Olympia-Bewerbung 2022 Mehr als 100.000 Münchner haben Briefwahlunterlagen beantragt

Befürworter und Gegner der Olympiabewerbung haben in München ihre Plakate aufgehängt.

München will sich um die Olympischen Winterspiele 2022 bewerben - doch zunächst müssen die Bürger entscheiden. Das Interesse schien bislang gering, doch nun meldet das KVR einen Ansturm auf Briefwahlunterlagen. Damit ist das Erreichen des Quorums ziemlich wahrscheinlich geworden.

Von Anna Fischhaber

München will sich erneut um die Olympischen Winterspiele bewerben - doch zuerst müssen die Bürger in Garmisch-Partenkirchen, den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein und in München abstimmen. Insgesamt etwa 1,3 Millionen Menschen sind beim Bürgerentscheid am 10. November stimmberechtigt, davon allein in München etwa 1,08 Millionen.

Überall in der Landeshauptstadt haben die Befürworter deshalb ihre Botschaft plakatiert: "Oja!", heißt es auf den Plakaten. Die Grünen machen gleichzeitig gegen die Bewerbung mobil. Und die Bürger? Die interessiert das alles nicht - diesen Eindruck konnte man zumindest bislang gewinnen. Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) meldet nun allerdings: Bereits 103.721 Münchner haben bis Mittwochvormittag die Briefwahlunterlagen angefordert. Eine Zahl, die man auch beim KVR mit Überraschung zur Kenntnis genommen hat - und mit der das Erreichen des Quorums ziemlich wahrscheinlich geworden ist.

Stand Dienstagabend: 103.202. Zum gleichen Zeitpunkt waren es beim Entscheid zur Dritten Startbahn 91.343, beim Nichtraucher-Entscheid 91.962 - also mehr als 10.000 weniger. Beim KVR heißt es aber auch: "Es ist schwer zu sagen, ob der Trend - wie schon bei der Landtagswahl - allgemein zur Briefwahl geht oder ob wirklich so ein großes Interesse für die Olympiabewerbung herrscht."

Die Briefwahlunterlagen können in den fünf Münchner Wahlkreisbüros noch bis Freitag, 8. 11, 12 Uhr beantragt werden. Wer die Unterlagen online, per Fax oder Post beantragen will, muss sich dagegen beeilen, heißt es beim KVR.

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In Garmisch-Partenkirchen, wo nur etwas mehr als 20.000 Bürger abstimmen können, reichen schon wenige tausend Stimmen, um das Projekt zu stützen oder zu Fall bringen. Dort beträgt das Zustimmungsquorum wegen der kleineren Zahl der Stimmberechtigten 20 Prozent, in München sowie den Kreisen Traunstein und Berchtesgaden müssen mindestens zehn Prozent der Bewerbung zustimmen - oder sie eben ablehnen.

München gilt auch wegen der größten benötigten Zustimmung als Schlüsselort bei den vier Abstimmungen. Nach Berechnungen des KVR müssen etwa 107.000 Bürger für oder gegen die Olympiabewerbung stimmen, damit der Bürgerentscheid gültig ist. "Es müssen alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, dass wachgerüttelt wird", erklärte deshalb der Olympia-Befürworter und Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) vor einiger Zeit.

Falls nur bei einem der vier Entscheide die Gegner die nötige Mehrheit erreichen, wird sich München nicht bewerben. Wird das Quorum nicht erfüllt, wollen die Politiker die Entscheidung selbst treffen.

(Mit Agenturmaterial der dpa)