Am Wochenende starten die Münchner Opernfestspiele. Doch wer ist eigentlich das Münchner Opernpublikum? Auf der Suche nach einem Phänomen.
Was wurde schon alles Gemeines über das Münchner Opernpublikum gesagt. Vom Monaco Franze: "Es hat überhaupt keine Ahnung, aber jubelt kritiklos jeden Schmarrn zu einem einmaligen Erlebnis hoch." Vom scheidenden Gärtnerplatz-Intendanten Ulrich Peters: "Die Münchner Kulturschickeria geht einem sehr schnell auf die Nerven." Und Richard Strauss kanzelte gleich die ganze Stadt als "Sumpf, öder Biersumpf" ab.
Bild vergrößern
Wirft sich gerne in Schale: Das Münchner Opernpublikum. (© Stephan Rumpf)
Anzeige
Was wurde schon alles Schmeichelndes über das Münchner Opernpublikum gesagt. Vom kommenden Generalmusikdirektor Kirill Petrenko: "Das Münchner Publikum ist vernarrt in die Oper. Das gibt es sonst höchstens noch in Wien, dass das Publikum das eigene Haus trägt." Vom Staatsopern-Intendanten Nikolaus Bachler: "In München gibt es eine gute Mischung an Leuten, die wirklich begeistert sind, und Gelegenheits-Connaisseuren. Das Haus lebt von den Liebhabern, den Mehrfach-Gehern." Und Regina Knappik meint: "Die sind recht nett, die Münchner."
Wenn Regina Knappik das sagt, dann darf man sich darauf verlassen, dass es stimmt. Denn Regina Knappik geht seit 18 Jahren zu jeder einzelnen Vorstellung ins Nationaltheater. Jeder. Wirklich jeder. Seit 18 Jahren. Freie Abende hat sie nur während der Sommerpause und an den wenigen vorstellungsfreien Tagen. Frau Knappik betreibt den Opernladen im Foyer des Nationaltheaters, verkauft Aufführungsfotos, Autogramme, Fächer, Operngläser und "Schnickschnack", wie sie sagt. Seit 18 Jahren beobachtet sie vor jeder Vorstellung, nach jeder Vorstellung und in den Pausen die Münchner Operngänger und plaudert mit ihnen.
Aber wer ist er nun, der Münchner Operngänger? Die Statistiken der Bayerischen Staatsoper sagen: Das Alter der Besucher liegt durchschnittlich bei 57 Jahren, der Frauenanteil bei 52 Prozent. Ein Viertel der Zuschauer stammt aus dem Ausland, vom Rest kommen zwei Drittel aus München und Umgebung. Ein Drittel der deutschen Zuschauer hat ein Abonnement, knapp die Hälfte aller Besucher sieht sich pro Spielzeit zwischen zwei und fünf Vorstellungen an.
Das ist der Durchschnitt, doch der Durchschnitt ist immer so viel langweiliger als die Vielfalt der Realität. Mehr noch als ein Besuch im Theater, eines Konzerts, einer Vernissage ist ein Opernbesuch ein gesellschaftliches Ereignis, ein Schaulaufen, eine Inszenierung. Und Inszenierungen muss man sich anschauen, da reicht es nicht, den Lexikoneintrag nachzulesen.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 4 nächste Seite
- Thema
- Bayerische Staatsoper RSS
- Auf den Spuren von Ludwig II. Der Märchenkönig in München 25.05.2011
- Im Gespräch: Wolfgang Heubisch "Haben über unsere Verhältnisse gelebt" 14.03.2011
- Rusalka-Premiere an der Staatsoper Skandal ums Gummi-Reh 14.03.2011
- München: Bambi-Skandal Oper setzt auf Re(h)produktion 20.10.2010
- Bayerische Staatsoper Wunder aus Sibirien 06.10.2010
- Bayerische Staatsoper: Generalmusikdirektor Kommt der Opernwundermann? 05.10.2010
Staatsbesuch in Israel
Die neueste Antwort
Jetzt weiß ich endlich, was Herr Dr. Peters mit "Kulturschickeria" gemeint hat. Hier wird das Münchner Publikum, das lieber die anderen Spielstätten, Gärtnerplatz, Pasinger Fabrik, Hubertussaal, mit keinem Wort erwähnt. Wer nicht in die Staatsoper geht, gehört nicht zum Münchner Opernpublikum, so einfach ist das. Dabei hätte man an den anderen Spielstätten durchaus interessante Beobachtungen machen können. So klingts eher wie ein Werbeartikel für die Staatsoper und ganz besonders für den Verkaufsshop von Frau Knappik.