Röhrmoos Viel Arbeit für eine kleine Gemeinde

Neue Baugebiete, Kindertagesstätten, ein Modelldorf für Inklusion und ein Sanierungskonzept für das marode Sportheim. In Röhrmoos laufen derzeit viele Vorhaben - und es schwelt ein Streit mit der Stadt Dachau

Von Wolfgang Eitler, Röhrmoos

Die Kommunalpolitik in Röhrmoos ist zurzeit ein Versprechen auf die Zukunft. Auf neue Baugebiete, auf soziale und pädagogische Angebote und auf einen Sportverein, dessen zentrale Veranstaltungsstätte endlich saniert wird. Sorgenpunkt aus Sicht des Gemeinderats sind die Dachauer Pläne für eine Windkraftanlage, die sich zwar noch auf städtischem Gebiet befinden würde, aber gerade mal 700 Meter von Sigmertshausen entfernt läge.

Sportheim Röhrmoos

Das Gebäude erinnert noch an den großen Durchbruch des Sportvereins in den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts, als es Röhrmooser Bürgern gelungen war, eine Sportanlage zu errichten. Im Mittelpunkt das Sportheim mit Gaststätte, Umkleidekabinen und einem flexibel zu nutzenden Turnsaal, in dem auch Theateraufführungen möglich sind. Mittlerweile ist eine große Mehrfachturnhalle entstanden. Aber das Sportheim selbst erfüllt längst nicht mehr die Anforderungen, die heutzutage an ein solches Gebäude gestellt werden. Die Gastronomie funktionierte schon mehr als ein Jahrzehnt nicht mehr. Der Sportverein hat sie aufgegeben, weil er Mitgliederbeiträge nicht dafür verwenden darf, um Defizite auszugleichen.

Spatenstich in Röhrmoos: Im September soll der neue Hort - Baukosten von insgesamt 2,5 Millionen - eingeweiht werden.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Gemeinde sollte einspringen und ein neues, langfristiges Konzept garantieren. Sämtliche Ideen scheitern aber daran, dass der Brandschutz in dem Gebäude nicht mehr gewährleistet ist. Nach langwierigen Debatten im Verein und im Gemeinderat liegt die grundsätzliche Baugenehmigung für eine Sanierung vor. Jetzt braucht der Sportverein als erstes eine genaue Planung für eine Brandmeldeanlage. Die kostet ungefähr 5800 Euro. Daran beteiligt sich die Gemeinde entsprechend der im Gemeinderat festgelegten Richtlinien für kommunale Zuschüsse. Erst wenn der Plan vorliegt, wie der Brandschutz modernisiert werden kann und soll, kann der Gemeinderat über die Höhe der Zuschüsse für die Baukosten entscheiden.

Ein neuer Hort

Kindergärten werden im Landkreis gebaut. Krippen auch. Der Gesetzgeber und das neueste Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Schadensersatz setzen die Kommunen enorm unter Druck. Wenn sie nicht nachweisen können, dass es nicht kalkulierbare Umstände sind, die dazu führen, dass zu wenige Plätze vorhanden sind, müssen sie Eltern einen finanziellen Ausgleich bezahlen. Aber Horte sind davon ausgenommen. Und so endet für viele Eltern die Ganztagesbetreuung dann, wenn die Kinder in die Grundschule kommen. Zwar gibt es Ganztageseinrichtungen. Aber was passiert in den Ferien, wenn beide Elternteile beruflich tätig sind? Der Röhrmooser Bürgermeister Dieter Kugler (CSU) sagt: "Genau so ist es." Deshalb ist er stolz auf die Entscheidung des Gemeinderats, einen zweizügigen Hort einschließlich einer Kindergartengruppe in der Nähe der Grundschule zu errichten.

Direkt am Rathaus entsteht ein neues, fünf Hektar großes Baugebiet direkt am Rathaus. Das Sportheim muss saniert werden.

(Foto: Toni Heigl)

Im neuen Haushalt für das Jahr 2017 ist das Projekt mit einer Gesamtsumme von 2,5 Millionen Euro aufgenommen und damit die aktuell größte laufende Investition der Gemeinde. Kämmerer Günther Reil rechnet mit einem staatlichen Zuschuss von ungefähr 950 000 Euro. Der Gesamthaushalt liegt bei 15,2 Millionen Euro. Auf den Vermögenshaushalt entfallen 4,7 Millionen Euro. Die Prognose, dass auf Röhrmoos die nächsten Jahre noch weitere Investitionen in Schulen, Kindertagesstätten und auch in die Infrastruktur insgesamt zukommen, ist nicht gewagt.

