Bankenhochzeit Juniorpartner Fürstenfeldbruck

Das vom Prüfungsverband vorgelegte Gutachten zur geplanten Sparkassenfusion wartet mit Überraschungen auf

Von Stefan Salger und Helmut Zeller, Dachau/Fürstenfeldbruck

Die geplanten Fusion der Sparkassen Dachau, Fürstenfeldbruck und Landsberg-Dießen steht vor einer großen Hürde: Der Sparkassen-Prüfungsverband hat ein Anteilsgutachten für das künftige Bankengebilde vorgelegt - mit einem überraschenden Ergebnis. Die Experten bewerten das Dachauer Geldinstitut als das größte in dem Dreierbund. Das ist ein schwer verdauliches Resultat für die künftigen Partner im benachbarten Landkreis und hat sofort unangenehme Fragen nach der Geschäftspolitik der Fürstenfeldbrucker Sparkasse aufgeworfen. Sie ist an Eigenkapital, Bilanzsumme und Geschäftsbereich eigentlich größer als Dachau, aber offenbar weniger effizient und erfolgreich. Von der Reaktion der Brucker Kommunalpolitik hängt der weitere Verlauf der Fusionsgespräche für eine "Amper-Lech-Sparkasse" ab, wie die neue Bank heißen würde. Denn der Landkreis Dachau, der jetzt zu 66 Prozent an der Sparkasse Dachau beteiligt ist, wäre demnach auch in der fusionierten Sparkasse der größte Partner. Und dann wollen die Dachauer noch eines: Einen fairen Ausgleich für die erhebliche Gewerbesteuerverschiebung von der Stadt Dachau nach Bruck, etwa eine Million Euro. "Am Ziel sind wir noch nicht", sagte der Verwaltungsratsvorsitzende, der Dachauer Landrat Stefan Löwl (CSU), der SZ.

Dachauer Politiker fürchten Gewerbesteuerverlust

Ganz ähnlich sieht das sein Fürstenfeldbrucker Kollege Thomas Karmasin, der die Chancen für eine Fusion auf "60 zu 40" schätzt. Bislang sei alles aber noch "völlig unausgegoren", zumal die Verhandlungen der Sparkassen mit den Kommunen noch ausstehen. Auch auf Dachauer Seite läuft nicht alles glatt: Im Stadtrat stehen vor allem die Überparteiliche Bürgergemeinschaft (ÜB) und das Bündnis für Dachau der Bankenhochzeit skeptisch gegenüber. Sie befürchteten den Gewerbesteuerverlust.

Die neueste Filiale der Sparkasse liegt direkt neben dem Landratsamt und damit auch in räumlich-symbolischer Verbindung zur Kommunalpolitik.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Das Gutachten bestätigt die Vorhersage des in Fachkreisen bekannten Sparkassenkritikers Rainer Gottwald vom Bürgerforum Landsberg am Lech. Gottwald zweifelt ganz grundsätzlich am Sinn einer Fusion, die seiner Ansicht nach vor allem Vorständen und Verwaltungsräten zu deutlich höheren Bezügen und Pensionsansprüchen verhilft. Brucks Sparkassenchef Klaus Knörr widerspricht: Eine Fusion werde es nur geben, wenn alle Seiten von einem Mehrwert profitieren.

Der Vorstandsvorsitzende der Dachauer Sparkasse Hermann Krenn Foto: Jørgensen

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Ungefähr einhundert politische Mandatsträger von Kreis, Gemeinden und der Stadt wurden auf einer Versammlung in der Sparkasse Dachau am Dienstagabend über das nun vorliegende Anteilsgutachten informiert. Träger des kommunal verankerten Bankinstituts sind der Landkreis, die Marktgemeinden Altomünster und Indersdorf sowie die Stadt (26 Prozent). Allerdings gelang es Landrat Löwl, die Bedenken auf Dachauer Seite fast auszuräumen. ÜB-Stadtrat Peter Gampenrieder sagte: "Es wird eine sinnvolle Regelung getroffen, dass keine fusionsbedingten Gewerbesteuerverluste entstehen." Dennoch sagt Gampenrieder: "Ich kann momentan nicht sagen, ob ich für die Fusion oder dagegen stimmen werde."

