Mitten in Karlsfeld Entdecke die Möglichkeiten

Man muss nicht unbedingt in die Ferne schweifen, um allein für sich zu sein. Am Bruno-Danzer-Platz nutzten zwei kleine Rennfahrer auch gleich die freie Bahn

Von Walter Gierlich

Es gibt Menschen, die sich erst so richtig wohlfühlen, wenn sie unter Tausenden Gleichgesinnten sind. Das sind die, die es beispielsweise super finden, sich an den Wochenenden durch die Münchner Wiesn schieben zu lassen. Oder auch jene, die nichts lieber tun, als samstags in der Kaufinger Straße einkaufen zu gehen. Andererseits geben manche Leute viel Geld aus, nur um die Einsamkeit zu finden. Sie begeben sich etwa auf eine Rundreise durch die weite Öde der Sahara. Oder, wenn sie die Hitze nicht vertragen, dann vielleicht in die riesigen Eiswüsten der Antarktis. Und wer es ganz einsam will, der kann jetzt schon einen Flug zum Mond buchen, der allerdings sehr, sehr teuer sein soll. Dafür wird er (oder natürlich auch sie) dort ganz sicher kein anderes menschliches Wesen treffen.

Ein Karlsfelder, der das Alleinsein mag, hat es da deutlich einfacher. Und billiger sowieso. Natürlich nicht an einem heißen Sommertag am See, wenn dort die Sonnenhungrigen die Wiesen bevölkern und sich ab und zu im kühlen Nass tummeln. Vielmehr mitten im Ortszentrum, am Bruno-Danzer-Platz nämlich, dem Kritiker nicht ganz zu Unrecht mangelnde Aufenthaltsqualität bescheinigen. Egal, ob der Himmel strahlend blau ist, mit Wolken verhangen oder gar verregnet, nie sieht man jemanden auf jenen, über den kahlen Platz verstreuten, Steinquadern sitzen, die vermutlich genau dafür gedacht sind. Es herrscht dort eine Einsamkeit, die an verlassene Goldgräberstädte aus dem Wilden Westen erinnert.

Doch kürzlich war Erstaunliches zu beobachten: Zwei Buben, vielleicht sechs, sieben Jahre alt, mit schnittigen Helmen auf dem Kopf, kurvten auf ihren kleinen Fahrrädern über den Platz. Sie freuten sich sichtlich über die glatte, zum Radeln hervorragend geeignete Fläche, auf der ihnen kein Fußgänger in die Quere kam und sich die unbequemen Sitzsteine hervorragend als Slalomstangen nutzen ließen. Da wurde aus dem ungastlichen Platz - zumindest für die beiden - ein grandioses Bruno-Danzer-Radstadion.