Den Landtag als Ziel (8) Multilingualer Bayernbursch

Deutlich merkt man, wie sehr es ihn verärgert, dass die Partei und deren Mitglieder belächelt werden. Oft würden sie nur auf Klischees reduziert und unter "Kurioses" abgelegt werden. Dabei bemüht sich Progl selbst, ein Beispiel dafür zu sein, dass man die Bayernpartei-Mitglieder nicht einfach so als weltfremde Urbayern abstempeln sollte.

Vor drei Monaten hat Progl sein Diplom an der Munich Business School in Internationaler Betriebswirtschaftslehre gemacht. Zu BWL kamen Englisch und Italienisch als Fremdsprachen. Von der Schule her kann er noch ein wenig französisch. Während des Studiums hat er zwei Auslandssemester in Mailand und in Dublin verbracht. "Mailand war mir zu laut, zu hektisch. In Dublin habe ich mich aber wohlgefühlt. Vielleicht liegt es daran, dass die irischen Gewohnheiten den bayerischen ähneln", sagt er. "Außerdem haben es die Iren geschafft, nach über 800 Jahren ihre Unabhängigkeit zu erlangen." Da es in Bayern erst 140 Jahre her ist, rechnet er sich auch noch Chancen darauf aus.

Traditionen schützen, Einzigartiges erhalten

Zurück in seinem Bayern, hat er vor vier Monaten seinen Abschluss gemacht und ist nun im Familienbetrieb, einer Spedition, tätig. Neben der Büroarbeit spielt er auch mal Mädchen-für-Alles, kehrt die Böden oder fährt LKW. "Ich muss schon mal selber anpacken", sagt er. Zimperlich wirkt Progl sowieso nicht. Rigoros fordert er so, dass bayerische Traditionen erhalten bleiben müssen, vor allem auch in seiner Heimatstadt München.

Progl ist in Berg am Laim geboren. Er will verhindern, dass sich München in eine x-beliebige Metropole verwandelt und legt viel Wert darauf, dass das Bayerische erhalten bleibt. "Man soll so einen Schmarren aufhören wie in Laim", fordert er. Dort wollte der Bezirksausschuss verhindern, dass ein Maibaum aufgestellt wird, weil man es für zu provinziell hielt. Solche alten Tradition würden München doch zu etwas Besonderem machen und auch der Tourismus lebe davon. "Wegen den Pinakotheken kommen doch die wenigsten", kommentiert Progl.

"Wenn man etwas einzigartiges hat, sollte man es sich erhalten", sagt er und kommt von den bayerischen Traditionen zur Reglementierungswut im Englischen Garten. Er ärgert sich über die sinnlosen Verbote und die Bevormundung der Leute. So ist er absolut dagegen, das Surfen im Eisbach zu verbieten. Auch den bayerische Dialekt will er als etwas Besonderes erhalten. "Nur noch zwei Prozent der Grundschüler in München sprechen bayrisch", ärgert er sich.

"Es sollte in München kein Problem sein, wenn Eltern ihre Kinder bayerisch erziehen wollen", sagt Progl. Es gebe in der Landeshauptstadt türkische und französische Schulen, aber keine bayerischen. Das wolle man nun ändern. Dass es für die Kinder nötig ist, auch Hochdeutsch sprechen zu können und es dewegen sinnvoll ist, auch in der Schule nach der Schrift zu sprechen, denkt er nicht.

Kinder, die in Bayern auf dem Land aufwachsen, sprechen ja auch bayerisch und haben später keine Probleme. "Dort ist die Welt noch in Ordnung", schwärmt er von den ländlichen Gegenden Bayerns. Aufs Land ziehen will er aber nicht. "Das käme ja einer Kapitulation gleich", protestiert Progl gegen den Vorschlag. Er zieht es vor, für seine Wünsche zu kämpfen, auch wenn es teilweise einem Kampf gegen Windmühlen gleicht.