Markt Indersdorf Anschluss an den Daten-Highway

Der Breitbandausbau in Markt Indersdorf ist beschlossen. Mehr als 60 Prozent aller Haushalte in der Gemeinde wollen ein leistungsfähiges Internet. Am Montag unterzeichneten Bürgermeister und Betreiber den Vertrag

Von Robert Stocker, Markt Indersdorf

Die Gemeinde Markt Indersdorf startet das Millionenprojekt Breitbandausbau. Dies beschloss der Gemeinderat in einer nicht öffentlichen Sitzung am Montagabend. Bürgermeister Franz Obesser und der Geschäftsführer der Kabel & Medien Service (KMS), Rüdiger Schmidt, unterzeichneten den Vertrag. Die Gemeinde übernimmt den Bau der Glasfaserleitungen, KMS wird das Netz pachten und betreiben. Damit sich das Projekt wirtschaftlich trägt, müssen sich mindestens 60 Prozent aller Haushalte für einen Breitbandanschluss entscheiden. Am Stichtag 30. November betrug die Anschlussquote mehr als 61 Prozent. Bei einer geringeren Beteiligung wäre das Projekt für die Kommune teurer geworden. Die Gemeinde erwartet jedoch, dass die Quote noch weiter steigt.

Wer bis zum Stichtag 30. November einen Vorvertrag mit dem Netzbetreiber KMS unterzeichnet hat, muss für den Kabelanschluss nichts bezahlen. Auch die Installation des Hausanschlusses ist kostenfrei. Die Indersdorfer erhalten jetzt ein flächendeckendes Glasfasernetz im gesamten Gemeindegebiet. Privatleute und Gewerbetreibende besonders in abgelegenen Ortsteilen hatten immer wieder über leistungsschwache Internetanschlüsse geklagt. Die Bauarbeiten für den Breitbandausbau sind bereits in Auftrag gegeben und sollen nach der Frostperiode im Frühjahr 2015 an mehreren Stellen im Gemeindegebiet beginnen. Sie werden voraussichtlich ein gutes Jahr dauern.

Vor einer Woche hatten sich erst 40 Prozent der Haushalte für einen Breitbandanschluss entschieden. In den vergangenen Tagen stieg der Rücklauf an unterschriebenen Vorverträgen jedoch sprunghaft an. Klaus Mayershofer, Geschäftsleiter der Gemeinde Markt Indersdorf, schätzt die Zahl der eingegangenen Vorverträge mittlerweile auf 63 Prozent. "Der Gemeinderat ist von der Beteiligung völlig begeistert", gibt Mayershofer die Stimmung in der Sitzung vom Montagabend wieder. Für die Durchführung und Organisation des Projekts erhielt auch die Gemeindeverwaltung dickes Lob. Die Investitionen der Gemeinde sollen sich in 28 Jahren durch die Pachterträge amortisieren. Dann ist das Breitbandnetz im Eigentum der Gemeinde "ohne den Einsatz von Steuermitteln", sagt Mayershofer stolz.

Bis in den letzten Weiler von Markt Indersdorf sollen die Glasfaserkabel reichen und den Bürgern schnelles Internet ermöglichen.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Wer erst in den nächsten Wochen einen Vorvertrag unterschreibt, muss 250 Euro für den Anschluss zahlen. Wenn die Bauarbeiten beendet sind, kostet ein nachträglicher Anschluss gar 2000 Euro. Die Gemeinde erwartet, dass es noch viele Nachzügler geben wird. Zum Beispiel die künftigen Bewohner von Neubaugebieten wie auf dem Kloster-Areal, dem Diova-Gelände oder dem Loderer-Anwesen. "Die Bauherren werben doch mit dem Breitbandanschluss", ist Mayershofer überzeugt. Bis zum Beginn der Bauarbeiten erwartet er eine Beteiligung von 70 Prozent. "Alles über 60 Prozent tut uns gut."

Die Planungen für ein schnelles Internet haben in Markt Indersdorf schon vor Jahren begonnen. Obwohl der Glasfaserausbau nicht zur Daseinsvorsorge und damit nicht zu den Pflichtaufgaben einer Gemeinde gehört, nahm die Kommune das Projekt selbst in die Hand. Der Anstoß für den Breitbandausbau kam wie in der Nachbargemeinde von einer Bürgerinitiative. Mehrere Modelle waren in der Diskussion, bis sich der Gemeinderat dafür entschied, das Glasfasernetz von einem Betrieb in kommunaler Eigenregie errichten zu lassen und es an einen Betreiber zu verpachten. Die Gemeinde veranstaltete in mehren Ortsteilen Informationsabende, um die Bürger über das Projekt aufzuklären. Vorgehensweise, Kosten oder die Kündigung von Altverträgen - all das wurde thematisiert. Gemeinderäte und Bürgermeister rührten die Werbetrommel. "Werben Sie in der Gemeinde für das Projekt", appellierte etwa Bürgermeister Obesser an die Teilnehmer der Bürgerversammlungen. Die Werbeaktionen zahlten sich aus. Zuletzt gingen täglich bis zu hundert unterschriebene Anträge im Rathaus und im KMS-Büro am Marktplatz ein.