Bespitzelt
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Dass der Verfassungsschutz mit V-Leuten arbeitet, ist bekannt; die Spitzel in der rechten Szene sind ins Gerede gekommen, weil an ihnen das NPD-Verbot scheiterte und man sich nun fragt, warum sie nichts von der Mordserie mitbekamen. Dass der Geheimdienst auch in der Linken seine V-Leute hat, ist nicht verwunderlich. Eher überraschend aber ist, was ein vermeintlich linker Aktivist an seine Auftraggeber gemeldet hat.
Zum Beispiel, was Hans-Peter Dürr 2004 bei einer Friedenskonferenz in der Kreuzkirche sagte. Dürr ist Münchner Ehrenbürger und Träger des Alternativen Nobelpreises. Ganz speziell interessierte sich der V-Mann aber für das "Bündnis gegen Krieg und Rassismus". Als die linken Aktivisten eine Demo gegen das Versammlungsgesetz vorbereiteten, war auch der Spitzel dabei. Anschließend meldete er, wer demnächst als Redner auftreten sollte, unter anderem Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Margarete Bause und Klaus Hahnzog - also Bundesjustizministerin, Grünen-Chefin im Landtag sowie ehemaliger Münchner Bürgermeister und Verfassungsrichter. Der Verfassungsschutz beeilte sich anschließend zu versichern, dass Erkenntnisse über demokratische Politiker selbstverständlich in den Schredder kämen.
Aida - angeblich linksextrem
Die wohl bekannteste Auseinandersetzung zwischen Nazi-Gegnern und der Staatsmacht dreht sich um Aida. Das Antifaschistische Informationsarchiv gilt seit drei Jahren im Verfassungsschutzbericht als linksextremistisch. Das steht im Gegensatz zur Anerkennung, die Aida auch aus der bürgerlichen Mitte erhält. Das Landesamt für Verfassungsschutz tut sich schwer, vor Gericht mit seinem Vorwurf zu bestehen: Aus dem Bericht für 2008 musste Aida ganz gestrichen werden, man hatte den kleinen Verein ohne jede Begründung als demokratiefeindlich bezeichnet.
In den zwei folgenden Berichten darf laut erstinstanzlichem Beschluss nicht mehr erwähnt werden, dass Aida angeblich maßgeblich von Linksextremisten geprägt werde. Das Landesamt lieferte teils merkwürdige Begründungen. So hieß es als Beleg für den Extremismus des Aida-Vorsitzenden, dass er zu 600 Mark Strafe verurteilt worden war. Das war vor 25 Jahren, nach Protesten am Bauzaun in Wackersdorf.
Aktuell stützt das Landesamt seine Linksextremismus-These vor allem auf Links, die von der Internetseite Aidas zu extremistischen Gruppen führen. In der letzten Gerichtsverhandlung im Mai aber kam zutage, dass es zu einer dieser verlinkten Gruppen einen handschriftlichen Aktenvermerk gibt: "Nicht extremistisch." Der Vertreter des Freistaats in der Sitzung war überrascht und meinte, das könne er jetzt auch nicht erklären. Vor ein paar Jahren hatte sich schon mal der Verfassungsschutz bei Aida gemeldet: der des Freistaates Sachsen. Der Geheimdienst interessierte sich für die Aida-Broschüre "Sprengstoff in München". Diese dokumentiert die Umtriebe jener Gruppe um Martin Wiese, die 2003 den Anschlag auf die Synagogen-Baustelle plante. Die sächsischen Verfassungsschützer bestellten die Dokumentation, ganz offiziell gegen Rechnung.
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(SZ vom 22.11.2011/sonn)
Studie zur Beliebtheit der Deutschen
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Es ist schon erstaunlich, dass gerade die, die gegen den Rechtsextremismus/NPD protestieren, in Ungnade bei Polizei und Gerichte geraten können.
So etwas macht doch deutlich, dass die Nazidiktatur noch nicht so lange hinter uns liegt, als das alle demokratische Kultur gelernt haben könnten.
Extremes autoritäres Verhalten in Familien, Schulen und anderen Einrichtungen, auch an Arbeitsplätzen, verfestigen immer wieder diese alten, diktatorischen Denkansätze. Was nicht gekannt wird, wird abgelehnt, wenn das nichts hilft, verfolgt und das auch noch mit einem guten Wissen. Denn "man" tut nur seine Pflicht.
Pflicht ist das Wort, das die Neonaziszene bewegt genauso wie die Gegner.
Die einen sehen es als ihre Pflicht, für Ruhe, Ordnung und ein "sauberes" Deutschland zu sorgen, alles rein, schön und übersichtlich zu halten, damit andere ja nicht dieses "Deutsche" zerstören können.
