Gedenkstätte Dachau KZ-Tor soll durch Kopie ersetzt werden

Das Tor zur KZ-Gedenkstätte in Dachau mit der zynischen Aufschrift "Arbeit macht frei" - dort klafft seit November ein Loch.

(Foto: dpa)
  • Die KZ-Gedenkstätte in Dachau bekommt eine neue Tür - und zwar eine Kopie.
  • Das gestohlene Original wird wohl erstmal nicht mehr auftauchen. Die Tür war in der Nacht vom 1. auf den 2. November 2014 gestohlen worden.
  • Die Leitung der Gedenkstätte sucht nun einen Fachbetrieb, der die 100 Kilo schwere Tür nachbilden kann.
Von Helmut Zeller, Dachau

Die KZ-Gedenkstätte Dachau bekommt eine Tür - allerdings eine Kopie, denn das gestohlene Original wird so bald nicht mehr auftauchen. Der Rat der Stiftung bayerische Gedenkstätten beschloss, die Eisentür durch eine Rekonstruktion ersetzen zu lassen. Man wolle den Dieben nicht den Triumph gönnen, dass die Lücke im Jourhaus, dem ehemaligen Eingang zum KZ, weiter für alle Welt sichtbar klafft, sagte Stiftungsdirektor Karl Freller der SZ. Schon gar nicht zu der Gedenkfeier anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung am 29. April 1945. Zu den Feierlichkeiten am 3. Mai sind viele Überlebende aus Europa, Israel und den USA eingeladen worden.

Die Tür wurde in der Nacht von 1. auf 2. November 2014 von vermutlich zwei Tätern aus den Angeln gehoben und weggebracht. Seitdem fehlt jede Spur von den Dieben und der KZ-Tür, die neuesten Forschungen der Gedenkstätte zufolge höchstwahrscheinlich das Original ist. Die zynische Aufschrift "Arbeit macht frei" ist eine Rekonstruktion aus dem Jahr 1972. Gedenkstättenleiterin Gabriele Hammermann sucht in Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege einen Fachbetrieb, der die 100 Kilo schwere, schmiedeeiserne Tür originalgetreu nachbilden kann.

22 Hinweise auf Tor-Diebe

Vor zwei Monaten haben Unbekannte das gusseiserne Tor des ehemaligen KZ Dachau gestohlen. Weil die Ermittlungen nicht vorankommen, hat sich die Polizei nun an die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" gewandt - und neue Hinweise auf die Täter erhalten. Von Viktoria Großmann mehr ...

"Es wäre schön, wenn es bis zum 3. Mai klappen würde", sagte Freller. Dachaus italienische Partnerstadt Fondi hatte sofort nach dem Diebstahl angeboten, der Gedenkstätte eine Rekonstruktion zu schenken. "Das ist ein sehr honoriges Angebot", sagte Freller. Allerdings reiche die Zeit wohl nicht dafür aus. Der Gedenkort in Dachau wird von jährlich ungefähr 800 000 Menschen besucht. Man habe, so Freller, noch eine Resthoffnung auf "Aktenzeichen XY" gehabt.

Hautabschürfungen und Zigarettenkippen am Tatort

Der ZDF-Programmklassiker berichtete im Januar über den Fall. Danach gingen einem Polizeisprecher zufolge zwar viele Hinweise ein. Es war jedoch kein einziger verwertbarer darunter. Jetzt stellt man sich in der Stiftung und Gedenkstätte darauf ein, dass die KZ-Tür, wenn überhaupt, so schnell nicht auftaucht. Auch der internationale DNA-Datenabgleich hat bisher kein Ergebnis gebracht. Am Tatort wurden Hautabschürfungen und Zigarettenkippen gefunden. Jetzt werden Polizeitaucher im weiteren Umfeld Dachaus Flüsse und Bäche absuchen.

Die Schändung der KZ-Gedenkstätte wurde als schwerer Angriff auf die Erinnerung an den Holocaust verstanden und löste weltweit Empörung aus. 2009 montierte eine Diebesbande im ehemaligen NS-Konzentrationslager Auschwitz das Tor mit dem zynischen Nazispruch ab. Nach wenigen Tagen wurden Tür und Aufschrift, beides Originale, in einem Wald gefunden. Der Drahtzieher, ein schwedischer Neonazi-Aussteiger, wurde gefasst und von einem polnischen Gericht zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Im Juli 2014 fanden Konsumenten bei Amazon und Walmart ein Poster mit der Ansicht der KZ-Tür von Dachau. Nach heftigen Protesten nahmen die Unternehmen den Verkaufsartikel eines dritten Anbieters von ihrem Online-Marktplatz und entschuldigten sich.