Heute fällt der letzte Vorhang für das Rohrer & Brammer wegen gravierender Unstimmigkeiten.
Im Oktober 2009 übernahmen Christiane Brammer und Susanne Rohrer das Heppel & Ettlich in der Kaiserstraße. Damit traten sie ein großes Erbe in der Schwabinger Kleinkunstszene an.
Ende und aus für Rohrer & Brammer. (© Foto: Haas)
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Nach über 33 Jahren hieß die Kneipe fortan Rohrer & Brammer. Sie wurde zu einem Restaurant umgebaut, die Bühne vergrößert und modernisiert. Und als Dritten im Bunde holten sie Andre Bahlo hinzu. Er war verantwortlich für die Gastronomie. In kurzer Zeit stellten sie ein abwechslungsreiches und individuelles Programm zusammen. Doch nun fällt nach nur sieben Monaten der letzte Vorhang wegen gravierender Unstimmigkeiten mit Andre Bahlo, wie Christiane Brammer und Susanne Rohrer erklären.
SZ: Was ist passiert? Das Theater lief doch gut.
Christiane Brammer: Ja, allein im ersten Quartal hatten wir 3000Besucher, die Reaktionen des Publikums und der Künstler waren sehr positiv.
SZ: Wer hatte das Sagen?
Brammer: Wir waren eine GbR. Andre Bahlo hielt 50Prozent von allem, Susanne Roher und ich die anderen 50Prozent. Er war für die Gastronomie zuständig, wir waren für das Theater verantwortlich. Halbe, halbe - so sollte auch die Arbeit verteilt werden. Den ersten Knacks gab es eigentlich schon Ende November. Später stellten fest, dass Bahlo in einem Zeitraum von sechs Wochen nur fünfmal im Haus war, jede von uns dagegen 22mal. Sein Engagement hat ziemlich schnell nachgelassen.
Susanne Rohrer: Er sagte, er wolle nur Geld verdienen. Das wollten wir auch. Aber er hat mit unserer Arbeit Geld verdient. Weil wir uns so ins Zeug gelegt haben, lief das Theater - und damit dann auch Lokal. Ich denke mir: Wenn man Geld verdienen will, dann muss man dafür auch was tun. Aber davon war bei ihm relativ schnell nicht mehr viel zu sehen. Dann war das Ganze auf einmal "sein Lokal", und es störte die Gäste angeblich, dass Programmflyer auf den Tischen lagen.
SZ: Er hielt 50 Prozent und Sie auch. Dann hätte ja auch er gehen können.
Rohrer: Eigentlich ja. Und darüber haben wir auch nachgedacht. Als wir gemerkt haben, dass da einiges nicht glatt lief, haben wir drei Profis aus verschiedenen Bereichen um ihre Einschätzung gebeten. Alle sagten: So funktioniert das nicht! Vorsicht! Da ist Vieles gelaufen, das wir eben leider nicht mehr ganz nachvollziehen können. Also sind wir zum 1. April aus der GbR ausgestiegen, haben aber zugesagt, das Theater und die Künstler noch bis Anfang Mai zu betreuen.
SZ: Vor allem ist es doch schade, dass es die Bühne nun nicht mehr geben wird.
Brammer: Das ist wirklich das Schlimmste an der Sache. Wir hatten noch so viele Ideen, wollten noch so viel anpacken: Schwabinger Festspiele, ein Open Air, eine moderne Theaterproduktion aus Paris, Specials zur Fußballweltmeisterschaft oder Kunstausstellungen. Wir waren uns der Verantwortung bewusst, diese traditionelle Kulturstätte zu erhalten - mit einer Art Salontheater, einem künstlerischen Treffpunkt, wo Vieles möglich ist, viel Neues passiert.
Rohrer: Und wir waren aber auch nicht so naiv zu glauben, dass wir das alleine schaffen. Wir wussten, dass das Ganze auch nur mit angeschlossener Gastronomie funktioniert.
SZ: Erfahrungen, Kontakte, Ideen - was spricht dagegen, es woanders noch einmal zu versuchen?
Beide: Nichts! Es war eine tolle Zeit - und das Publikum und die Künstler waren großartig.
SZ: Also planen Sie etwas Neues? Brammer: Erst mal wieder Kräfte sammeln.
Rohrer: Und wenn, dann ist für uns beide klar: Wir würden nie wieder jemanden reinnehmen, sondern nur noch anstellen.
SZ: Wann fällt der letzte Vorhang im "Rohrer&Brammer"?
Beide: Heute! Nach dem Jazz-Konzert mit Grammy-Gewinner John Jorgenson.
SZ: Werden Sie bei der Abschiedsveranstaltung dabei sein?
Rohrer: Oh, nein! Wir haben Hausverbot, weil in "seinem" Theater mitgebrachte Speisen und Getränke ausgegeben und verzehrt wurden. Wir hatten für die Premierenfeier von Anna M.Spies, die Bahlo nicht mehr ausrichten wollte, selbst was mitgebracht und auch zugestimmt, dass Anna im Theater ihren Gästen Käse und Sekt anbieten kann.
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(SZ vom 03.05.2010)
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Ich habe die Trauer um das Heppel&Ettlich noch nicht ganz verdaut und gebe zu, dass ich das Scheitern des Nachfolgeprojekts deshalb mit Genugtuung sehe: Das Heppel war eine lebendige Kneipe fürs Feierabendbier und Alltagsessen zu halbwegs vernünftigen Preisen. Das Lokal hat zur Bühne gepasst und umgekehrt. Was danach kam, ist ein meistens ziemlich totes, immer ziemlich teures und jedenfalls völlig austauschbares Restaurant mit kulturellem Feigenblatt.
Wie der anscheinend aus dem Umfeld des Wirtes stammende Zickenalarm-Kommentar zeigt, erschließt sich vielen Wirten sich die Bedeutung von Kultur einfach nicht.
ist das gaaaanz große Kultur,
in anderen Städten nennt man so etwas Zickenalarm!