Bernstorfer Goldschatz Ärger unter Archäologen

Ernst Pernicka bezweifelt die Echtheit des Bernstorfer Fundes (hier bei der Betrachtung einer Replik der Himmelsscheibe von Nebra)

(Foto: dpa)

Ernst Pernicka traut dem Glanz nicht: Der Goldschmuck, der in Bernstorf gefunden wurde, ist nach seiner Einschätzung mit modernen Methoden hergestellt worden. Doch nicht alle Experten schließen sich der These des Wissenschaftlers an.

Von Günther Knoll

Die Archäologie hat es seit je mit Raubgräbern zu tun. Dass auf Grabungsstätten geplündert wird, ist trauriger Alltag der Wissenschaftler. Dass aber jemand etwas hinzufügt, eher die Ausnahme. Gerade das aber soll im Fall der bronzezeitlichen Befestigungsanlage in Bernstorf im Landkreis Freising der Fall gewesen sein. Dort stieß man vor rund 15 Jahren auch auf wertvollen Goldschmuck, der jetzt zusammen mit ebenfalls in Bernstorf gefundenem Bernstein in der Archäologischen Staatssammlung gezeigt wird.

Dieses Gold ist nach Überzeugung von Ernst Pernicka, der als Experte für die Herkunftsbestimmung archäologischer Funde gilt, mit modernen Methoden hergestellt und deshalb eine Fälschung. Pernicka ist nicht der einzige, der dem Glanz nicht traut. Nach einer Tagung Anfang Oktober in München, in der es um die Authentizität dieses Fundes ging, hegen auch andere Experten Zweifel an der Echtheit. Und sie können nicht verstehen, dass die Verantwortlichen offenbar versuchen, die diesbezüglichen Erkenntnisse der Öffentlichkeit vorzuenthalten.

Zweifel von Anfang an

Die Verantwortlichen sind der Direktor der Sammlung, Rupert Gebhard, und der für die Bernstorfer Grabung verantwortliche Frankfurter Archäologe Rüdiger Krause. Ihnen reichen Pernickas Analysen ebenso wenig wie andere Forschungsergebnisse, nach denen auch der Bernstein sowie die Sedimentummantelungen der Funde rezent sein - also aus neuer Zeit stammen - sollen. Sie halten an der Echtheit der Funde fest, versprechen aber weitere Untersuchungen, wie es in einer Pressemitteilung zu den Tagungsergebnissen steht.

Stefan Winghart, Präsident des niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege, war zum Zeitpunkt, als man auf die bronzezeitliche Befestigung Bernstorf stieß, der verantwortliche Archäologe im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Er habe von Anfang an Zweifel an der Echtheit der Funde gehabt, sagt Winghart. Die Tagung habe diese Zweifel nun bestätigt. Er sei damals "verärgert" gewesen, als ein Hobbyarchäologe nach Rücksprache mit dem Geologischen Landesamt von sich aus zu graben begonnen habe, und habe dann auch die Grabung beendet.

Ist auch der Bernstein eine Fälschung?

Aus Wingharts ersten Zweifeln, als die aufsehenerregenden Funde ausgerechnet im Abschubmaterial von späteren Grabungen des Landesamt gemacht worden sein sollen, sind offenbar inzwischen eine ganze Menge geworden. Bei der Tagung habe eine Spezialistin aus Exeter auch den Bernstein als Fälschung bezeichnet. Er selbst kenne kein einziges so bearbeitetes Stück aus dieser Zeit, für das Rohbernstein verwendet worden sei, sagt Winghart. Auch "grinsende Gesichter", wie sie einer der Bernstorfer Steine zeige, seien in dieser Zeit nicht bekannt. Und dass sich eine Ummantelung aus Sand und Lehm über eine Dauer von 3300 Jahre halten könne, "halte ich bei unserem Klima für unmöglich". Darauf deute auch die Tatsache hin, dass sie am Fundort sehr leicht abzuwaschen gewesen seien. Erfahrungen aus 35 Jahren Archäologie sagten ihm, "das gibt es nicht".

Harald Meller, Landesarchäologe in Sachsen-Anhalt, ist nun bemüht, den Verlauf der Tagung in München richtig zu stellen um "Schaden vom Fach abzuwenden und die Öffentlichkeit, die schließlich besagte Forschungen finanziert, nicht außen vor zu lassen". An den Ergebnissen Pernickas, die mit modernsten Messmethoden durchgeführt und zusätzlich an der ETH Zürich zur Kontrolle gemessen wurden, bestehe im Kollegenkreis kein Zweifel. Zudem seien auf dem Kongress noch zwei weitere eindeutige Ergebnisse präsentiert worden, die den Fälschungsverdacht erhärteten: In der Lehmummantelung der vermeintlich antiken Funde habe sich eine moderne Koniferennadel gefunden, die geologische Expertise der Lehmbrocken spreche ebenfalls gegen ein bronzezeitliches Alter.

Auch die Bernsteinartefakte hätten dem Gutachten renommierter Spezialisten nicht standgehalten. Nach der Tagung in München, so resümiert der Hallenser Archäologe, lägen damit insgesamt vier Indizien für eine moderne Fälschung vor. "Bei gefälschten Banknoten reicht schon ein falsches Merkmal aus, um den Geldschein aus dem Verkehr zu ziehen."