das Besondere: Mitmachen kann jeder, indem er barrierefreie oder nicht barrierefreie Orte selbst markiert. Allerdings, so Schönauer, sei die Karte noch nicht bekannt genug; weder bei den Menschen ohne Behinderungen noch bei denen mit. Das Ziel des neuen Projekts ist nun, alle Menschen für Barrieren und die damit einhergehenden Schwierigkeiten zu sensibilisieren, auch wenn sie selbst nicht betroffen sind. "Wenn wir jetzt anfangen, können wir Schritt für Schritt eine Möglichkeit schaffen, dass etwas vorwärts geht", so Schönauer.

Nun soll innerhalb der kommenden zwei Jahre in jeder Gemeinde ein Spaziergang mit Bürgermeistern, Senioren- und Behindertenbeauftragten, Menschen mit und ohne Behinderung sowie - so die Forderung aus dem Publikum - Mitgliedern des Bauamts stattfinden. Die Teilnehmer werden in zwei bis drei Stunden die wichtigsten öffentlichen Plätze besuchen und erfahren, welche Barrieren es gibt und wie diese in der Wheelmap kategorisiert werden können. Bis Ende 2017 könnten Spaziergänge in zwölf Gemeinden stattfinden.

Der Wunsch von Schönauer und seinen Mitstreitern ist, dass sich in jeder Gemeinde eine oder mehrere Personen finden, die sich um das Einpflegen in die Karte kümmern. Und auch einmal überprüfen, ob die vorhanden Einträge überhaupt richtig sind. In VHS-Kursen können sie an zwei Terminen lernen, welche Feinheiten die Wheelmap bietet. Außerdem hoffen Schönauer und seine Kollegen, mit dem Projekt ein landkreisweites Netzwerk aufzubauen und die Karte bei den Menschen bekannt zu machen. Hilfreich wäre es ja schon, so Schönauer, wenn jede Gemeinde und Institution einen Link zur Karte auf ihrer Webseite einfügen würde.

Dass das Projekt einen wunden Punkt trifft, zeigte die Diskussion, die bei der Auftaktveranstaltung entbrannte. Ein Vertreter des Einrichtungsverbundes berichtete, wie schwierig es sei, allein auf den teils löchrigen Gehwegen mit Rollstuhl voranzukommen; Behindertenbeauftragte aus den Gemeinden forderten mehr öffentlich zugängliche Toiletten, andere bemängelten, dass "barrierefreie" Rathäuser in Wirklichkeit gar nicht barrierefrei seien.

Zwar wirkten viele frustriert und wütend darüber, dass sich nur wenig tut. Dennoch schienen die Akteure motiviert, etwas voranzubringen. So entstanden zusätzliche Ideen: Routenvorschläge für barrierefreies Sightseeing oder Eintragungen von Ruhebänken. Schönauer schloss das nicht aus, "das wäre ganz toll", sagte er. "Aber wichtig ist jetzt vor allem, erst einmal ein Netzwerk zu schaffen." Dann wäre alles weitere auch möglich.