Ansteckende Krankheit An der Schlau-Schule werden alle Schüler und Mitarbeiter auf Tuberkulose getestet

In der Münchner Schlauschule sind Tuberkulose-Fälle aufgetaucht.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • An der Schlau-Schule waren sechs Schüler und eine Lehrerin an Tuberkulose erkrankt.
  • Bei weiteren Personen wurde eine Infektion festgestellt. Allerdings ist die Krankheit bei ihnen nicht ausgebrochen.
Von Thomas Anlauf

Nach dem Auftreten von insgesamt sieben Fällen von Tuberkulose in der Münchner Schlauschule werden derzeit 300 Menschen aus dem Umfeld der sechs erkrankten Schüler und der Lehrerin medizinisch untersucht. Für 140 Personen liegt bereits das Ergebnis vor: Nach Angaben der Regierung von Oberbayern gibt es zwar keine weiteren Krankheitsfälle, allerdings wurde bei 19 untersuchten Personen eine sogenannte Latente Tuberkuloseinfektion (LTBI) festgestellt. Das bedeutet, dass der immunologische Test positiv verlief, aber keinerlei Krankheitszeichen aufgetreten sind.

Bei weiteren 16 untersuchten Personen aus dem Umfeld der Schüler und Lehrer wurden bereits aus früheren Untersuchungen bekannte LTBI diagnostiziert. Zudem wurde bei fünf Personen, die bereits im Januar untersucht wurden, nun Abwehrzellen gegen den Tuberkulose-Erreger gefunden. Auch in diesen Fällen sei die Krankheit nicht ausgebrochen, teilt Regierungssprecher Martin Nell mit. Die endgültigen Ergebnisse der Umgebungsuntersuchungen sollen bis 27. April vorliegen.

Sieben Fälle von Tuberkulose an Schlau-Schule

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An der Münchner Schlauschule werden etwa 320 junge Geflüchtete unterrichtet. Nach Tests bei einem ersten Verdachtsfall auf Tuberkulose wurden im Januar zunächst 114 Personen im Umfeld des ersten Patienten auf Tuberkulose (TBC) untersucht. Demnach sind sechs Schüler erkrankt, vier waren ansteckend. Sie wurden isoliert behandelt und sind nach Angaben der Schlauschule nicht mehr ansteckend. Die erkrankte Lehrerin ist ebenfalls nicht mehr in Quarantäne, sagte Barbara Meyn, Geschäftsführerin des Trägerkreises Junge Flüchtlinge. "Das ist sehr erfreulich", so Meyn. An der Schule bestehe keine Ansteckungsgefahr.

Eine Schließung der Schlauschule wegen der Krankheitsfälle ist nicht geplant, bestätigt das Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU). Dies sei "aus fachlicher Sicht nicht angezeigt", so Regierungssprecher Nell. Es bestehe ein guter Informationsaustausch zwischen RGU und der Schulleitung, zwischen der Geschäftsführung der Schule und dem ermittelnden Lungenarzt des RGU sogar ein "hotline-ähnlicher Kontakt", so Nell.

Die Ansteckungsgefahr durch TBC sei "erfahrungsgemäß nicht so hoch", teilt der Regierungssprecher mit. Erst bei einem mindestens achtstündigem Kontakt mit einem Patienten, der offene Tuberkulose habe, sei eine Umgebungsuntersuchung empfohlen. Entsprechend bestehe eine Ansteckungsgefahr für die Allgemeinbevölkerung und Anwohner "nur bei engerem Kontakt" zu den Patienten.

Die Zahl der Tuberkulosefälle in Deutschland geht seit Jahrzehnten stark zurück, so gibt es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts heute weniger als halb so viele Erkrankte im Vergleich zur Zeit Mitte der Neunzigerjahre, als 12 000 Fälle der meldepflichtigen Infektionskrankheit bekannt waren.

Dennoch kommt es immer wieder zu Fällen, in denen auch Schulen oder Kindertagesstätten betroffen sind. Im Jahr 2011 erkrankten mehrere Kinder einer internationalen Vorschule in Pullach. Sie hatten sich offenbar bei einer Lehrerin angesteckt. Zwölf der 53 Kinder galten damals als infiziert, vier hatten Krankheitssymptome. Diese sind recht allgemein: anhaltender Husten, Fieber, Schüttelfrost, Nachtschweiß, außerdem können Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Müdigkeit, Atembeschwerden und Brustschmerzen auftreten. Patienten werden mit Antibiotika behandelt.

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