Autofreie Innenstadt Bitte nicht röhren

Sie könnte bald erweitert werden: die Fußgängerzone in der Altstadt.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Die Münchner Altstadt könnte doch noch autofrei werden: Der Freistaat will untersuchen lassen, was eine Sperrung für die Luftqualität bedeuten würde.
  • Stadtbaurätin Elisabeth Merk würde das entgegenkommen - sie hält Autos im Altstadtkern für überflüssig.
  • Falls die Auto-Bann tatsächlich kommt, ist jedoch mit vielen Ausnahmen zu rechnen.
Von Dominik Hutter

Zona Traffico Limitato nennt sich das Ganze in Italien, die Zentren von Florenz oder Mailand fallen ebenso darunter wie das Gassengewirr rund um die Piazza Navona in Rom. Wo einst die Vespas durchknatterten, ist nur noch das Klackern der Passanten oder das Raunen aus den Trattorien zu hören.

Auch München hatte schon einmal eine autofreie Altstadt: im Juli 2008, als der 850. Stadtgeburtstag mit einer riesigen Straßenparty begangen wurde. Damals war für ein Wochenende nicht nur der Altstadtring gesperrt. Das ganze historische Zentrum wurde von Autos geräumt, die Fußgänger konnten auf der gesamten Straßenbreite flanieren. Schön war das, fanden damals viele. Und es flammte die Debatte auf, ob ein autofreies Zentrum nicht auch abseits aller Jubiläumsfeierlichkeiten wünschenswert wäre.

Stadtbaurätin Merk wünscht sich Bürgerentscheid

Im Stadtrat gab es allerdings nie eine Mehrheit für einen Auto-Bann, auch das schwarz-rote Rathausbündnis hat ihn nicht auf der Agenda. Nun könnte er durch die Hintertür kommen: Der Freistaat will zumindest untersuchen lassen, was eine Sperrung der Altstadt für die Luftqualität bedeuten würde. Das ist noch längst keine Entscheidung für eine Mega-Fußgängerzone. Aber es passt zu den Vorstellungen von Stadtbaurätin Elisabeth Merk, die Autos im Altstadtkern generell für ziemlich überflüssig und störend hält. Anwohner und Lieferanten sollten jedoch weiterhin einfahren dürfen, findet die Planungsexpertin. Denkbar seien auch Ausnahmen für Hotelgäste oder Elektro- und Carsharing-Autos.

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Es gehe nicht darum, die Autos kategorisch zu verbannen, sagt Merk. Sie ist aber der Meinung, dass die Münchner Altstadt an einer Zeitenwende steht und eine Debatte überfällig ist. "Wie in den Sechziger-, Siebzigerjahren stehen wir jetzt vor der Frage: Wie wollen wir die Innenstadt weiterentwickeln?" Merk würde dabei am liebsten die Münchner per Bürgergutachten einbeziehen. "Ich setze darauf, dass die Bürger uns vernünftige Ideen mitgeben", sagt sie. Eine solche Entscheidung muss allerdings der Stadtrat treffen.