Die anderen sehen gerade Andere und Anderes als eine Bereicherung, schätzen andere Kulturen und deren Menschen und halten es für ihre Pflicht, diese und alles andere zu schützen, einschließlich Natur, Tier, Umwelt und was so dazu gehört.
Wie zerstörerisch nationalsozialistisches Denken ist, müßte in allen Schulen regelmäßig sowohl in Geschichte als auch Sozialkunde und Ethik/Religion gelehrt werden, was aber, wie mir eine Lehrerin erzählte, heute nicht mehr bundesweit geschieht.
Die Nazidiktatur, so hatte sie recherchiert, spielt in den Lehrplänen der meisten Schulen in D keine Rolle mehr. So können auch die jungen Menschen über Ursachen und Wirkungen einer Diktatur , erst recht dem Zustandekommen der Nazidiktatur nicht mehr aufgeklärt werden.
Das ist sehr schade. Denn zum Erhalten einer Demokratie ist es wichtig zu wissen, wie beides funktioniert und wie beides zerstört werden kann.
Na es freut mich ja, das mein Kommentar von gestern um 9:52 Uhr so viel Reaktionen ausgelöst hat. Ich werde mal versuchen auf wenigstens einige einzugehen:
@linos 203: Natürlich reicht es einen Stein zu werfen, um einen Straftat zu begehen. Der Wille jemanden zu treffen reicht aus. Besonders das Beispiel des Tomaten-Werfers zeigt, dass es hier nicht um "passiven Wiederstand" geht. Der steht jedem zu.
@Dieter_Wondrazil: Das Töten von Andersdenkenden und ist leider Bestandteil jeglicher menschenverachtender Ideologien. Rechts wie links. Da hat keine Seite ein Monopol. Hitler stehen Stalin und Pol Pot entgegen. Ich mag weder Pest noch Cholera. Daher bin ich gegen Rechts- und Linksradikale. Solange wir jedoch ein Demonstrationsrecht haben, haben alle das selbe Recht zu demonstrieren. Blöd, aber so geht Demokratie.
@Rosenkohl: Ihre Anmerkung ist nicht ganz richtig. Sprechen Sie doch mit den Angehörigen der RAF-Opfer. Auch linke Gewalt ist schlechte Gewalt, da es keine gute, politische Gewalt gibt.
@fipsing: Natürlich muss ich Opfer rechter Mörder mit denen linker Mörder gleichsetzen. Wie gesagt: Gewalt hat in der Politik nichts verloren. Es geht nicht um Verharmlosung, sondern darum Gewalt grundsätzlich als Mittel zur Durchsetzung von Politik zu ächten.
@freddy w.: Ein Tomate ist nunmal ein Gegenstand. Und natürlich muss die Polizei gegen jeden vorgehen, der Andersdenkende bewirft. Egal mit was, da er damit die Spirale der Gewalt in Gang setzt.
@Gorin-no-sho: Es scheint Sie ja sehr zu belasten, dass Sie andere Meinungen akzeptieren müssen. Vor 25 Jahren war die Welt (zumindest im Osten) noch in Ordnung. Da hätten Sie mich einfach wegsperren können. So ein Ärger...
Ich finde es schon erstaunlich, was man sich als Demokrat (der sich auch für die Rechte Andersdenkender einsetzt) hier alles anhören (durchlesen) darf... Demokratiekunde und Auseinandersetzung mit dem Grundgesetzt sollte man vielleicht doch zur Pflicht machen.
Man könnte den Eindruck haben . Und eine zuverlässig funktionierende Innenrevision scheint es auch nicht zu geben.
"... Die Akten belegen zudem ein Motiv des Täters: Er wollte offenbar dem damaligen Kanzlerkandidaten Franz Josef Strauß kurz vor der Bundestagswahl zur Macht verhelfen. Köhler habee sich dem Bericht zufolge vor dem Anschlag über die bevorstehende Bundestagswahl geäußert: Man könne doch einen Bombenanschlag in Bonn, Hamburg oder München verüben. Nach dem Anschlag "könnte man es den Linken in die Schuhe schieben, dann wird der Strauß gewählt".
In Tübingen hatte Köhler enge Kontakte zum Hochschulring Tübinger Studenten. Dessen Anführer, den Köhler aus dem Wehrsportmilieu kannte, war eine treibende Kraft der CSU-nahen Initiative "Vierte Partei", die eine bundesweite Ausdehnung der Christsozialen zum Ziel hatte...."
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/neue-erkenntnisse-zum-terroranschlag-auf-das-oktoberfest-attentaeter-war-ein-neonazi-1.1171021
Das ist das typische CSU-Bayern, Verquickung von Ämter und Parteien, gegen rechts reden aber für rechts handeln. Scheinheilige Brüder diese rechten Politiker.
Paging