Baby-Boom Modernste Technik im Kreißsaal

Natürlich haben werdende Eltern vor allem einen Wunsch: dass ihr Kind gesund sein möge. Dieser Wunsch wird nicht in allen Fällen erfüllt. Im Klinikum des Dritten Ordens in Nymphenburg kommen im Jahr mehr als 2000 Kinder zur Welt. Davon sind fast zehn Prozent zu früh dran, von denen wiederum mehr als ein Viertel unter dem prekären Geburtsgewicht von 1500 Gramm liegt. Das Klinikum ist darauf vorbereitet - auch auf die 80 Fälle im Jahr, bei denen Kinder schon mit schweren Fehlbildungen zur Welt kommen und sofort operiert werden müssen. Der kinderchirurgische Operationssaal liegt ein Stockwerk tiefer als die Kreißsäle, und damit diese Handvoll Mensch ohne weitere Belastungen dort hingelangt, führt ein rüttelfreier Aufzug hinunter. Auf den weist Chefarzt Franz Edler von Koch ebenso stolz hin wie darauf, dass in den Kreißsälen iPod-Dockingstationen vorhanden sind, damit die Mutter eigene Musik hören kann.

Hochleistungsmedizin wie im Dritten Orden bieten auch die beiden Universitätskliniken, das Rechts der Isar, das zur TU gehört (1715 Geburten im Jahr 2011), und das LMU-Klinikum, das die Geburten an den beiden Standorten Maistraße und Großhadern zusammenzählt und so auf mehr als 4000 im Jahr kommt - mehr als die Taxisklinik, was diese wiederum unfair findet. Das gilt im Übrigen auch für das Städtische Klinikum, das 4600 Geburten im Jahr zählt, allerdings an den drei Standorten Harlaching, Schwabing und Neuperlach.

Den beiden Uni- Häusern haftet der Ruf des Kalten, Unpersönlichen an. Dass Großhadern beim architektonischen Kuschelfaktor nicht an erster Stelle liegt, geben sogar jene zu, die dort das Sagen haben. In Internetforen für Schwangere finden sich aber stets Mütter, die von ihren positiven Erfahrungen dort berichten, nämlich dass sich der Beton auf Herzlichkeit und Zuwendung von Ärzten und Pflegepersonal in keiner Weiser ausgewirkt haben.

In dem Wunsch nach angenehmer Atmosphäre haben andere Häuser ihre Nische entdeckt: Die Geisenhofer-Klinik im Englischen Garten residiert in einer alten Villa mit Park, 2000 Babys kommen dort pro Jahr zur Welt, in 50 Fällen kommen die Mütter aus dem Ausland, "diese Patientinnen reisen extra zur Geburt an", erzählt Geschäftsführer Tilman Götzner, "bis zur Prinzessin aus Arabien".

Ein solides Kreiskrankenhaus ist das Klinikum Starnberg, das auch von vielen Münchnerinnen frequentiert wird, 15 bis 20 Prozent der 2100 Geburten pro Jahr, schätzt Geschäftsführer Thomas Weiler: Sein Haus, sagt er, verbindet das Kleine - 300 Betten, davon 35 auf der Geburtsstation - mit dem gesamten Angebot von Geburtshilfe, Perinatal- und Intensivmedizin. Und dann gibt es neben den Kliniken in und um München noch sämtliche Möglichkeiten mehr oder weniger ambulanter Geburten, Geburtshäuser, Hebammenpraxen, die, was modische Trends wie Homöopathie betrifft, auch nicht mehr oder weniger anbieten als die großen Häuser - vielleicht mit der Ausnahme, dass dort auf der Liste der mitzubringenden Gegenstände auch ein "Gefäß für die Plazenta, falls Sie sie mitnehmen möchten" steht.

Über dem allem, über der Hochleistungsmedizin, den rüttelfreien Aufzügen, den Salzlampen, den Duftkerzen sollte aber nicht vergessen werden, was Ina Rühl, die Oberärztin der Taxisklinik sagt: "Schwangerschaft ist keine Krankheit", und: "Jede gesunde Frau kann ihr Baby aus eigener Kraft zur Welt bringen." Heute in München wie vor 2000 Jahren in Bethlehem.