Ein hartes Vorgehen gegen Neonazis fordern Politiker seit jeher. Doch in München geht der Staat mit ungewöhnlicher Schärfe gegen die Neonazi-Gegner vor. Wer sich gegen Rechtsextremismus engagiert, gerät schnell in die Fänge von Polizei und Justiz. Eine Auswahl an Fällen der vergangenen Jahre.
Jetzt, da die rechtsterroristische Mordserie bekannt geworden ist, fordern Politiker jeder Couleur ein hartes Vorgehen gegen Neonazis. In München haben Nazi-Gegner aus dem linken Lager, aber auch aus der Mitte der Gesellschaft, immer wieder zu spüren bekommen, dass einem der Protest gegen Rechtsextreme recht viel Ärger einbringen kann. Bisweilen gehen Polizei und Justiz mit bemerkenswerter Akribie gegen bürgerliche Courage und zivilen Ungehorsam vor.
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Münchner demonstrieren auf der Theresienwiese gegen Rechtsextremismus. Doch Nazi-Gegner bekommen es oft mit der Justiz zu tun. (© Robert Haas)
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Verdacht alleine reicht schon
Günter W. ist 65 Jahre alt, Arzt von Beruf - und bekennender Nazi-Gegner. Seit Jahren übt er sich im zivilen Ungehorsam, was ihm einigen Ärger einbrachte. Zuletzt, weil er auf marschierende Neonazis Tomaten geworfen hatte. Die Polizei kennt W. und hat ihn in eine Datei aufgenommen mit dem Titel "linksmotivierte Straftäter". Das ist bemerkenswert, weil noch kein Verfahren gegen W. mit einer Verurteilung endete. Das aber ist für die Polizei nicht relevant: "Er muss nicht rechtskräftig verurteilt sein", heißt es. Es genüge, wenn eine Person "verdächtig" sei, das Polizeirecht gebe das her. Dieses erlaubt offenbar auch, dass von W. ein "Delikt" aus dem Jahr 1987 noch immer gespeichert ist.
Friedlicher Widerstand - Straftat
Die Wehrmachtausstellung sorgte 2002 für heftige Auseinandersetzungen: Neonazis protestierten gegen die Schau, Münchner Bürger daraufhin gegen die Neonazis. Der grüne Fraktionschef im Rathaus, Siegfried Benker, rief bei einer Pressekonferenz dazu auf, sich einem Neonazi-Aufmarsch friedlich in den Weg zu stellen. Eine Mitarbeiterin der Polizei-Pressestelle hörte mit und berichtete nach oben. Daraufhin bat die Polizei die Staatsanwaltschaft, bei Gericht einen Durchsuchungsbeschluss für die Fraktionsräume der Grünen zu bewirken. Man hoffte, dort das Original der Presseerklärung zu finden. Die Staatsanwaltschaft erfüllte die Bitte zwar nicht, erwirkte aber einen Strafbefehl gegen Benker: 60 Tagessätze wegen Aufrufs zu einer Straftat. Das Gericht sah eine Strafbarkeit des Politikers, wertete seine Intention aber immerhin als "ehrenvoll" und reduzierte die Strafe auf fünf Tagessätze.
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Die neueste Antwort
Es ist schon erstaunlich, dass gerade die, die gegen den Rechtsextremismus/NPD protestieren, in Ungnade bei Polizei und Gerichte geraten können.
So etwas macht doch deutlich, dass die Nazidiktatur noch nicht so lange hinter uns liegt, als das alle demokratische Kultur gelernt haben könnten.
Extremes autoritäres Verhalten in Familien, Schulen und anderen Einrichtungen, auch an Arbeitsplätzen, verfestigen immer wieder diese alten, diktatorischen Denkansätze. Was nicht gekannt wird, wird abgelehnt, wenn das nichts hilft, verfolgt und das auch noch mit einem guten Wissen. Denn "man" tut nur seine Pflicht.
Pflicht ist das Wort, das die Neonaziszene bewegt genauso wie die Gegner.
Die einen sehen es als ihre Pflicht, für Ruhe, Ordnung und ein "sauberes" Deutschland zu sorgen, alles rein, schön und übersichtlich zu halten, damit andere ja nicht dieses "Deutsche" zerstören können.
Die anderen sehen gerade Andere und Anderes als eine Bereicherung, schätzen andere Kulturen und deren Menschen und halten es für ihre Pflicht, diese und alles andere zu schützen, einschließlich Natur, Tier, Umwelt und was so dazu gehört.
