Klassik-Auszeichnung Der Schumann-Botschafter

Markus Kreul fühlt sich dem Werk Robert Schumanns besonders verpflichtet. Anlässlich seiner Ernennung spielt er im Schuhmannhaus in Bonn.

(Foto: Toni Heigl)

Pianist Markus Kreul aus Altomünster erhält eine seltene Auszeichnung für herausragende Künstler

Von Dorothea Friedrich, Altomünster

"Es war, als hätt' der Himmel die Erde still geküsst. . ." Joseph von Eichendorffs "Mondnacht" gehört zu den schönsten Gedichten der Romantik. Seine Vollendung findet es in der Vertonung von Robert Schumann (1810 - 1856). Mag sein, dass der in Altomünster lebende Pianist Markus Kreul und Cellist Guido Schiefen ähnliche Gefühle hatten, als sie jetzt zu Schumann-Botschaftern ernannt wurden. Diese seltene Auszeichnung vergibt das in Bonn ansässige Schumann-Netzwerk, eine von der Bundesregierung unterstützte Kooperation von Forschungseinrichtungen, Bibliotheken, wissenschaftlichen Gesellschaften zu Leben und Werk von Clara und Robert Schumann.

Ehre und Ansporn

Damit reihen sich Kreul und Schiefen, beide gebürtige Bonner, in eine exklusive Reihe herausragender Künstler ein, die sich dem Werk Schumanns besonders verpflichtet fühlen. Dazu gehören beispielsweise Bariton Christian Gerhaher, Bratschist Nils Mönkemeyer, Cellistin Sol Gabetta, die Dirigenten Nikolaus Harnoncourt und Helmut Rilling oder der Komponist, Pianist und Musikwissenschaftler Aribert Reimann. Für Kreul ist die Auszeichnung "Ehre und Ansporn zugleich", wie er kürzlich bei einem Pressegespräch mit Altomünsters Bürgermeister Anton Kerle sagte. Eine Ehre, weil für ihn das Bonner Schumannhaus und dessen Musikbibliothek untrennbar mit seiner künstlerischen Entwicklung verbunden sind. Das Konzert, das er mit Guido Schiefen anlässlich ihrer Ernennung im Schumannhaus gegeben habe, sei für ihn ein Höhepunkt gewesen, sagte er. "Ich habe an dem Ort gespielt, der mir schon als Kind Motivation und Vertrauen gegeben hat." Diese Motivation trägt bis heute.

Musikworkshop startet Ende März

Kreul ist Initiator und künstlerischer Leiter des Europäischen Musikworkshops Altomünster (EUMWA), der vom 31. März bis 7. April 2018 bereits zum zwölften Mal in der Marktgemeinde stattfindet. Er zieht alljährlich mehr als 50 musikbegeisterte junge Menschen aus ganz Europa und darüber hinaus in den Osterferien nach Altomünster. In einwöchigen Workshops und Kursen studieren sie bei renommierten Künstlern und Musikprofessoren kammermusikalische Finessen. Doch im kommenden Jahr wird der EUMWA sein Spektrum erweitern.

Erstmals kooperiert er mit dem Leopold Mozart Zentrum der Universität Augsburg (LMZ) und mit der Universität Eichstätt-Ingolstadt. Das LMZ fördert die Teilnahme von Studierenden am Musikworkshop. Die Universität Eichstätt-Ingolstadt wiederum bietet als erste europäische Hochschule den Masterstudiengang "Inklusive Musikpädagogik/Community Music" an. Die Zusammenarbeit mit Eichstätt-Ingolstadt hat ihre Wurzeln im EUMWA-Workshop "Community Music" mit dem Experten Phil Mullen. Hier haben die EUMWA-Organisatoren gewissermaßen eine Vorreiterrolle gespielt. Denn das hierzulande eher weniger bekannte musikpädagogische Konzept verlässt bewusst ausgetretene Pfade.

Es will auf unkonventionelle Weise und jenseits gängiger Methoden jedem Menschen die Teilhabe an Musik ermöglichen, gleichgültig, welchen kulturellen und sozialen Hintergrund er hat - und damit das Menschenrecht auf Inklusion umsetzen. So werde sich der EUMWA 2018 noch stärker als bislang für Menschen öffnen, "die einfach Spaß an der Musik haben, egal wie jung oder wie alt sie sind", sagte Kreul. "Wir wollen erreichen, dass der allgegenwärtige Drang zum Perfektionismus nicht die Freude an der Musik zerstört. Musik ist Gefühl und damit für viele Menschen ein unverzichtbarer Teil des Lebens." Die Meisterkurse für hochbegabte junge Studierende sollen damit eine "sinnvolle und notwendige Ergänzung erfahren".

Doch zurück zu Schumann: Bereits am Freitag, 26. Januar, beginnt um 19.30 Uhr das Auftaktkonzert für den zwölften Europäischen Musikworkshop Altomünster im Barocksaal der Vinzenz von Paul-Schulen Markt Indersdorf. Studierende des Leopold Mozart Zentrums der Universität Augsburg (LMZ) gestalten das Programm unter dem Titel "Es war, als hätt der Himmel die Erde still geküsst" mit drei Liederzyklen Schumanns: Myrthen, Liederkreis, Kerner-Lieder. Begleitet werden sie von Markus Kreul am Flügel, der auch die Moderation übernimmt. Man darf schon jetzt davon ausgehen, dass der Schumann-Botschafter einige unbekannte Seiten des Komponisten beleuchten wird.