Unwetterschaden "Der Strom ist durch mich hindurchgefahren"

Nach 13 Tagen schon beschädigt: der Maibaum der Oberrother. Thomas Plößl, Vorstand der Burschen, ist traurig.

(Foto: Niels Jørgensen)

Ein Blitz schlägt in den schmucken Maibaum der Oberrother ein. Richtig gefährlich war das Gewitter für die Umstehenden, die glücklicherweise nicht verletzt wurden

Von Christiane Bracht, Schwabhausen

Der Frust ist groß bei den Burschen von Oberroth. "Es war so ein schöner Maibaum", klagt der Vorsitzende des Burschenvereins, Thomas Plößl. Nur 13 Tage lang stand der schmucke Maibaum vor dem Landgasthof Haagen und zeugte von Kraft und Zusammenhalt des Dorfes, dann schlug der Blitz ein. "Da hat's ihn zerrissen." Sobald ein Bulldog mit Teleskoplader frei ist, muss der einst 27 Meter hohe Stamm ganz abgesägt werden. Nur noch ein Stumpen wird dann an ihn und seinen Spender Franz Weißenbeck erinnern. Das tut weh. "Im Dezember haben wir ihn geschlagen. Einige haben sich dafür extra Urlaub genommen, um den Baum zehn Tage lang bewachen zu können und das war keine Erholung", sagt Plößl.

Aber trotz allem klingt auch immer wieder an, wie froh alle sind, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Denn Wirt und Feuerwehrkommandant Daniel Haagen stand nur 20 Meter entfernt auf einer Leiter, als der Blitz in den Maibaum fuhr. Er wollte zusammen mit einem Bekannten schnell die Fahnen einholen, denn der herannahende Sturm am Sonntagabend drohte sie zu zerfetzen. "Ich hatte das Gefühl, dass ich gelupft worden bin", erzählt er. Gesehen hatte er den Einschlag nicht, denn er stand mit dem Rücken zum Maibaum. Haagen hörte nur, wie die Trümmer herunterkrachten. Sein Bekannter und seine Frau Manuela, die gerade auf der Terrasse war, sahen dagegen, was der Blitz anrichtete. Es waren große Holzscheite, die durch die Luft flogen und über das Haus hinweg in den Hof.

"Wir hatten Glück, nicht erwischt zu werden", sagt Haagen. Zwei oder drei Stücke verfingen sich im Kranz und blieben quer darin hängen. Damit sie nicht später herunterfielen und jemanden verletzten, alarmierte der Kommandant die Dachauer Feuerwehr und orderte einen Leiterwagen. Die Kollegen rückten schnell an und schnitten zunächst so viel ab, dass vorerst nichts mehr passieren konnte. Viel Zeit hatte die Feuerwehr nicht, denn das nächste Unwetter zog auf, die Leiter musste nach kurzer Zeit wieder eingefahren werden. Der Einsatz drohte lebensgefährlich zu werden.

"Das war ein einschneidendes Erlebnis", sagt auch Manuela Haagen. "Der Strom ist durch meinen Köper durchgegangen." Man merkt ihr die Aufregung noch immer an. Auch am Baum sind die Spuren des Stroms noch sichtbar. Eine Fahnenstange ist verbogen, ein Schild leicht angekokelt, das Holz geborsten, dann ist der Blitzschlag offenbar ein Stück vorbeigesprungen, weiter unten hat er Holzsplitter und Farbe weggerissen. Für die Oberrother ist es ein herber Verlust. Der Maibaum gehört doch schließlich zu den wichtigsten Dingen im Ort. Nicht nur die Burschen, sondern alle gemeinsam helfen beim Herrichten. Wer malen kann, kümmert sich um die Schilder. Eine Hand voll Leute stehen tagelang über den nackten Stamm gebeugt und überlegen, wie sie Rauten und Schnürung malen, damit es schön ausschaut und die Farbe nicht ineinander läuft. Man trifft sich, grillt zusammen. Und beim Aufstellen packen auch alle mit an. Mit etwa 1,2 Tonnen war der diesjährige Maibaum nicht nur lang und kräftig, sondern auch ziemlich schwer. "Es war ein ganz schönes Geschiebe", berichtet Plößl.

"Nächstes Jahr stellen wir einen neuen auf. Bis dahin reparieren wir die Zunftzeichen. Das war eh mal nötig", sagt er. Blitze fahren immer wieder mal in Maibäume, erklärt Kreisbrandrat Franz Bründler. "Sie sind halt oft der höchste Punkt" - neben dem Kirchturm. In Oberroth ist das übrigens nicht zum ersten Mal passiert: Die Älteren berichten, dass auch vor etwa 30 Jahren schon mal ein Stamm gespalten wurde. Auch in Kreuzholzhausen ist vor zwei oder drei Jahren ein Blitz eingeschlagen.