Sparkassenfusion Martin Runge klagt über fehlende Transparenz

Der Grünen-Politiker Martin Runge ist als Gröbenzeller ebenfalls von der Fusion der Sparkassen betroffen

(Foto: Niels Jørgensen)

Die Entscheidung des Fürstenfeldbrucker Stadtrats zur Fusion der Sparkassen steht noch aus. Die Gegner, auch der Grünen-Politiker, hoffen auf ein Veto

Von Jacqueline Lang, Dachau

Viele, zumindest im Fürstenfeldbrucker Kreistag, scheinen sich für die Idee einer Sparkassenfusion begeistern zu können. Dort sei am vergangenen Donnerstag bereits für eine Fusion gestimmt worden, berichtet Martin Runge von den Grünen. Er ist am vergangenen Freitagabend als Referent im Zieglerbräu bei einer Infoveranstaltung geladen, die das Bündnis für Dachau organisiert hat.

Denn trotz der Entscheidung des Fürstenfeldbrucker Kreistags macht es jetzt noch Sinn zu diskutieren, über die Vor- und Nachteile zu informieren und vor allem auch darüber, dass eine Fusion nicht zwingend notwendig ist. Laut Gutachten kann sie aus einer Position der Stärke getroffen werden. Erst wenn auch der Fürstenfeldbrucker Stadtrat dafür stimmt, kommt die geplante Fusion auch zustande und damit der Zusammenschluss als Amper-Lech-Sparkasse. Ansonsten bleibt alles beim Alten und es gibt weiter die Sparkasse Dachau, die Sparkasse Fürstenfeldbruck sowie die Sparkasse Landsberg/Dießen. Im Gegensatz zu Fürstenfeldbruck dürfen sich die Träger der Sparkasse Dachau als sogenanntes aufnehmendes Haus nicht zu der Fusion äußern. Das erzürnt die etwa 30 anwesenden Dachauer, denn natürlich sehen nicht alle nur Vorteile in einer Fusion. "Die Erzielung von Gewinn ist nicht der Hauptzweck des Geschäftsbetriebs", so stehe es in der Verordnung aller Sparkassen, beginnt Vorstandsmitglied vom Bündnis für Dachau, Mike Berwanger, deshalb auch seinen Vortrag. Neben dem Fraktionsvorsitzenden Kai Kühnel, sind auch Stadträtin Sabine Geißler und Michael Eisenmann anwesend. Von der Sparkasse ist niemand gekommen, doch das scheint keinen der Anwesenden zu verwundern. Der Politiker und Wirtschaftswissenschaftler Martin Runge von den Grünen ist als Gröbenzeller selbst direkt von der Fusion betroffen. Im Gegensatz zu vielen anderen Politikern spricht er sich allerdings vehement gegen einen Zusammenschluss der drei Häuser aus. Sparkassen seien Anstalten des öffentlichen Rechts und sollten daher eben nicht, wie private Geldhäuser gewinnorientiert sein, so Runge. Sie sollten vielmehr vor allem die Bedürfnisse der wirtschaftlich schwächeren Bevölkerungsschicht berücksichtigen. Allerdings fehle es schon seit längerem an der nötigen Transparenz, so Runge weiter. Außerdem wirft er der Chefriege vor, zwar einerseits einen Sparkurs fahren zu wollen, sich aber andererseits selbst die höchstmöglichen Gehälter auszuzahlen. Ein Vorgehen, dass für Runge nicht nachvollziehbar ist. "Wenn man sparen mus, sollte man doch zunächst bei sich selbst anfangen", findet Runge. Doch damit nicht genug: Statt Ausschüttungen sozialen Institutionen zugute kommen zu lassen, berufe man sich auf Risikorücklagen. Die wesentlichen Aufgaben einer Sparkasse sieht Runge daher schon seit längerem vernachlässigt, doch er befürchtet, dass sich die Situation mit einer Fusion noch weiter verschlimmern könne: Immer seltener steht dann die Bevölkerung und ihre Bedürfnisse und immer häufiger das große Geld Einzelner im Vordergrund. Und weil die Kontrollgremienverkleinert werden sollen, befürchtet er auch, dass irgendwann kleinere Fraktionen keinen Einfluss mehr haben werden. "Wie schaffen die das, dass die Parteimitglieder gegen die Interessen der Bürger stimmen", wirft Kühnel dazu eher als rhetorische Frage in den Raum. Die Antwort und der damit formulierte Vorwurf ist klar: Einige wenige bereichern sich auf Kosten vieler.

Eine Frage, die an diesem Abend jedoch nicht zweifelsfrei geklärt werden kann ist, ob sich eine Fusion wirklich noch aufhalten lässt. Vor allem die Mitglieder des Bündnisses für Dachau empört die Erkenntnis, dass sie offenbar nicht mitzuentscheiden haben, obwohl die Dachauer direkt betroffen sind.