Ob die Fusion der richtige Weg ist, ist noch nicht entschieden

Auch Oberbürgermeister und Verwaltungsratsmitglied Florian Hartmann (SPD) hat sich, wie er sagte, noch keine abschließende Meinung gebildet. Mit angeblich drei bis vier Millionen Euro jährlich gehört die Sparkasse Dachau zu den Spitzenreitern unter den Gewerbesteuerzahlern der Stadt. Löwl erklärte: "Einen fairen Ausgleich der Gewerbesteuerverschiebung sehe ich als notwendige Voraussetzung für eine Fusion an." Die Zahl von einer Million Euro wollte er nicht bestätigen. Aber er betonte, dass die Gewerbesteuer in der anhaltenden Niedrigzinsphase bei schwindenden Gewinnen ohnehin rückläufig sei. Jedem anwesenden Dachauer Kommunalpolitiker sei klar geworden, dass sich die Sparkasse für die wachsenden Herausforderungen neu aufstellen müsse. Ob eine Fusion die richtige Antwort darauf sei, das sei noch nicht entschieden. "Wir machen es, wenn es passt."

Ebenfalls Vorstandsvorsitzender: Klaus Knörr aus Fürstenfeldbruck.

(Foto: Günther Reger)

Und es stellt sich die Frage: Passt es auch für die Kommunalpolitiker in Landsberg und vor allem in Fürstenfeldbruck? Dem Anteilsgutachtens zufolge wäre der Landkreis Dachau in der fusionierten Bank der größte Anteilseigner. Dachau würde aber nicht zur neuen Zentrale. Vielmehr sollen alle drei Standorte gleichwertig und "auf Augenhöhe" (Karmasin) erhalten und langfristig mit je einem Vorstandsmitglied besetzt werden. Löwl sagt denn auch: "Wir wollen ein Modell, in dem keiner dominiert."

Die Sparkasse Dachau ist Bayerns Spitzenreiter

Die Sparkasse Dachau ist seit drei, vier Jahren Spitzenreiter in ganz Bayern und auf eine Fusion nicht angewiesen. Die Fürstenfeldbrucker jedoch schon; seit vier, fünf Jahren fragten sie bei den Dachauern immer wieder mal nach. Dachau hat einen immensen Immobilienbesitz, arbeitet effizienter und erwirtschaftet einen Gewinn, der deutlich über dem der Brucker Sparkasse liegen soll. Warum die finanzwirtschaftlichen Kennzahlen in Fürstenfeldbruck so viel schlechter sind als in Dachau, kann sich Fürstenfeldbrucks Landrat nicht so recht erklären. Die Strukturen der Landkreise ließen sich nicht ohne Weiteres vergleichen. Gleichwohl solle man die Chance nutzen, "von erfolgreichen Sparkassen zu lernen". Knörr begründet die Zahlen mit der höheren Rendite durch das größere Dachauer Immobilienportfolio, an dem künftig auch Bruck partizipieren könnte.

Der Fürstenfeldbrucker Grünen-Kreisrat Martin Runge, Mitglied der Brucker Verbandsversammlung, gibt sich damit nicht zufrieden. Er sieht Verwaltungsrat und Vorstand in der Pflicht, über den Brucker Rückstand aufzuklären: "Die Gründe muss man genau hinterfragen." Er warnt vor Risiken, die offenbar in den Büchern schlummern - etwa in Form von Zins-Swaps. Runge ärgert sich, dass trotz mehrerer Anträge der Grünen die Lage nie transparent gemacht worden sei. Das aber wäre schon deshalb wichtig, weil die für das "abgebende Institut" Fürstenfeldbruck zuständigen Kreistag und Stadtrat bei einer Fusion das letzte Wort haben. Knörr stellt eine umfassende Information spätestens Ende Oktober in Aussicht. Dann soll auch ein Gutachten vorliegen, das die Wirtschaftlichkeit eigenständiger Institute mit einem Dreierbund vergleicht. Eine Fusion hält Knörr im Spätsommer 2018 für vollziehbar. Sollte sie "spätestens bis 2019" nicht zustande kommen, so der Sparkassenchef, dann "hätten wir das Pferd zu Tode geritten".