Crystal Fighters Wie bizarr!

Bei ihrem Konzert fegten die Crystal Fighters durch das Münchner Atomic Café. Und Lead-Sänger Sebastian dirgiert die Fans wie ein Zeremonienmeister. Der Sound der baskisch-britischen Band ist etwas völlig Neues.

Von Beate Wild

Kaum erklingt der erste Akkord, vibriert schon die Luft, zittern die Wände, bebt die Tanzfläche. Bei ihrem Auftritt am Mittwochabend im Atomic Café konnten die Münchner live erleben, warum die Crystal Fighters derzeit eine der gehyptesten Bands der Indie-Szene sind.

Geben live alles: die Crystal Fighters.

(Foto: oh)

Ihre Musik ist ein seltsam-schöner Mix aus Tribalpop und Electro. Was aber noch faszinierender ist, ist die Art und Weise, wie sie diesen Mix auf die Bühne bringen. Selten verströmt eine Band mehr Energie. Die Crystal Figthers fegen durch das Atomic Café wie ein Tornado.

Lead-Sänger Sebastian gibt alles. Wie ein wilder Derwisch tanzt er vor seinem Publikum, dirigiert es wie ein Zeremonienmeister. Seine langen Haare sind in einem Pferdeschwanz gebändigt, seine Show erinnert an die besten Sex-Drugs-Rock'n'Roll-Zeiten der Siebziger. Der Mann hat Rockstar-Qualitäten. Die weibliche Lead-Stimme kommt von Mimi, die mit ihrer sehr hohen, klaren Stimme den Gegenpart bildet.

Musikalisch können die Crystal Fighters nur auf ein sehr kleines Repertoire zurückgreifen. Bisher gibt es nur ihr erstes und einziges Album "Star of Love", das im Oktober 2010 erschienen ist. Doch das reicht, um das Münchner Publikum von der Band aus dem Londoner East End mit den angeblich baskischen Wurzeln zu überzeugen. Etwa "In the Summer", "Follow" oder "At home" - alles großartige Stücke, mit einem unbeschreiblichen Verve vorgetragen.

Apropos baskische Wurzeln: Über ihre wirkliche Herkunft hält sich die Band äußerst bedeckt und streut auch selbst im Internet die unterschiedlichsten Gerüchte darüber. Im Netz verorten sie sich in "Navarro, Spain". In der Realität sind sie aber wohl in London zu Hause. Tatsache ist allerdings, dass sie für ihren bizarr-schönen Sound traditionelle baskische Instrumente wie die Txalapartas, eine Art Xylophon, verwenden. Und angeblich beruht das ganze Musikkonzept der Band auf einer Oper, die der verstorbene Großvater eines der Bandmitglieder einmal geschrieben haben soll.

Ob nun wahr oder erdacht, die Crystal Fighters sind trotz aller Mystik auch eine sehr moderne Band. Zum einen sind sie auf Facebook äußerst aktiv und kommunizieren dort fleißig mit ihren Fans, zum anderen nutzen sie das Netz geschickt, um ihre Musik zu verbreiten. Auf ihrer Webseite bieten sie einen ihrer Songs zum kostenlosen Download im Gegenzug für einen Tweet an. "Pay with a Tweet" heißt dieses Konzept: Wer twittert, dass er sich gerade einen Song der Crystalfighters heruntergeladen hat, zahlt nichts für das Stück. Das ist nicht nur schlau, sondern auch zeitgemäß.

Der Abend im Atomic Café war dann zwar - da die Band nicht mehr Songs auf Lager hat - nach einer Stunde schon zu Ende, aber diese Stunde hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Von der geheimnisumwitterten baskisch-britischen Combo wird man sicher noch einiges hören. Das war erst der Anfang.