Wie zerstörerisch nationalsozialistisches Denken ist, müßte in allen Schulen regelmäßig sowohl in Geschichte als auch Sozialkunde und Ethik/Religion gelehrt werden, was aber, wie mir eine Lehrerin erzählte, heute nicht mehr bundesweit geschieht.
Die Nazidiktatur, so hatte sie recherchiert, spielt in den Lehrplänen der meisten Schulen in D keine Rolle mehr. So können auch die jungen Menschen über Ursachen und Wirkungen einer Diktatur , erst recht dem Zustandekommen der Nazidiktatur nicht mehr aufgeklärt werden.
Das ist sehr schade. Denn zum Erhalten einer Demokratie ist es wichtig zu wissen, wie beides funktioniert und wie beides zerstört werden kann.
Na es freut mich ja, das mein Kommentar von gestern um 9:52 Uhr so viel Reaktionen ausgelöst hat. Ich werde mal versuchen auf wenigstens einige einzugehen:
@linos 203: Natürlich reicht es einen Stein zu werfen, um einen Straftat zu begehen. Der Wille jemanden zu treffen reicht aus. Besonders das Beispiel des Tomaten-Werfers zeigt, dass es hier nicht um "passiven Wiederstand" geht. Der steht jedem zu.
@Dieter_Wondrazil: Das Töten von Andersdenkenden und ist leider Bestandteil jeglicher menschenverachtender Ideologien. Rechts wie links. Da hat keine Seite ein Monopol. Hitler stehen Stalin und Pol Pot entgegen. Ich mag weder Pest noch Cholera. Daher bin ich gegen Rechts- und Linksradikale. Solange wir jedoch ein Demonstrationsrecht haben, haben alle das selbe Recht zu demonstrieren. Blöd, aber so geht Demokratie.
@Rosenkohl: Ihre Anmerkung ist nicht ganz richtig. Sprechen Sie doch mit den Angehörigen der RAF-Opfer. Auch linke Gewalt ist schlechte Gewalt, da es keine gute, politische Gewalt gibt.
@fipsing: Natürlich muss ich Opfer rechter Mörder mit denen linker Mörder gleichsetzen. Wie gesagt: Gewalt hat in der Politik nichts verloren. Es geht nicht um Verharmlosung, sondern darum Gewalt grundsätzlich als Mittel zur Durchsetzung von Politik zu ächten.
@freddy w.: Ein Tomate ist nunmal ein Gegenstand. Und natürlich muss die Polizei gegen jeden vorgehen, der Andersdenkende bewirft. Egal mit was, da er damit die Spirale der Gewalt in Gang setzt.
@Gorin-no-sho: Es scheint Sie ja sehr zu belasten, dass Sie andere Meinungen akzeptieren müssen. Vor 25 Jahren war die Welt (zumindest im Osten) noch in Ordnung. Da hätten Sie mich einfach wegsperren können. So ein Ärger...
Ich finde es schon erstaunlich, was man sich als Demokrat (der sich auch für die Rechte Andersdenkender einsetzt) hier alles anhören (durchlesen) darf... Demokratiekunde und Auseinandersetzung mit dem Grundgesetzt sollte man vielleicht doch zur Pflicht machen.
Man könnte den Eindruck haben . Und eine zuverlässig funktionierende Innenrevision scheint es auch nicht zu geben.
"... Die Akten belegen zudem ein Motiv des Täters: Er wollte offenbar dem damaligen Kanzlerkandidaten Franz Josef Strauß kurz vor der Bundestagswahl zur Macht verhelfen. Köhler habee sich dem Bericht zufolge vor dem Anschlag über die bevorstehende Bundestagswahl geäußert: Man könne doch einen Bombenanschlag in Bonn, Hamburg oder München verüben. Nach dem Anschlag "könnte man es den Linken in die Schuhe schieben, dann wird der Strauß gewählt".
In Tübingen hatte Köhler enge Kontakte zum Hochschulring Tübinger Studenten. Dessen Anführer, den Köhler aus dem Wehrsportmilieu kannte, war eine treibende Kraft der CSU-nahen Initiative "Vierte Partei", die eine bundesweite Ausdehnung der Christsozialen zum Ziel hatte...."
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/neue-erkenntnisse-zum-terroranschlag-auf-das-oktoberfest-attentaeter-war-ein-neonazi-1.1171021
Das ist das typische CSU-Bayern, Verquickung von Ämter und Parteien, gegen rechts reden aber für rechts handeln. Scheinheilige Brüder diese rechten Politiker.
Paging