Diskussion über Gewaltexzesse Politiker zweifeln am Schnapsverbot

Kein Schnaps mehr nach Mitternacht? So will Polizeipräsident Schmidbauer die Gewalt auf der Sonnenstraße eindämmen. Doch sein Vorschlag stößt bei allen Parteien auf wenig Gegenliebe. Es fehlt die Rechtsgrundlage, eine Kontrolle ist in der Praxis kaum durchführbar. Die Clubbetreiber machen nun eigene Vorschläge.

Von Dominik Hutter und Christiane Lutz

Schnapsflaschen in einer Münchner Bar: Müssten die Flaschen bei einem Verbot ab Mitternacht weggesperrt werden?  

(Foto: Stephan Rumpf)

Kein Schnaps mehr nach Mitternacht? Dieser Vorschlag von Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer wird bei den großen Fraktionen im Münchner Rathaus distanziert bis ablehnend beurteilt. "Ich bin gegen ein solches Verbot", erklärt die grüne OB-Kandidatin Sabine Nallinger. Sie hegt gehörige Zweifel, dass damit eine Eindämmung der Gewalttaten rund um die Clubszene in der Münchner Innenstadt erreicht werden kann.

Auch CSU-Fraktionschef Josef Schmid hält die Schmidbauer-Idee für "nicht zielführend" - der Rechtsanwalt fragt sich zudem, auf welcher Rechtsgrundlage eine solche Sanktion eigentlich ausgesprochen werden könnte. Eine Sorge, die auch den SPD-Kollegen Alexander Reissl umtreibt: "Ich glaube kaum, dass sich ein Gesetzgeber für ein solches Verbot findet".

Die Stadt könne es jedenfalls nicht verhängen. Der Königsweg, da sind ich die Politiker einig, führe über eine Kooperation zwischen Sicherheitskräften und Wirten, die auf ihre Gäste achtgeben müssten. Eine solche Initiative will Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle am Donnerstag vorstellen.

Die schon länger geführte Debatte um Gewalttaten unter Alkoholeinfluss war am Wochenende wieder aktuell geworden, nachdem drei bislang unbekannte Täter zwei junge Männer in einer Grünanlage der Innenstadt attackiert und einen davon schwer verletzt hatten. Ob Alkohol dabei eine Rolle gespielt hat, ist noch unklar.

Wie soll man das kontrollieren?

Die Polizei warnt aber schon länger vor der stark wachsenden Zahl an alkoholbedingten Gewaltexzessen. "Wir haben in der Tat ein zunehmendes Problem", betont Kreisverwaltungsreferent Blume-Beyerle, der den Vorschlag Schmidbauers daher nachvollziehbar und diskussionswürdig findet. "Aber ich kann mir trotzdem nicht vorstellen, dass das ein sinnvoller Weg wäre". Das Ganze sei wohl "eher ein Denkanstoß".

Für Blume-Beyerle ist vor allem die praktische Umsetzung eines solchen Verbots ein Rätsel: "Wie soll man das kontrollieren?" Wie wollen die Behörden ohne zu probieren Wasser und Wodka auseinander halten? Ab wann läuft ein Mischgetränk unter dem Begriff Schnaps? Wie lassen sich opulente Schnaps-Bestellungen kurz vor Mitternacht vermeiden und wie der Verkauf unter der Theke? Blume-Beyerle ist überzeugt: Das haut nicht hin.

Erlaubt oder verboten: Ab wann gilt ein Cocktail als hochprozentiges Getränk?

(Foto: Stephan Rumpf)