Kriminalität im Landkreis Dachau ist sicherer geworden

Die Zahl der Einbrüche ist laut Polizei im vergangenen Jahr drastisch gesunken. Die Bürger arbeiten jetzt enger mit der Polizei zusammen. Auch andere Delikte wie Körperverletzungen nahmen ab

Von Benjamin Emonts, Dachau

Es sind beruhigende Nachrichten, die das Dachauer Polizeirevier am Donnerstag verkündet. Die Zahl der Wohnungseinbrüche im Landkreis Dachau ist im Jahr 2017 um fast die Hälfte gesunken im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt registrierte die Polizei lediglich 67 Fälle in den 17 Landkreisgemeinden. Verantwortlich für den Rückgang sind laut Polizeisprecher Günther Findl die erfolgreichen Präventivmaßnahmen der Polizei. Nachdem die Zahl der Einbrüche zuletzt signifikant gestiegen war, setzte die Polizei auf Hausbesuche bei den Bürgern und Flyer-Aktionen, die jetzt offenbar Früchte tragen. "Wir sind in diesem Bereich verstärkt unterwegs", betont Polizeihauptkommissar Findl.

Noch im Jahr 2016 wurden besonders häufig die Bewohner der Autobahngemeinden Opfer von Einbruchsdelikten. Überwiegend organisierte Banden aus Osteuropa suchten sich für ihre Diebeszüge abgelegene Grundstücke an Ausfallstraßen aus, von denen sie in Windeseile flüchten konnten. Inzwischen, das belegen die Zahlen, haben es die Kriminellen deutlich schwerer. Polizei und Bürger arbeiten immer enger zusammen. Dank der besseren Aufklärung schlagen Bürger bereits Alarm, wenn sie in ihrer Nachbarschaft etwas Verdächtiges wahrnehmen. Hinweise der Polizei, wie Häuser und Anwesen besser geschützt werden können, werden mittlerweile besser beherzigt. Die polizeilichen Ermittler leisten zudem hervorragende Arbeit. Im Jahr 2017 wurden 58,2 Prozent aller Wohnungseinbruchsdelikte aufgeklärt - so hoch ist die Erfolgsquote bei keinem anderen Delikt.

Im bayernweiten Vergleich ist der Kreis Dachau überdurchschnittlich sicher. Im Jahr 2017 haben sich hier 5033 Straftaten ereignet, das waren rund sechs Prozent weniger als noch im Vorjahr. Die Kriminalitätsbelastung pro 100 000 Einwohner liegt im Landkreis bei lediglich 3337 Straftaten. Der Vergleichswert für den gesamten Freistaat liegt bei 4533 Delikten.

Den größten Teil der Straftaten, rund ein Viertel, nehmen die 1257 Diebstahlsdelikte ein, gefolgt von Vermögens- und Fälschungsdelikten mit 20 Prozent und Körperverletzungsdelikten (12,5 Prozent). Zwei Tötungsversuche, eine Messer - und eine Beilattacke in Dachau beziehungsweise Haimhausen, blieben glücklicherweise erfolglos. Die Zahl der Diebstähle ist insgesamt um ein Fünftel zurückgegangen, die Fahrraddiebstähle (295) um fast ein Drittel, die Ladendiebstähle (141) um 23 Prozent. Die Zahl der Rauschgiftdelikte ist geringfügig auf 277 gestiegen.

Deutlich zugenommen hat dagegen die Zahl der Sexualdelikte. Als Reaktion auf die Silvesternacht in Köln vor fast zweieinhalb Jahren, als zahlreiche Frauen am Kölner Hauptbahnhof sexuell belästigt worden waren, hat der Bundestag den Paragrafen 184 i ins Strafgesetzbuch eingeführt. Seither sind nicht nur Beleidigung und sexueller Missbrauch strafbar, sondern auch sexuelle Belästigung. Die Sexualdelikte im Kreis Dachau sind mit Einführung dieses Paragrafen deutlich mehr geworden, im Vergleich zum Vorjahr stiegen sie um 18 Prozent auf insgesamt 52 Delikte.

Drastisch zugenommen - um fast 30 Prozent - haben Sachbeschädigungen. Dabei gingen allein 109 der 726 Straftaten auf das Konto von zwei bereits ermittelten Tätern aus Dachau. Die jungen Männer hatten fast ein Jahr lang Häuser, Garagen, Straßenschilder und Bushaltestellen mit inhaltsleeren Sprüchen beschmiert. Das Verfahren gegen die Männer läuft noch. Der Gesamtschaden belief sich nach Schätzung der Polizei auf etwa 50 000 Euro.

Fast 40 Prozent aller Tatverdächtigen waren Ausländer; 11,4 Prozent Asylbewerber und Personen, die sich illegal im Land aufhalten. Zu berücksichtigen ist dabei, dass der Großteil der Flüchtlinge junge Männer sind, eine Personengruppe, die allgemein häufiger straffällig wird. Polizeisprecher Findl betont, dass der Anteil der durch Flüchtlinge verübten Delikte im "ganz normalen" Bereich liege. Die unsicherste Gemeinde ist Bergkirchen mit 58 Delikten pro 1000 Einwohner. Eine Vielzahl der Straftaten dort waren Tankbetrüge im Gewerbegebiet Gada. Am sichersten lebt man in der kleinen Gemeinde Pfaffenhofen an der Glonn. Hier haben sich im Jahr 2017 ganze sechs Straftaten ereignet.