Bürgerversammlung Sendling Mehr Licht als Schatten

Die Sendlinger Stadtviertelvertreter können von Erfolgen berichten. Dazu gehört die jahrelang geforderte Senioren-Einstiegstreppe im Südbad. Für die Montessorischule und die Sortieranlage zeichnen sich immerhin Lösungen ab

Von Birgit Lotze, Sendling

Pegida ist vertrieben worden aus Sendling, zumindest hat sie dort seit Sommer kein Stammlokal mehr. Der Tannengarten-Biergarten mit der Wirtschaft ist vor einem Abriss gerettet, die Einstiegstreppe ins Südbad gesichert - die etwa 250 Besucher der Bürgerversammlung am Dienstagabend sahen mehrmals Grund, die Ergebnisse der Arbeit ihres Bezirksausschusses (BA) im vergangenen Jahr zu beklatschen. Auch die Sendlinger Brache am Herzog-Ernst-Platz wird bald mit städtischen Wohnungen und Gebäuden für soziale Einrichtungen bebaut - ebenfalls ein Erfolg der beharrlichen Lokalpolitiker. Dass die Montessori-Pädagogik wieder einen Platz findet in Sendling mit Schule, Hort und Kindergarten, stehe noch aus, sagte der BA-Vorsitzende Markus Lutz (SPD) in seiner Ansprache, auch der Nutzerkonflikt an der Implerschule sei nicht gelöst. Die Kinder sollen mehr Platz zum Toben auf ihrem Pausenhof bekommen. Die Versammlung forderte, das die Lehrer dafür Parkplätze auf dem Schulgelände räumen.

Die Sitzung startete mit einer Überraschung: Die Lokalbaukommission hatte noch kurz vor Beginn eine E-Mail geschrieben, die den jahrelangen Streit zwischen den Sendlinger Senioren und den Münchner Bädern beenden könnte. Die Bauaufsichtsbehörde will die Stadtwerke München anweisen, das Südbad durchgehend mit einer Einstiegstreppe auszustatten. Entweder bleibe die bestehende mobile Treppe dauerhaft im Wasser, oder es werde eine feste Treppe gebaut, hieß es.

Auch die Mitglieder des Vereins "Montessori für Sendling", deren Kinder im Sommer das Schulhaus an der Reutberger Straße verlassen mussten, weil die Stadt dort bauen will, hatten Neuigkeiten: Die Stiftung Pfennigparade wurde als Träger einer Sendlinger Montessorischule gewonnen. Damit die Gebäude dafür auch wirklich realisiert werden, forderte die Bürgerversammlung die Stadt auf, den Verein rechtzeitig bei der Vergabe von frei werdenden Flächen auf dem Großmarktgelände zu berücksichtigen. Auch soll bereits bei der Ausschreibung die Nutzung durch Montessori festgemacht werden.

Die Sendlinger gaben Sitzungsleiter Alexander Reissl, dem Fraktionsvorsitzenden der SPD im Stadtrat, noch weitere Anträge an den Stadtrat mit. Der Gotzinger Platz soll schöner werden, mit einem Spielplatz, eventuell auch mit Boule-Platz, auf jeden Fall sauberer. Während des Oktoberfests sollen dort die Parkscheinautomaten abgeschaltet werden, so dass nur Anwohner ihr Auto abstellen können. Das Kreisverwaltungsreferat soll prüfen, ob die Zechstraße einen Zebrastreifen und die Implerstraße auf Höhe Schmied-Kochel-Straße eine Verkehrsinsel verträgt. Gefordert wird auch ein barrierefreier Zugang zur U-Bahn am Harras mit einer Rampe ähnlich wie am Sendlinger Tor. Einstimmig sprachen sich die Bürger dafür aus, dass das Amt für Wohnen und Migration den Eigentümer eines Hauses an der Danklstraße wegen Zweckentfremdung verwarnen soll. Seit drei Jahren stehen dort Wohnungen leer, doch die Stadt schreite nicht ein.

Bei der Versammlung wurde auch das Geheimnis gelüftet, wo die vielen Spielgeräte geblieben sind, die auf verschiedenen Spielplätzen abgebaut wurden. Bei der Sitzung entschuldigte sich ein Vertreter der Gartenbauabteilung im Baureferat dafür. Die Ursache sei ein "Beschaffungsstau", ausgelöst durch die starke Bautätigkeit der Stadt. Die Geräte seien im Winter "mangels Standfestigkeit" abgebaut worden. Monatelang seien von den Schaukeln nur die Stangen gestanden - "und das im Sommer, zur schönsten Schaukelzeit".

Es zeichnet sich ab, dass die Sortieranlage weiterhin sehr präsent sein wird in Sendling. Eine neue Bürgerinitiative hat die Idee, sie zu einem Marktplatz zu machen - mit viel Leben, von Sendlingern für Sendlinger, eventuell mit einem Café im Innenhof. Die Bürgerversammlung forderte die Stadt auf, die Bürgerinitiative zu unterstützen - durch Dialog- und Auskunftsbereitschaft, und auch organisatorisch: zum Beispiel mit Räumen für größere Workshops.

Fest steht, dass die Halle 1, die denkmalgeschützte Obst- und Gemüsehalle auf dem Großmarktgelände, nicht mehr als Standort für das Volkstheater favorisiert wird. Ein erneuter Antrag dafür scheiterte. Der Stadtrat hatte bereits im Dezember zu Gunsten eines Neubaus auf dem benachbarten Viehhofareal entschieden, weil dieser schneller zu realisieren ist, und die Zeit drängt. Sitzungsleiter Alexander Reissl befürchtete, dass sich der geplante Neubau der Großmarkthalle noch verzögert. In dem Fall würden die Händler die Halle 1 noch länger brauchen.