Blumentopf-Rapper promoviert in Physik Dr. Hip-Hop

Nicht nur im Reimen ein Profi: Blumentopf-Rapper Bernhard Wunderlich ist jetzt Doktor der Physik.

(Foto: Catherina Hess)

Bernhard Wunderlich ist Sänger der deutschen Hip-Hop-Band Blumentopf und nun außerdem Doktor der Physik. Ein Gespräch über das Fließverhalten von Ketchup, Uni-Rap und die Gemeinsamkeiten von Musik und Physik.

Von Cornelia Weber

Er ist der wohl intelligenteste Rapper Deutschlands: Bernhard Wunderlich. Blumentopf ist seit ihren "Raportagen", der singenden Berichterstattung zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006, einem breiten Publikum bekannt. Fünf Freisinger gründeten die Band 1992, gerade ist ihr siebtes Studioalbum erschienen. Seit kurzem ist Wunderlich Doktor der Physik.

SZ: Complex Microfluidics? Entschuldigung, woran genau haben Sie geforscht?

Bernhard Wunderlich: Es war eine experimentelle Arbeit an der TU Garching, bei der ich das Fließverhalten verschiedener Flüssigkeiten mikroskopisch untersucht habe. Ein klassisches Beispiel ist Ketchup: Wenn ich schnell rühre, wird es flüssig - bei Treibsand passiert das Gegenteil. Für Polymere, das sind langkettige Moleküle, habe ich ein Modell entwickelt.

Sie sind mit Blumentopf sehr erfolgreich. Warum haben Sie überhaupt promoviert?

Das mit der Band war eigentlich nie eine bewusste Entscheidung für den Beruf als Musiker. Mir war es immer wichtig, nicht auf Gedeih und Verderb vom Musikmachen abhängig sein. Nur so kann ich mir die künstlerische Freiheit bewahren und mich in der Musik auf das konzentrieren, worauf ich Lust habe.

Doktorarbeit und Band, das sind zwei Vollzeitjobs.

Ja, aber ich hatte an der Uni eine halbe Stelle, und derzeit bin ich in Elternzeit. Natürlich hat sich meine Doktorarbeit wegen der Band zeitlich verteilt, brutto habe ich fünf Jahre dafür gebraucht. Die Intensität mit Blumentopf ist phasenweise, und der große Vorteil einer Promotion ist die freie Zeiteinteilung. Ich saß jetzt nicht im Tourbus und habe Fachartikel gelesen, aber wenn wir nachmittags frei hatten, dann schon. Unter uns Bandkollegen haben wir die Regelung, dass ich mich um organisatorische Dinge weniger kümmern muss - dafür aber beim kreativen Arbeiten voll da bin.

Verfolgen Ihre Kollegen auch andere Projekte?

Ja, wir tun alle auch noch andere Dinge. Einer betreibt ein Café, ein anderer ein Musiklabel, sie arbeiten als Grafiker und DJ, und mittlerweile hat jeder schon ein eigenes Album veröffentlicht. Und mein Solo-Projekt war eben die Promotion.

Und die Studenten haben sich über einen prominenten Dozenten gefreut.

Ach, das war ganz unterschiedlich. Ich habe Praktikumsversuche betreut. Es gibt Studenten, die mich von der Band her kennen, und die stellen schon mal Fragen dazu. Aber die meisten thematisieren das gar nicht. An der Uni steht eben die Physik im Mittelpunkt.

Was denken Sie, werden Sie sich wohl eines Tages ganz für die physikalische Forschung oder das Musikmachen entscheiden?

Das weiß ich noch nicht, ich kann mir vieles vorstellen. Aber für eine wissenschaftliche Karriere bin ich mit meinen 37 Jahren eigentlich schon zu alt. Erst eine Post-Doc-Stelle an der Uni oder doch gleich in die Wirtschaft? Mal sehen.

Was haben Musik und Physik gemeinsam?

Wenn man eine gute Idee hat und kreativ ist, hilft einem das in beiden Bereichen weiter. Und man muss bei beidem Spaß daran haben. Aber das lässt sich wahrscheinlich verallgemeinern.