Demo gegen Lebensmittelverschwendung Abfall schmeckt gut

Mehr als 40 Prozent unserer Lebensmittel werden laut Slow Food Deutschland weggeworfen, pro Kopf und Jahr sind das 300 Kilogramm. Mit der Aktion "Teller statt Tonne" demonstrieren nun hunderte Münchner gegen Lebensmittelverschwendung.

Von Thomas Anlauf

Für die Massenspeisung hat Katharina Heuberger im Abfall gewühlt. Auf Biobauernhöfen im Münchner Umland war die Aktivistin von Slow Food am Freitag gemeinsam mit Gleichgesinnten unterwegs, um einzusammeln, was Landwirte wegwerfen müssen. Nicht, weil das Gemüse verdorben wäre, sondern weil es gegen irgendeine Agrar-Norm verstößt: zu klein, zu groß, zu krumm.

Und so zierten am Samstag hübsche herzförmige Kartoffeln die Tafeln auf dem Odeonsplatz, vor der Feldherrnhalle rührte der holländische Kochaktivist Wam Kat kostenlosen Gemüseeintopf aus vermeintlich unverkäuflicher Ausschussware ab Hof. Hunderte Münchner, die dem Aufruf zur Aktion "Teller statt Tonne" gefolgt waren, ließen es sich schmecken.

Slow Food Deutschland hat die Kampagne vor geraumer Zeit gestartet, um auf Lebensmittelverschwendung in den Industrieländern hinzuweisen; diverse Umwelt-schutz- und Entwicklungshilfeorganisationen haben sich angeschlossen. Die Aktion am Samstag bildete den Auftakt zum europaweiten Fahrradkorso "Good Food March" nach Brüssel, wo Organisationen aus 15 Ländern am 19. September für eine Wende in der Agrarpolitik demonstrieren wollen.

"Mehr als 40 Prozent unserer Lebensmittel werden weggeworfen", sagte zuvor Rupert Ebner, Vorstandsmitglied von Slow Food Deutschland. Pro Kopf und Jahr seien es 300 Kilogramm. "Essen ist eine politische Handlung." Hubert Weiger, Vorsitzender des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), forderte "eine Neubewertung von Lebensmitteln. Wir müssen die Agrarpolitik dazu bringen, dass sie die Bauern fördert und nicht die Agrarindustrie".

Seine Vision sei das Ende der Wegwerfkultur, und dazu brauche man nicht nur die Unterstützung der Agrar-, sondern vor allem der Kultusministerien. Lebensmittelkunde müsse "zum zentralen Bestandteil des Schulunterrichts gemacht werden", sagte Weiger unter dem Applaus der etwa 1000 Demonstranten.

Francisco J. Marí, Projektreferent für Agrarhandel und Fischerei beim Evangelischen Entwicklungsdienst, erinnerte an die massiven Auswirkungen des Konsumverhaltens hierzulande auf arme Länder: "Von fast 800 000 Tonnen Bananen, die Deutschland jährlich importiert, werden nur 70 Prozent wirklich gegessen. Damit werden etwa 7000 Hektar Land, 70 Millionen Liter Wasser und 30 000 Tonnen Pestizide umsonst in den armen Ländern verbraucht. Wie viel Nahrungsmittel hätten die hungernden Menschen auf diesen Feldern anbauen können?", fragt Marí. Er ist davon überzeugt, dass Verschwendung hierzulande den Hunger in Entwicklungsländern verschärfe.