Debatte um Konzertsaal Platz für zwei Weltorchester

Ob eine neue Philharmonie reicht oder doch ein zweiter Konzertsaal her muss, müssen nun die Experten klären.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Ein Konzertsaal für das Orchester des Bayerischen Rundfunks und die Sanierung des Gasteig: Diese beiden Großprojekte will Horst Seehofer jetzt kombinieren. Er schwärmt von einem "Leuchtturmprojekt".

Von Franz Kotteder, Christian Krügel und Frank Müller

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) setzt beim Plan für einen neuen Münchner Konzertsaal auf eine Lösung im Gasteig als gemeinsames Projekt von Stadt und Land. Dort könne ein herausragender, gemeinsam finanzierter "Konzertsaal für zwei Weltorchester" entstehen, sagte Seehofer der Süddeutschen Zeitung. Die bislang verfochtene Alternative, einen eigenen Saal nur für den Freistaat parallel zur Philharmonie im Gasteig zu errichten, sieht Seehofer offenbar nur mehr als zweitbeste Lösung. Ein gemeinsamer Bau mit der Stadt habe "Priorität", sagt Seehofer.

Das städtische Kulturzentrum und die Philharmonie müssen dringend saniert werden. Bis Dezember sollen dem Stadtrat dafür verschiedene Varianten präsentiert werden. Kosten von 300 Millionen Euro und mehr kommen wohl auf die Stadt zu. Zugleich wollen Freistaat und Bayerischer Rundfunk ein eigenes Konzerthaus für die Orchester des BR bauen. Standort und Kosten sind aber noch offen. Seehofer möchte die Projekte nun koppeln: "Ich hätte Sympathien für ein gemeinsames Vorgehen, allerdings unter der klaren Bedingung: Es muss von der Funktionalität für zwei Weltorchester gut passen." Ob das zu gewährleisten sei, "kann ich nicht beurteilen", sagt Seehofer.

Der Gasteig - die nächste Großbaustelle

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Das müssten nun Experten klären - etwa ob in einem generalsanierten Gasteig zwei Konzertsäle Platz finden könnten oder eine neue Philharmonie reiche. Ein neuer Saal für die BR-Orchester werde so oder so entstehen, so der Ministerpräsident: "Das habe ich zugesagt." Im Gasteig könne ein "Leuchtturmprojekt" für ganz Bayern entstehen, schwärmt Seehofer: "Etwas Extravagantes, wir brauchen noch einmal etwas Besonderes für München." Das gehöre zu einer Weltstadt. Er glaube an "höhere Realisierungschancen" für eine Lösung im Gasteig, "weil dann Landeshauptstadt und Freistaat gemeinsam marschieren".

Der Bayerische Rundfunk reagiert zurückhaltend

Obwohl bereits mehrere Gutachten die regelmäßige gemeinsame Nutzung eines Saals durch Philharmoniker und BR-Symphonieorchester als sehr schwierig einstuften, glaubt Seehofer an eine Chance: "Geht nicht - geht doch - ideale Lösung: So ist die Steigerung." Er kalkuliere mit 200 Millionen Euro Baukosten für den Freistaat. "Wenn die Stadt dabei ist, sind's schon 400 Millionen."

Schlussakkord im Herbst

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Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hatte in seiner Haushaltsrede im Stadtrat gesagt: "Ich werde mich einem logischen Vorschlag in zeitlicher Nähe nicht versperren." Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU) bestätigte der SZ, dass es schon konkrete Gespräche zwischen Staat und Stadt gab. Er habe mit Bürgermeister Josef Schmid (CSU), der als Wirtschaftsreferent für den Gasteig zuständig ist, vereinbart, dass Fachleute seines Ministeriums und des städtischen Kulturreferats rasch "konkrete Möglichkeiten ausleuchten". Es müsse auch geprüft werden, welche Folgen "eine Grundsanierung des Herkulessaals haben" könnte. Der Saal in der Residenz gehört dem Freistaat und ist für Orchester die einzige größere Ausweichmöglichkeit zur Philharmonie, die technischen und räumlichen Möglichkeiten sind aber sehr begrenzt .

Bau an der Von-der-Tann-Straße

Spaenle hatte erst Anfang des Jahres eine Arbeitsgruppe wiederbelebt, die sich mit dem idealen Standort eines Konzertsaals beschäftigen sollte. Nach Informationen der SZ hat sie auch ein schlüssiges Konzept für einen Bau an der Von-der-Tann-Straße erarbeitet. Jetzt gehe es aber um die "Prüfung einer größeren Lösung mit der Stadt in einem engen Entscheidungskorridor", so Spaenle.

Der städtische Kulturreferent Hans-Georg Küppers (SPD) sagte, er begrüße den Vorschlag sehr und erinnerte daran, dass die Stadt bereits zu Beginn der Konzertsaaldebatte einen gemeinsamen Gasteig-Umbau vorgeschlagen hatte. Küppers weiter: "Nun müssen aber bald konkrete Vorschläge kommen, was geschehen soll." BR-Intendant Ulrich Wilhelm wurde von Seehofer persönlich über dessen Vorstoß informiert. Er reagiert zurückhaltend: "Für uns ist klar: Wir brauchen einen zusätzlichen Saal, zum Wohle beider großer Orchester und der Musikstadt München", sagte er der SZ.