Dachau Fehlende Erinnerungskultur

Karl Bonhoeffer über den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion

Von Anna-Sophia Lang, Dachau

Am 22. Juni 1941 überfiel Hitlers Wehrmacht die Sowjetunion. Es war der Beginn eines gnadenlosen Vernichtungskriegs, dessen Ziel von Anfang an war, neuen Lebensraum zu erobern und Rohstoffe wie Bevölkerung auszubeuten. 27 Millionen Menschen fielen ihm zum Opfer. Aus den Kirchen im Deutschen Reich gab es Beifall, die Kirchen begrüßten den "Kreuzzug gegen den gottlosen Bolschewismus" in der Sowjetunion. Jene Verstrickungen thematisieren Pfarrer Björn Mensing und Pastoralreferent Ludwig Schmidinger, die Beauftragten für Gedenkstättenarbeit der evangelischen und katholischen Kirchen in Dachau, bei einer Gedenkveranstaltung in der evangelischen Versöhnungskirche an der KZ-Gedenkstätte am Sonntag, 26. Juni, von 11 Uhr an.

"Anders als beim deutschen Überfall auf Polen 1939 reagierte ein Großteil der kirchlichen Repräsentanten positiv", heißt es in der Ankündigung. "Der kirchliche Antikommunismus machte viele Christen anfällig für die Kreuzzugpropaganda der Nazis." Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht aber das Gedenken an die sowjetischen Kriegsopfer. Karl Bonhoeffer, Neffe des Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, wird eine Gedenkrede halten. Er wurde 1931 geboren und engagiert sich seit langer Zeit in der Friedensbewegung der Organisation "Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs - Ärzte in sozialer Verantwortung" (IPPNW). Bonhoeffer beklage, heißt es weiter in der Ankündigung, wie wenig die Opfer und Orte des Vernichtungskrieges bis heute in der deutschen Erinnerungskultur vorkommen.

Mascha Sidorova-Spilker, Leiterin des deutsch-russischen Hauses in Landshut, begleitet die Veranstaltung mit russischen Liedern. Andrea Heller vom Förderverein Internationale Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit wird als Beispiel für in Dachau betriebene Aussöhnungsarbeit ein Programm vorstellen, mit dem seit 1992 ehemalige Häftlinge des KZ Dachau aus der früheren Sowjetunion Dachau besuchen.