Bildungspolitik Überall in München fehlen Schulen

In München fehlen Schulen: Die Stadt muss in den kommenden Jahren ein gigantisches Schulprogramm schultern.

(Foto: FFB)

Sieben zusätzliche Gymnasien, fünf Realschulen und etwa 20 neue Grundschulen: Schulrat Schweppe muss das größte Bauprogramm seit 50 Jahren in Angriff nehmen - und räumt ein, dass in der Vergangenheit nicht immer alles perfekt gelaufen sei.

Von Melanie Staudinger

Die Stadt München muss in den kommenden Jahren das größte Schulbauprogramm seit der Nachkriegszeit schultern. Stadtschulrat Rainer Schweppe (SPD) rechnet damit, dass sieben zusätzliche Gymnasien, fünf Realschulen und zwei bis drei Berufsschulen nötig sein werden. Außerdem braucht die Stadt ungefähr 20 neue Grundschulen, im Januar war noch von zehn die Rede. "Dazu werden wir sehr viele Grundschulen erweitern müssen", sagt Schweppe im Gespräch mit der SZ. Eine genaue Zahl wollte er nicht nennen, da die Untersuchung der bestehenden Schulen noch laufe. Die Ergebnisse sollen aber vor der Sommerpause im Stadtrat vorgestellt werden. Die Bestandsanalyse der Gymnasien und Realschulen steht ebenfalls noch aus. Sie könnte, so vermutet der Stadtschulrat, weitere Defizite aufdecken.

Schweppe führt den Nachholbedarf nicht auf Versäumnisse in der Baupolitik zurück. "München wächst schneller, als alle Prognosen vorhergesagt haben", sagt er. Die CSU schätzt die Lage anders ein. Schon lange kritisiert Fraktionschef Josef Schmid, dass die Stadt zu lange am Ausbau der Schulen gespart habe. Sie versage wegen unzureichender Organisation und wegen Personalmangels bei der Schulplanung. Schmid moniert nicht nur einen Investitionsstau, sondern auch dass etwa Schulen in Neubaugebieten nicht gleichzeitig mit den Wohnungen dort fertiggestellt würden, sondern oft erst Jahre später.

Dass in der Vergangenheit nicht immer alles perfekt gelaufen sei beim Bau und der Sanierung von Schulen, räumt auch Schweppe ein. "Wir müssen die Bauprozesse beschleunigen", erklärt er. Die 2013 eingerichtete, referatsübergreifende Arbeitsgruppe "Schulbauoffensive" arbeite zwar gut, gelange aber an ihre Grenzen. Sie soll nach geeigneten Grundstücken für Neubaumaßnahmen und Erweiterungen fahnden. Intern arbeite das Bildungsreferat daher an einem neuen Konzept - die Behörde soll sich zum einen organisatorisch besser aufstellen, zum anderen sollen die Projekte schneller realisiert werden.

Laut Schweppe sei der Prozess im Gange, es gebe "keine Denkverbote". Erste Ergebnisse aber könne er bereits präsentieren. So erprobt die Stadt derzeit eine Modulbauweise im Grundschulbereich. Für die Schulen in der ehemaligen Funkkaserne, der ehemaligen Prinz-Eugen-Kaserne und zwei Grundschulen im Neubaugebiet Freiham haben Experten ein einheitliches Grundmodul entwickelt, das jeweils Räume für je eine Klasse der Jahrgangsstufen eins bis vier enthält. Dieser Baustein lasse sich beliebig oft verwenden, entweder nebeneinander oder gestapelt. "Das könnte das Bauen vereinfachen, weil wir nicht jedes Mal wieder von vorne planen müssen", sagt Schweppe. Bis 2017 werden die vier Grundschulen stehen.

Im Bildungsreferat bekommt vor allem die Abteilung "Zentrales Immobilienmanagement" mehr Personal. Die Mitarbeiter sollen besser mit dem Bau- und dem Planungsreferat zusammenarbeiten, damit die neuen Schulen schneller stehen. Sie kümmern sich zudem um die Erweiterung bestehender Einrichtungen. Hier steht das Bildungsreferat schwer in der Kritik. Schulleiter monierten, dass zugesagte Maßnahmen immer weiter verschoben wurden und sie nicht planen könnten. "In diesem Bereich müssen wir transparenter und verlässlicher werden", sagt Schweppe.

Für Schulleiter müsse klar einschätzbar sein, welche Sanierungen wann anstünden.