Dachau Erinnerung an ein Verbrechen

Der Überfall auf die Sowjetunion jährt sich zum 75. Mal

Der Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 jährt sich in diesem Jahr zum 75. Mal. Der ehemalige "SS-Schießplatz Hebertshausen" zwei Kilometer nördlich vom Konzentrationslager Dachau war ein Schauplatz dieses Vernichtungskrieges: Dort erschossen Angehörige der Lager-SS in den Jahren 1941 und 1942 mehr als 4000 Rotarmisten, die in Kriegsgefangenenlagern als "Politkommissare", Juden oder "Intelligenzler" ausgesondert worden waren. Die sowjetischen Offiziere und Kommissare wurden aufgrund völkerrechtswidriger Befehle ermordet. Seit 25 Jahren erinnert der Förderverein für Internationale Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit an diese Opfer. Der Ort verfiel in den Jahrzehnten nach Kriegsende, Politik und Staat wollten in der Zeit des Kalten Krieges keine Gedenkstätte einrichten. Am 2. Mai 2014 eröffnete die KZ-Gedenkstätte Dachau einen würdig gestalteten Gedenkort; zurzeit sind die Namen sowie Geburts- und Sterbedaten von ungefähr 900 Opfern auf in den Boden eingelassenen Streifenfundamenten graviert. Die KZ-Gedenkstätte meint, dass langfristig 1500 bis 2000 Namen recherchiert werden könnten.

In dem beispiellosen Vernichtungskrieg wurden 27 Millionen Sowjetbürger, darunter neun Millionen Soldaten, getötet. Ungefähr drei Millionen Rotarmisten ließ die Wehrmacht in Kriegsgefangenschaft verhungern. Die Kriegstoten des Deutschen Reichs von 1939 bis 1945 werden auf sechs bis sieben Millionen geschätzt. SS-Reichsführer Heinrich Himmler stellte, ähnlich wie im Polenfeldzug, spezielle "Einsatzgruppen" zusammen, die mehr als eine halbe Million Juden, Sinti und Roma, Kriegsgefangene und kommunistische Funktionäre ermordeten. Das größte Massaker begingen sie Ende September 1941 in der Schlucht von Babi Jar, als sie innerhalb weniger Tage fast 34 000 Juden aus Kiew, vor allem Frauen, Kinder und alte Menschen, ermordeten. Dabei waren auch Angehörige der Wehrmacht direkt oder durch logistische Unterstützung indirekt an den Massenerschießungen beteiligt.

Am Mittwoch, 22. Juni, findet um 17 Uhr die Gedenkfeier in Kooperation mit der KZ-Gedenkstätte statt. Ulrike Mascher, Vorsitzende des Fördervereins, begrüßt die Teilnehmer. Danach sprechen der Historiker Dirk Riedel von der Gedenkstätte und die Historikerin Yuliya von Saal vom Institut für Zeitgeschichte in München. Frank Uttenreuther, Trompete, und der Chor der jüdischen Gemeinde München umrahmen die Veranstaltung musikalisch.