Donald-Duck-Zeichner Gulbransson Entenhausen liegt mitten in München

Seit vielen Jahren zeichnet Jan Gulbransson verschiedenste Comics. Doch nur eine Figur hat sein Herz gewonnen: Donald Duck. Jan Gulbransson ist Deutschlands einziger Zeichner von Donald-Duck-Comics. Ein Besuch an dem Ort, an dem die neuesten Geschichten aus Entenhausen entstehen.

Von Iris Wehn

Wer glaubt, dass Donald Ducks Heimat Entenhausen sei, der irrt. Freilich erlebt er dort seine Abenteuer mit Daisy, Dagobert, Daniel Düsentrieb und all den anderen Enten und Erpeln. Doch seine wahre Geburtsstätte liegt fernab des schillernden Disney-Universums, dafür ganz nah beim Münchner Ostbahnhof.

In Haidhausen lebt und arbeitet der Illustrator Jan Gulbransson und erdenkt und erschafft neue Erlebnisse für Donald Fauntleroy Duck, wie der mit ganzem Namen heißt. Mit seiner Arbeit steht Gulbransson nicht allein - eine Phalanx von Autoren, Zeichnern, Tuschern und Koloristen von Europa bis Südamerika, von Nordafrika bis Ostasien wirkt weltweit an der Verentung der Kindheit seit 1951 mit - doch wurden Gulbransson mit der Aufnahme als erstem und einzigem deutschen Zeichner und Autoren in die Disney Hall of Fame ganz besondere Ehren zuteil.

Doch wie schafft man es, diesen Kindheitstraum Wirklichkeit werden zu lassen? Zeichnen sollte man können. "Das Zeichnen wurde mir wohl an der Wiege gesungen", sagt Gulbransson. "Seit ich drei bin zeichne ich eigentlich immer." Das verwundert vielleicht auch nicht sehr, ist Jan Gulbransson nicht nur Sohn eines Architekten, sondern auch Enkel des berühmten Malers und Karikaturisten Olaf Gulbransson: Dessen entlarvender Blick auf die Gesellschaft des Kaiserreichs prägte einst die berühmte politische Satireschrift "Simplicissimus".

Doch ein berühmter Großvater macht noch keinen Comic-Künstler. Und das war Gulbransson auch nicht immer: Während seiner Ausbildung an der Münchner Kunstakademie Anfang der siebziger Jahre nahm er jegliche Jobs an, die ihm angeboten wurden. "Und wenn es Visitenkarten waren - das war zwar grottenlangweilig, aber es war Arbeit und hatte etwas mit dem realen Leben zu tun."

Das scheint dem munteren, großgewachsenen Mann immer wichtig gewesen zu sein: Wenn er etwas anfängt, soll es nicht für seine Schublade sein, sondern in der großen Welt bestehen. Und das tat es oft genug auch. Seine Puppenfiguren belebten Kindersendungen wie "Das Feuerrote Spielmobil" oder die "Rappelkiste". Seine Comics lasen ganze Generationen von Kindern, etwa das Apotheken-Postermagazin Medizini; und seit etwa einem Jahr veröffentlicht Gulbransson seine Figur "Flaucher Edi" in einer Münchner Tageszeitung.

Doch Donald Duck ist Jan Gulbranssons große Liebe und dessen Zeichner Carl Barks sein Held aus Kindertagen. Und so lagert dessen Gesamtausgabe wie eine Andachtsikone im Bücherregal über ihm, wenn er im Arbeitszimmer seine eigenen Geschichten mit blauem Buntstift skribbelt. Zig blau-bezeichnete, einfache Din-A4-Blätter liegen um ihn herum, zwischen Zeitungsstapeln und Kissen. Erst wenn der Schnabel den richtigen Flunsch, das Schwänzchen den richtigen Dreh hat, werden mit Bleistift die Linien nachgezogen und die Blätter in den Scanner zur Weiterbearbeitung am Rechner gelegt. Auch während er erzählt, zeichnet Gulbransson weiter. Kleine Pausen nützt er sofort, um zu entscheiden, ob Tick, Trick oder doch Track im Bild reden soll oder ob Dagoberts Blick genügend Erstaunen zeigt.

Im Moment hat Gulbransson ganz schön viel zu tun und deshalb sehr kurze Nächte. Vor allem Donald raubt ihm den Schlaf: Im Sommer sollen nach längerer Pause endlich wieder einige Gulbransson-Geschichten im Mickey-Heft erscheinen - ganze hundert Seiten aus seiner Hand sind geplant. Um alles zu schaffen, steht er dafür um zwei Uhr morgens auf und arbeitet den ganzen Tag. "Eigentlich ist das nicht zu schaffen, aber ich werde es schaffen." Der ewig jugendliche Tatendrang des Donald Duck scheint auch in seinem Zeichner zu stecken.

Und weil er auch andere an seinem gelebten Ententraum teilhaben lässt, bietet Jan Gulbransson Donald-Workshops an. Im Rahmen der derzeit im Olaf-Gulbransson-Museum in Tegernsee gezeigten Schau über die drei großen Disney-Zeichner Carl Barks, Al Taliaferro und Floyd Gottfredson (noch bis 3. Juni) finden zwei davon statt: Am 5. Mai gibt er sowohl eine Zeichenstunde für http://www.olaf-gulbransson-museum.de Kinder als auch eine für Erwachsene, bei der man Grundlegendes über die Körpersprache der Enten erfahren kann.

Nähere Informationen hierzu unter www.olaf-gulbransson-museum.de

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