Dachau Gottesdienst für Zeitzeugen

Kirchen erinnern an Mirjam Ohringer und Hermann Scheipers

Mirjam Ohringer und Hermann Scheipers, die zwei kürzlich gestorbenen Zeitzeugen des Widerstands gegen das NS-Regime, waren eng mit Dachau verbunden. Die Evangelische Versöhnungskirche und die Katholische Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte laden deshalb am Sonntag, 12. Juni, um elf Uhr zu einer ökumenischen Trauerfeier in der Versöhnungskirche an der KZ-Gedenkstätte ein. Pfarrer Björn Mensing, Landesbeauftragter der evangelischen Kirche für Gedenkstättenarbeit, hat auf weitere Begegnungen mit den beiden gehofft. Doch die Trauer über den Verlust verbindet sich, wie Mensing sagt, mit dankbaren Erinnerungen an die unkonventionelle, jüdische Holländerin, die Kommunistin war ("Ich bin die mit Marx und Moses"), und an den charismatisch-humorvollen katholischen Priester aus dem Münsterland ("Als Christ bin ich zum geistigen Widerstand verpflichtet"). Diese Erinnerungen sollen bei der Trauerfeier im Mittelpunkt stehen.

Mirjam Ohringer, am 26. Oktober 1924 als Kind jüdischer Emigranten aus Galizien in Amsterdam geboren, erfuhr schon früh viel über Schicksale rassistisch und politisch Verfolgter, die seit 1933 in den Niederlanden Zuflucht suchten. Rückblickend sagte sie bei einer Rede 2008: "Sie waren illegal und mussten sich verstecken, von uns versteckt und am Leben gehalten werden. So jung wie ich war, habe ich daran teilgenommen. Ich erwähne diese Menschen, denn sie waren in meinen Augen das Beste, was Deutschland zu bieten hatte." Obwohl sie als Jüdin selbst gefährdet war, beteiligte sich die Gymnasiastin am kommunistischen Widerstand, organisierte Papier für Flugblätter, tippte Nachrichten, schmuggelte illegale Zeitungen und lebte im Untergrund. 1982 wurde sie Gründungsmitglied des Niederländischen Mauthausen-Komitees, dessen Vorsitzende sie zuletzt auch war. Mirjam Ohringer kämpfte ihr Leben lang gegen Faschismus und für Menschenrechte. Das vermittelte sie auch nachfolgenden Generationen, zum Beispiel fast 30 Jahre jeden Sommer bei der Internationalen Jugendbegegnung in Dachau. 2009 erhielt sie den Preis für Zivilcourage der Stadt Dachau. Am 29. Mai starb Mirjam Ohringer im Alter von 91 Jahren in Amsterdam.

Hermann Scheipers wurde am 24. Juli 1913 in Ochtrup in Westfalen geboren. Er kam als junger Priester in Konflikt mit dem NS-Staat. Weil er seine Kirche auch für polnische Zwangsarbeiter öffnete, wurde er 1940 verhaftet. Als er betonte, dass Polen für ihn genauso Menschen sind wie Deutsche, brachte die Gestapo ihn nach einem Gefängnisaufenthalt 1941 nach Dachau. "Noch nie war ich Gott so nah wie im KZ", sagte er rückblickend. Nach seiner Flucht vom Todesmarsch bei Starnberg Ende April 1945 fuhr er mit dem Fahrrad in seine Heimat Münster. 1946 kehrte er in sein Bistum Meißen zurück, um weiter als Seelsorger zu arbeiten. In der DDR geriet Scheipers erneut in Konflikt mit einem politischen System und entging nur knapp der Verhaftung. Als charismatischer Zeitzeuge hielt er Vorträge und besuchte Schulklassen. Johannes Paul II. ernannte ihn zum Päpstlichen Ehrenprälaten. Am 2. Juni starb er in seiner Geburtsstadt wenige Wochen vor seinem 103. Geburtstag.