Neues Gutachten Rätselraten um die Sparkassenfusion

Brucker Institut hält die Expertise, die eine geplante Fusion mit Dachau und Landsberg auf den Prüfstand gestellt hat, unter Verschluss. Der prominenteste Kritiker warnt derweil vor angeblich fälligen Ausgleichszahlungen

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck/Dachau

Am Mittwoch ist dem Sparkassen-Verwaltungsrat das Mehrwertgutachten vorgelegt worden. Vom Ergebnis dieser Untersuchung machen es die Vorstände der Sparkassen Fürstenfeldbruck, Dachau und Landsberg-Dießen abhängig, ob sie ihren Trägern, also Städten, Gemeinden und Landkreisen, eine Fusion empfehlen. Credo: Nur falls ein Zusammenschluss allen Beteiligten einen "Mehrwert" bringt und es keine Verlierer gibt, soll er 2018 wirklich kommen.

Der Inhalt des Gutachtens wird freilich bis auf Weiteres unter Verschluss gehalten. Die Sparkasse wollte am Donnerstag nichts sagen,ebenso wenig wie der Verwaltungsratsvorsitzende, Brucks Oberbürgermeister Erich Raff (CSU), der sich an eine Absprache mit dem Institut gebunden fühlt. Am 9. November soll das Papier in einer nichtöffentlichen gemeinsamen Sitzung von Stadt- und Kreistag im Sparkassensaal vorgestellt, ein paar Tage später die Öffentlichkeit informiert werden.

Angesichts der Kritik des Volkswirts Rainer Gottwald zeigen sich die Sparkassen schmallippig: "Die Ausgleichszahlungen werden nicht erfolgen", heißt es in einer Stellungnahme.

(Foto: Toni Heigl)

Alles deutet bislang auf ein positives Votum im Sinne der Sparkassen hin, die sich von einer Fusion mehr Wettbewerbsfähigkeit und Synergieeffekte versprechen. Betriebsbedingte Kündigungen hat der Fürstenfeldbrucker Sparkassenchef Klaus Knörr bereits ausgeschlossen, der fällige Personalabbau soll dadurch erfolgen, dass nicht mehr alle Stellen bei Erreichen der Ruhestandsgrenze wieder besetzt werden.

Für Sparkassenkritiker Rainer Gottwald, 72, passt die Informationspolitik der Sparkasse ins Bild. Auch die vor einigen Wochen veröffentlichte Mitteilung der Sparkassen habe kaum mehr als "hohle Worte" enthalten. Der Sprecher des Bürgerforums Landsberg nimmt unverbindlich klingende Formulierungen aufs Korn wie "Wir arbeiten dabei konstruktiv zusammen und haben nach den ersten Zusammenkünften bereits viel Gemeinsames für die Zukunft ausgemacht".

Nun legt Gottwald selbst "Zahlen und Fakten" vor, die freilich umstritten sind. Seiner Aufstellung lässt sich entnehmen, dass im Fall einer Fusion der drei Sparkassen Zahlungen von Landsberg und Dachau an ihre jeweiligen Träger in Millionenhöhe fällig würden, um die Wertunterschiede der Partner auszugleichen. Einen Verzicht auf diese Zahlungen lasse die Gemeindeordnung im Fall einer Fusion nicht zu, so Gottwald. Die Sparkasse reagiert wortkarg auf die Berechnungen des Volkswirts und früheren Controllers, mit dem sie seit Jahren im Clinch liegt und den die Frankfurter Rundschau jüngst als "Sparkassenschreck" bezeichnet hat. "Die Berechnungen von Herrn Doktor Gottwald sind für uns nicht Grundlage unserer Entscheidungen", heißt es in einer schmallippigen Stellungnahme der Sparkasse, und weiter: "Ausgleichszahlungen werden nicht erfolgen, da die Anteilsbewertung alle relevanten Faktoren abbildet."

Nur wenn der Zusammenschluss der Sparkassen in Fürstenfeldbruck, Dachau und Landsberg einen Mehrwert bringt, soll er 2018 realisiert werden.

(Foto: Günther Reger)

Gottwald gibt sich unbeirrt. Die Barauszahlungen der Institute in Dachau und Landsberg an ihre Träger müssten geleistet werden, sobald die Fusion beschlossen sei. Alternativ wäre Gottwald zufolge auch eine andere Form des Ausgleichs zulässig: die Erhöhung des Eigenkapitals der Brucker Sparkasse. Weil Stadt und Landkreis aber die Belastungen im zweistelligen Millionenbereich kaum zuzumuten seien, bliebe nur ein Weg: Die "Ausrichtung nach der schwächsten Sparkasse und Herabgewichtung auf deren Niveau." Die Auszahlungen an die Träger in den Landkreisen Landsberg und Dachau würden das Eigenkapital und die Kapitalquote des neuen Dreierbunds reduzieren. Gottwald räumt freilich auf Nachfrage ein, dass dies den Sparkassen kein allzu großes Kopfzerbrechen bereiten muss, verfügen sie doch über ein beruhigendes finanzielles Sicherheitspolster. Gleichwohl wertet er es indirekt als Beleg, dass es den Sparkassen bislang auch schon möglich gewesen wäre, Teile des Gewinns auszuschütten - was diese aber regelmäßig abgelehnt hatten

Gottwald veranschaulicht die Sache mit den Ausgleichszahlungen anhand des Beispiels Dachau. Das Eigenkapital dieser Sparkasse beziffert er auf 361,5 Millionen Euro. Der von ihr an ihre Träger zu zahlende Ausgleich, durch den sie auf das Fürstenfeldbrucker Niveau "abgewertet" würde, beläuft sich angeblich auf etwa 26 Millionen, im Fall Landsberg auf 46 Millionen.

Gottwald bleibt bei seinen grundsätzlichen Zweifeln am Sinn der geplanten Fusion und beruft sich auf Erfahrungen anderer Geldinstitute, die sich im öffentlichen Besitz befinden. In den zurückliegenden Jahren fusionierte Ansbach mit Dinkelsbühl sowie Rothenburg, Ingolstadt mit Eichstätt, Erlangen mit Höchstadt an der Aisch und Weilheim mit Schongau. Geplatzt waren die Fusionen von Neu-Ulm mit Günzburg und jene von Garmisch-Partenkirchen mit Weilheim. Interessant seien die Ergebnisse der Sparkassen, die letztlich doch solo geblieben sind. Gottwald: "Sie haben sich auf ihre alten Tugenden besonnen und positiv im Sinne einer Risikoreduzierung gearbeitet." Die Höhe der Kapitalquote sei bei allen vier Sparkassen nach geplatzter Fusion im Jahr 2016 höher als der landesweite Durchschnitt.

Der Sparkasse Fürstenfeldbruck kreidet Gottwald an, sie wolle die Folgen der Fusion durch das unter Verschluss gehaltene Mehrwertgutachten "beschönigen". Das Institut ist angeblich "dringend auf eine Fusion angewiesen wegen der vielen faulen Wertpapiere und Derivate, die in den nächsten Jahren fällig werden."