Dachau Gedenken an das Novemberpogrom

Im Dachauer Rathaus spricht der Zeitzeuge Heinz Salvator Kounio

Zum 78. Jahrestag der Novemberpogrome 1938 spricht an diesem Dienstag der Holocaust-Überlebende Heinz Salvator Kounio aus der jüdischen Gemeinde in Thessaloniki im Dachauer Rathaus. Der 89-Jährige stellt anlässlich seines Besuches auch die deutsche Übersetzung seines Buches "Ein Liter Suppe und 60 Gramm Brot - Das Tagebuch des Gefangenen 109565" vor, das 1981 in Griechenland erschienen ist.

Björn Mensing, Landeskirchlicher Beauftragter für evangelische Gedenkstättenarbeit und Pfarrer an der Versöhnungskirche, hat den Zeitzeugen nach Dachau eingeladen. 1943 wurden der 15-jährige Heinz Kounio zusammen mit seiner Familie von den deutschen Besatzern seiner griechischen Heimat in einem entsetzlichen Transport von Thessaloniki ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verschleppt. 23 Mitglieder seiner Familie wurden gleich nach der Ankunft ermordet. Er selbst arbeitete unter unvorstellbaren Lebensbedingungen 27 Monate lang in diesem und in weiteren Lagern. Im Mai 1945 wurde er von amerikanischen Truppen aus dem Lager Ebensee in Oberösterreich, einem Außenlager des KZ Mauthausen, befreit.

Heinz Kounio ist aktiv im Vorstand der Jüdischen Gemeinde Thessaloniki. Die deutsche Ausgabe seines Buches liegt ihm besonders am Herzen: "Dieses Mal ist es in ihrer Sprache an die Deutschen und insbesondere an die deutsche Jugend adressiert." Heinz Kounio richtet seine Hoffnung auf die jüngeren Generationen: dass aus der Geschichte des Holocaust die Einsicht erwächst, wie wichtig es ist, gegen den in Deutschland und Europa erstarkenden Rassismus, Antisemitismus und völkischen Nationalsozialismus aufzutreten.

Auf der Gedenkveranstaltung im Foyer der Rathauses in der Dachauer Altstadt wird Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) eine Ansprache halten, danach folgt das Zeitzeugengespräch mit Heinz Kounio. An der Gedenktafel am Rathaus wird im Anschluss ein Kranz niedergelegt. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr. Der Zeitzeuge wird am Mittwoch, 9. November, um 19.30 Uhr im Evangelischen Migrationszentrum (Griechisches Haus) in der Bergmannstraße 46 in München sprechen.