Baugebiet "Am Bücherlweiher"

Denn allein auf dem Baugebiet direkt am Rathaus werden schon in naher Zukunft an die 350 bis 400 Menschen ein neues Haus oder eine neue Wohnung finden. Kürzlich stellten Bürgermeister Dieter Kugler (CSU) und seine Verwaltung den Bauplan der Öffentlichkeit vor, der noch in diesem Jahr genehmigt werden dürfte. Demnach entstehen in einem ersten Bauabschnitt neben Reihenhäusern auch mehrgeschossige Gebäude mit vermutlich kleineren Wohneinheiten. Die werden nach Kuglers Ansicht in Röhrmoos dringend nachgefragt. In ungefähr vier Jahren ist damit zu rechnen, dass ein zweiter, kleinerer Bauabschnitt in Angriff genommen wird. Auf dem Areal soll dann auch das Einheimischenmodell der Gemeinde greifen.

An der S-Bahnstation Röhrmoos wird sich einiges verändern.

(Foto: SZ Grafik)

Über die spärlichen sozialen Angebote waren Röhrmooser Bürger auf einer Informationsveranstaltung vor mehr als einem Jahr enttäuscht, zumal andere Kommunen wie Erdweg massiv in den Wohnungsmarkt eingreifen. Bei neuen Baugebieten reserviert sie 40 Prozent der vorhandenen Baugrundstücke für sich, um beispielsweise sozialen Wohnungsbau betreiben zu können.

Im Röhrmooser Gemeinderat herrscht die Ansicht vor, dass solche Eingriffe in dem aktuellen Fall nicht durchsetzbar gewesen wären. Denn die Eigentümerfamilie müsse die Altlasten entsorgen, die noch von einer ehemaligen Ziegelei herrühren. Zusätzlich hat das Verfahren für ein weiteres Baugebiet im Ortsteil Großinzemoos nördlich der Kreisstraße DAH 3 begonnen. Auf dem ehemaligen Gelände der Baywa sind die Bauarbeiten für mehrere Reihenhäuser und Einfamilienhäuser im vollen Gange.

Modell Schönbrunn

Außerdem darf man gespannt sein, wie sich der Ort Schönbrunn entwickelt, der zu einem Modelldorf für Inklusion werden will. Aus dem städtebaulichen Ideenwettbewerb ist ein Entwurf für die Konversion von Schönbrunn hervorgegangen, der nun realisiert werden soll. Die dafür maßgebliche Viktoria-von-Butler-Stiftung hält sich noch bedeckt. Ende März informiert sie den Gemeinderat über den Stand der Planungen intern. Im Juni soll dann eine Bürgerversammlung in Schönbrunn stattfinden.

Windkraft-Skepsis

Eine Sorge von Bürgermeister Dieter Kugler ist, dass durch die herausfordernden Plänen für das Baugebiet am Rathaus und für Schönbrunn die übrigen Ortsteile seiner Gemeinde zu kurz kommen könnten. Denn trotz der Gebietsreform von 1978 ist Röhrmoos keine Gemeinde, die sich aus dem zentralen Ort entwickelt hätte. Großinzemoos, Sigmertshausen oder auch Biberbach beanspruchen eine gewisse Eigenständigkeit für sich.

Kuglers Sorgen werden nicht geringer, weil die Stadt Dachau 700 Meter von Sigmertshausen entfernt eine Windkraftanlage plant. Der Bürgermeister hat seinen Protest schon angekündigt; übrigens gemeinsam mit dem Hebertshausener Kollegen Richard Reischl (CSU). Der Gemeinderat von Röhrmoos beschloss vorsorglich, ein eigenes rechtliches Gutachten zu einer Anlage im Sigmertshausener Wald in Auftrag zu geben, sobald die Stadt Dachau ihre Planungen vorgelegt hat.

Der Röhrmooser Bürgermeister ist auf den Dachauer Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) nicht gut zu sprechen. Ihn ärgert nicht nur dessen Vorhaben, sondern auch dessen Vorgehensweise. Hartmann habe es unterlassen, ihn rechtzeitig zu informieren. Den aus seiner Sicht schlechten Stil kommentierte Kugler im Gemeinderat scharf: "Das ist so, wie wenn ein Privatmann ein Wohnhaus an die Grundstücksgrenze setzen will, aber nicht mit dem Nachbarn spricht." Stefan Lorenz, Sprecher der Fraktion der Freien Wähler, assistierte: Es sei höchste Zeit, dass Dachau das Gespräch mit Röhrmoos suche. Der Fraktionsvorsitzende der CSU, Matthias Rager, fordert "einen Dialog auf Augenhöhe".