Gedenken an NS-Opfer Schauplatz des Vernichtungskriegs

Tafeln an der Gedenkstätte informieren über die Geschichte des ehemaligen "SS-Schießplatzes" und die Opfer des Massenmords.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Am 22. Juni wird am ehemaligen "SS-Schießplatz Hebertshausen" an mehr als 4000 ermordete Sowjetsoldaten erinnert

Der Förderverein für Internationale Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit in Dachau erinnert an den Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941. Mehr als 4000 sowjetische Kriegsgefangene sind in den Jahren 1941 und 1942 auf dem ehemaligen "SS-Schießplatz Hebertshausen" von der Lager-SS des Konzentrationslagern erschossen worden. Dem sogenannten Kommissarbefehl entsprechend wurden unter den Kriegsgefangenen Juden, Parteifunktionäre und Politkommissare in Kriegsgefangenenlagern wie Moosburg und Memmingen ausgesondert. Die ersten Opfer tötete die Lager-SS im August/September 1941 im Bunkerhof des Konzentrationslagers Dachau. Der Großteil der Gefangenen wurde dann, vom 4. September an, auf dem zweieinhalb Kilometer entfernten Schießübungsplatz der SS ermordet. Im Mai 2014 wurde - nach vielen Jahren der Vernachlässigung des Orts - endlich eine Gedenkstätte eröffnet.

In Dachau dauerten die Massenerschießungen bis Juni 1942 an. Drei der insgesamt 5,7 Millionen kriegsgefangenen Soldaten der Roten Armee starben einen qualvollen Hungertod in deutschen Gefangenenlagern oder wurden erschossen. 27 Millionen Sowjetbürger wurden in dreieinhalb Kriegsjahren getötet. Diese Zahlen lassen die wahre Dimension der deutschen Verbrechen in der früheren Sowjetunion erahnen. Die Wehrmacht stellte Begleitkommandos für den Transport in die Lager und lieferte die Kriegsgefangenen an die SS aus. Die Leichen wurden ins Krematorium des KZ oder nach München gebracht.

Ungefähr 200 SS-Männer waren an dem Massenmord beteiligt. Nur elf der Täter wurden nach Kriegsende bei den Dachauer Prozessen zum Tode verurteilt. Die anderen kamen mit kurzen Haftstrafen davon oder blieben unbehelligt. Wie Schutzhaftlagerführer Egon Zill. Er lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1974 in Dachau. In der Stadt und in Bayern wollte jahrzehntelang niemand an das Verbrechen erinnern. 1964 errichtete die Lagergemeinschaft Dachau einen vier Tonnen schweren Gedenkstein. Das bayerische Finanzministerium ließ ihn kurze Zeit später entfernen und alle Hinweistafeln beseitigen. 1966 protestierte die sowjetische Botschaft beim Auswärtigen Amt ohne Erfolg.

Die Erhaltung des Ortes ist nur bürgerschaftlichem Engagement zu verdanken - allen voran dem Förderverein für Internationale Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit. 1998 kam der "SS-Schießstand" zur KZ-Gedenkstätte, deren ehemalige Leiterin Barbara Distel sich für einen Gedenkort besonders einsetzte. Im Juni 2011 wurden die bei Ausgrabungen geborgenen sterblichen Überreste von Opfern bestattet. Gedenkstättenleiterin Gabriele Hammermann und ihr Team haben nun auf dem acht Hektar großen Areal einen beeindruckenden Gedenkort geschaffen. Der Bund teilte sich mit Bayern die 800 000 Euro Kosten für die Gestaltung Die Ausstellung enthält Tafeln mit Familienfotos und Lebensläufen von Opfern. 900 Namen haben Historiker im Auftrag der KZ-Gedenkstätte in internationalen Archiven gefunden. Auf Presseaufrufe in den Länden der ehemaligen Sowjetunion meldeten sich viele Angehörige. Die bekannten Namen der Opfer sind in Marmorplatten eingraviert - viel Platz wurde für die anderen 3100 Rotarmisten freigelassen. Man will ihre Namen noch finden.

Die Gedenkfeier findet am Freitag, 22. Juni um 17 Uhr am Gedenkort "SS-Schießplatz Hebertshausen" statt. Um den würdigen Rahmen der überparteilichen und supranationalen Gedenkfeier zu wahren, bittet der Förderverein die Besucher darum, auf Fahnen, Plakate und Transparente zu verzichten. Gruppen werden gebeten, sich anzumelden. Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, sind von der Veranstaltung ausgeschlossen.