Mutmaßlicher Fund aus der Bronzezeit Archäologen streiten über Bernstorfer Goldschatz

Ernst Pernicka hat auch das Gold auf der Himmelsscheibe von Nebra untersucht.

(Foto: dpa)

Ein Chemie-Professor behauptet, der Goldschatz von Bernstorf sei eine Fälschung. Der Chef der Archäologischen Staatssammlung und ein Fachkollege halten diese Schlüsse für voreilig und falsch - und verweisen darauf, dass die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind.

Von Günther Knoll

Wenn das Gold redet, schweigt die Welt, lautet ein römisches Sprichwort. Doch weil das Edelmetall selbst keine Stimme hat, wird derzeit heftig über den Goldfund von Bernstorf diskutiert. Der Schmuck, der in der Archäologischen Staatssammlung in München ausgestellt wird, ist nach Meinung des Heidelberger Professors Ernst Pernicka eine moderne Fälschung. Rupert Gebhard, Direktor der Sammlung, und der Frankfurter Archäologieprofessor Rüdiger Krause, die das Forschungsprojekt Bernstorf leiten, halten diesen Schluss für voreilig und falsch.

Laut Gebhard ist modernes Gold von der Struktur her anders als der Bernstorfer Fund, der in die mittlere Bronzezeit datiert wird. Und Krause verweist darauf, dass man es zum ersten Mal in Mitteleuropa mit einem Fund von so reinem Gold zu tun habe, das gebe natürlich Rätsel auf. Beide weisen darauf hin, dass die Untersuchungen des Fundes noch nicht abgeschlossen sind.

"Damals war alles einwandfrei"

Der Chemiker Pernicka, Experte für die Herkunftsbestimmung archäologischer Funde, kommt zu dem Schluss, dass Gold mit einem Gehalt von 99,9 Prozent, wie es der Bernstorfer Fund aufweise, nur mit modernen Methoden hergestellt werden könne und dass dieser deshalb eine Fälschung sein müsse. Zum Zeitpunkt der Funde vor 15 Jahren habe man die Stücke "nach dem damaligen Stand der Technik" untersucht, "damals war alles einwandfrei", sagt Gebhard.

Zu sehr Gold, um wahr zu sein

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Im Forschungsprojekt, das die 3500 Jahre alte bronzezeitliche Befestigungsanlage Bernstorf bei Kranzberg im Landkreis Freising untersucht, bediene man sich derzeit für das Gold moderner Untersuchungsmethoden. Pernickas Metallanalyse sei da von den anderen Ergebnissen abgewichen. Und bei der Meinung, dass es Gold dieser Reinheit in der Antike nicht gebe, "trennen sich die Geister". Gebhard findet es falsch, dass Pernicka mit seinen Ergebnissen jetzt an die Öffentlichkeit ging, obwohl die Untersuchungen nicht abgeschlossen seien. "Wir müssen jetzt hinterherhecheln."

Fundumstände sind nicht genau dokumentiert

Krause sieht das Problem darin, dass die Fundumstände in Bernstorf nicht genau dokumentiert sind. "Das ruft natürlich die Zweifler auf den Plan." Bei einem Workshop in München hätten Experten bestätigt, dass man die Frage der Echtheit nicht allein mit moderner Analytik beantworten könne. Es gebe auch eine Untersuchung, die belege, dass man solches Gold nicht elektrolytisch herstellen könne, das habe Pernicka "völlig weggelassen" - ebenso wie die Tatsache, dass im Bernstorfer Gold auch Blei vorhanden sei. Aber "es geht nicht um ein Promille hin oder her bei Spurenelementen, es geht um die Interpretation", sagt Krause.

Im Fach herrsche "große Angst vor Fälschungen", versucht der Archäologe ein Motiv für die Zweifel zu finden. Doch inzwischen spielten leider auch zu viele Emotionen und Egoismen mit, "das ist schade für die wissenschaftliche Diskussion". Man werde das Gold jetzt von der Bundesanstalt in Berlin untersuchen lassen, auch wenn der Fund im Grund eine "losgelöste Geschichte" sei. Denn, so sagt Bronzezeit-Experte Krause, "das archäologische Ausgrabungsprojekt steht". Dass die beiden Amateure, die 1998 den Fund meldeten, etwas mit einer Fälschung zu tun haben könnten, ist für Krause "extrem unwahrscheinlich". Dass diese dafür reichlich "Finderlohn" vom Freistaat bekamen, habe die Kollegen natürlich "extrem kritisch" gemacht.

Manfred Moosauer hatte 1998 zusammen mit Traudl Bachmaier den Fund gemeldet. Moosauer nennt die Fälschungsvorwürfe eine "bodenlose Unverschämtheit", aber: "Feinde hatten wir schon immer." Das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst wiederum vertraut auf die Fähigkeit der Staatssammlung, die Untersuchung erfolgreich durchzuführen. Das steht in einer Pressemitteilung des Ministeriums. Der Forschungsstand lasse offensichtlich "unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten" zu. Die Staatssammlung mache zurecht darauf aufmerksam, dass die Untersuchung ein komplexes wissenschaftliches Unterfangen sei, das Zeit benötige.