Besuchsdienst im Krankenhaus Helios kündigt der Pfarrei Sankt Peter

Christa Vogelmeier, Gründungsmitglied des Besuchsdienstes, baut nun für Sankt Peter eine neue Nachbarschaftshilfe auf.

(Foto: Toni Heigl)

Bislang organisiert die kirchliche Gemeinde in Dachau den Besuchsdienst Grüne Damen und Herren im Krankenhaus. Jetzt übernimmt der Konzern die Trägerschaft und führt die ehrenamtliche Betreuung unter eigener Regie weiter

Von Wolfgang Eitler, Dachau

Wenn Patienten ängstlich sind, wenn sie nach einer Operation Ansprache benötigen oder ohne Familie und damit auch oft ohne Besuch in einer Klinik liegen, dann kommen die Grünen Damen und Herren. Bundesweit haben sie ich als ehrenamtliche Betreuer etabliert. Meist sind kirchliche und karitative Organisationen die Träger dieser Gemeinschaften vor Ort. Denn die Tätigkeit muss beispielsweise versichert werden. In München sind die Grünen Damen und Herren den Johannitern zugeordnet. In Dachau firmierten sie bis Ende des Jahres unter dem Dach des Pfarramts von Sankt Peter. Jetzt hat die Helios Amper-Klinikum AG Dachau die Regie übernommen.

Im Jahr 2011 hatte die Geschäftsführung der Rhönklinikum AG als damaliger Inhaber der Aktienmehrheit am Dachauer und Markt Indersdorfer Krankenhaus eine entsprechende Vereinbarung mit Sankt Peter getroffen. Die Helios Amper-Klinikum AG Dachau, die seit 2014 die Mehrheit hält, hat sich jetzt von Sankt Peter gelöst und will die Tätigkeit der Grünen Damen und Herren unter eigener Regie fortführen. Dazu heißt es in einer Stellungnahme an die SZ Dachau: "Der ehrenamtliche Dienst ist seit längerer Zeit fester Bestandteil der beiden Kliniken und wird vom Klinikum ausdrücklich begrüßt. Die Grünen Damen und Herren sind dabei nicht an einen externen Träger (Konfession oder Pfarrgemeinde) gebunden." Wie Helios-Pressesprecherin Romana Bronner erläutert, "sind Vereinbarungen wie zum Beispiel mit Pfarrgemeinden nicht vorgesehen".

"Es hat Differenzen gegeben"

Die sachlich-kühl gehaltene Stellungnahme von Helios spiegelt allerdings nicht die Aufregung unter den Grünen Damen und Herren seit April dieses Jahres wider. Im neuen Pfarrbrief von Sankt Peter erzählt das Dachauer Gründungsmitglied des Besuchsdienstes, Christa Vogelmeier, den Vorgang aus ihrer Sicht. Demnach habe Helios die Vereinbarung über die Trägerschaft von Sankt Peter "ohne weitere Begründung" aufgekündigt. Allerdings vermutet die ehemalige Rektorin der Grundschule im Stadtteil Dachau-Ost, dass ihre Person für die Entscheidung von Helios maßgeblich gewesen sein dürfte. Der SZ sagte sie: "Es hat Differenzen gegeben, die mich betrafen."

Im April sei sie von der Arbeiterwohlfahrt in Dachau gebeten worden, über die Arbeit der Grünen Damen und Herren in Dachau und Markt Indersdorf zu erzählen. Die Pflegedienstleitung und die Abteilung für Qualitätsmanagement von Helios hätten ihr diesen Vortrag untersagen wollen. Sie sei darauf hingewiesen worden, dass Informationen über die beiden Kliniken ausschließlich der Geschäftsführung und den von ihr ausgewählten Personen vorbehalten seien. Allerdings sind die Grünen Damen und Herren ehrenamtlich tätig und waren zu diesem Zeitpunkt dem Pfarramt Sankt Peter angeschlossen. Christa Vogelmeier sagte der SZ: "Diese Anweisung hat mich verletzt." Sie habe sich "plötzlich" in einer "Befehlsstruktur" vorgefunden, die sie nicht habe akzeptieren wollen: "Die Klinik ist uns gegenüber nicht weisungsbefugt."

Einheitlicher Auftritt

Deshalb habe sie die Konsequenzen gezogen und sei nicht mehr bereit, am Klinikum Patienten zu betreuen. "Ich habe mir gesagt, dann höre ich auf, wenn ich nicht mehr gewollt werde." Nachdem sie die Zusammenarbeit mit Helios beendet habe, habe das Unternehmen die Betreuung mit Sankt Peter "ohne Begründung" gekündigt. Christa Vogelmeier baut nun für Sankt Peter eine neue Nachbarschaftshilfe auf. "Ich mache weiter." Ihre früheren Kolleginnen und Kollegen bleiben bei Helios. Vogelmeier: "Weil ihnen die Patienten am Herzen liegen." Helios-Pressesprecherin Bronner teilte der SZ mit, dass die 25 verbliebenen Grünen Damen und Herren jetzt der Pflegedienstleitung "unterstellt" seien. Auf die Ausführungen von Christa Vogelmeier ging Helios trotz schriftlicher Anfrage nicht eigens ein. Die Helios Kliniken GmbH mit 110 Krankenhäusern bundesweit gilt als ein Unternehmen, das auf einen strikt einheitlichen Auftritt und eine in sich geschlossene Organisation achtet.