Gegen Bahnlärm Protest aufs Gleis gesetzt

Martina Gorgus (links) und Susanne Höpler vom neuen Arbeitskreis Bahnlärm brauchen für einen wirkungsvollen Protest deutlich mehr Unterstützer.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Bei der Gründung des Arbeitskreises Bahnlärm wird klar: Viel mehr Bürger zwischen Trudering und Aßling müssen sich gegen den künftigen Krach durch vorbeifahrende Züge engagieren

Von Franziska Langhammer, Kirchseeon

Die Züge werden schneller, länger, schwerer - und das bedeutet: lauter. Mit diesem Fazit brachte Susanne Höpler am Dienstagabend im Café Zam in Kirchseeon ihr Anliegen auf den Punkt. Und, nicht ganz unwesentlich: Es werden in den kommenden Jahren erheblich mehr Schienenfahrzeuge an den Gemeinden, die an der Strecke zwischen München Ost und Rosenheim liegen, vorbeirattern.

Im schlimmsten und gar nicht so unrealistischen Fall, so die Berechnungen, wird auf die Bürger von morgens bis abends ein kontinuierlich anhaltender Lärmpegel von vorbeifahrenden Zügen warten. Bis spätestens 2026 soll der Brenner-Basis-Tunnel, die Verlängerung der Bahnstrecke gen Süden, fertig gestellt sein, im Dezember 2027 soll der Zugverkehr aufgenommen werden. Gepaart mit der anstehenden Landtagswahl im Oktober der richtige Moment also, sich gegen den erwarteten Bahnlärm in Position zu bringen.

"Das Zeitfenster ist optimal - und eng", sagte Susanne Höpler, "wir müssen es für uns nutzen." Die Kirchseeonerin Höpler gehört mit Martina Gorgus zur Initiatorengruppe des Arbeitskreises Bahnlärm in Kirchseeon.

Man kann nur etwas bewirken, wenn sich viele beschweren

Etwa 25 Zuhörer waren gekommen, um der Gründung des Kreises beizuwohnen. Viele von ihnen waren aus den ebenfalls von Bahnlärm betroffenen Gemeinden Grafing und Zorneding; ein anwesender Kirchseeoner kritisierte: "Ich verstehe nicht, warum nicht mehr Kirchseeoner da sind und die Bude nicht rammelvoll ist." Dabei ist das, was der Arbeitskreis vor hat, nur möglich mit möglichst vielen Mitstreitern: Der Plan ist, von Trudering bis Aßling alle Gemeinden mit ins Boot zu holen, um einen gleichlautenden Beschluss aller Betroffenen an die Politik weitergeben zu können.

Höpler zählt auf den so genannten TEN-T-Beschluss. In diesem sichert der Bundestag zu, "in Fällen besonderer regionaler Betroffenheit auch künftig die konstruktive Zusammenarbeit der Akteure vor Ort zu unterstützen und deren Vorschläge bei der Erarbeitung konkreter Lösungen besonders zu berücksichtigen" - will heißen: Wer sich vor Ort zusammentut und Verbesserungsvorschläge hat zu politischen Vorhaben, welche den Schienenausbau in der Region betreffen, der kann darauf hoffen, damit bei der Politik auf offene Ohren zu stoßen.

So geschehen in Offenburg: In der baden-württembergischen Gemeinde wurde mit Blick auf den Ausbau der Rheintalbahn ein Projektbeirat gegründet, durch den die betroffenen Anwohner Empfehlungen und alternative Lösungsmöglichkeiten, etwa zum Lärmschutz, abgeben können. "Es reicht nicht, einen Arbeitskreis zu gründen", appellierte Höpler am Schluss ihres Vortrags, "wir müssen viel mehr Leute zusammen bekommen."

Als fachkundige Unterstützung war Peter Pernsteiner anwesend, der den Zuhörern einen Bericht über den Status-Quo vom Ausbau des Brenner-Basis-Tunnel lieferte und gleichzeitig praktische Tipps bei der Umsetzung des Vorhaben AK Bahnlärm geben konnte. Pernsteiner selbst ist FDP-Gemeinderatsmitglied in Zorneding und dort Leiter der AG Bahnlärm. Dass in Zorneding der Gemeinderat Teil der Arbeitsgruppe gegen Bahnlärm ist, in Kirchseeon den Bürgern jedoch nur Unterstützung vom Gemeinderat bei ihrem Vorhaben zugesagt wurde, ärgerte einige der anwesenden Kirchseeoner, die sich mehr Engagement seitens der Lokalpolitik in der Sache wünschten.

Das nächste Treffen des Arbeitskreises in Kirchseeon ist auch schon angesetzt, auf Dienstag, 15. Mai, um 20 Uhr, wieder im Café Zam.