Münchens OB und die Olympiabewerbung Wie die Spiele Christian Ude verändert haben

Ironie und intelligenter Spott - damit begegnet Christian Ude stets seinen Kritikern. Bei der Münchner Olympiabewerbung reagiert er hingegen gereizt. Da hört für ihn der Spaß auf. Die Geschichte der Veränderung eines Mannes.

Von Dominik Hutter, Silke Lode und Christian Mayer

Wie schwierig der Weg hin zu Olympischen Spielen sein würde, hat Christian Ude nicht ahnen können, und vielleicht hat er auch unterschätzt, wie sehr die ganze Bewerbung, die teilweise einer Tortur glich, seine Kräfte in Anspruch nehmen, wie stark die olympische Vision den Realpolitiker fordern würde.

Diesen einen Satz kann der Münchner Oberbürgermeister bis heute nicht vergessen: "Hier in Garmisch sind alle dafür, Sie müssen nur noch die Münchner überzeugen", das hatten die Skilegenden Rosi Mittermaier und Christian Neureuther dem Gast aus München erklärt, der zu Besuch auf ihrer Almhütte war.

Im Jahr 2000 war das, und merkwürdigerweise ließ den Rathausprofi damals sein politisches Gespür im Stich. Denn der Aufstand in Garmisch-Partenkirchen, der freilich viel mit der politischen Gemengelage in der zerstrittenen Marktgemeinde zu tun hatte, markierte die wohl wichtigste Hürde der Münchner Bewerbung. Ude, eigentlich mit diplomatischem Geschick gesegnet, geriet angesichts der oberländischen Gefahr aus der Fassung, bezeichnete die Widerständler rüde als "kleinere Windmaschinen" und den Protest Garmischer Grundstückseigentümer und Umweltschützer als Medienprodukt.

Ähnlich ruppig reagierte er, als Teile der Grünen - gegen den erbitterten Widerstand der Rathaus-Fraktion und des dritten Bürgermeisters Hep Monatzeder - ins Lager der Olympia-Gegner einschwenkten. Der Mann am Marienplatz, der gerne alles unter Kontrolle hat und manchmal zur Autokratie neigt, schäumte vor Wut, weil ihm in Sachen Olympia immer wieder die eigene Ohnmacht, die Grenzen seiner Handlungsspielräume bewusst wurden. Bei Olympia war er eben nur einer im Team, wenn auch die dominante Figur.

Lange Zeit war es ein Wesenszug des Oberbürgermeisters, dass er auf Kritik mit feiner Ironie oder intelligentem Spott reagierte; politische Gegner und Parteifreunde ließ er nach solchen verbalen Attacken oft sprachlos zurück. Wenn das alles nichts half, nahm der rhetorisch brillante Ude Zuflucht in seiner liebsten Nebentätigkeit: Er machte dann aus der Kritik an seiner Politik reines Kabarett - die massiven Probleme bei der Planung einer neuen Fußballarena oder der Bürgerentscheid gegen Hochhäuser fanden Eingang in humoristische Reden und Texte des Oberbürgermeisters und Buchautors.

Beim Thema Olympia, das fällt auf, ist Ude offenbar zu dünnhäutig und innerlich zu angespannt, um der Sache eine heitere Seite abzugewinnen.

Selbst enge Mitarbeiter nahmen während der heißen Bewerbungsphase diesen Wandel besorgt zur Kenntnis: Udes Laune stieg und fiel mit dem aktuellen Zustand der Olympiabewerbung, das Projekt fraß immer mehr Zeit und Nerven. Auf einmal wirkte Ude, der immer so leichthändig auf der Klaviatur der Medien gespielt hatte, sichtlich angefressen.