Amtsgericht München Streit um Rassismus endet mit Vergleich

Hamado Dipama im Amtsgericht München.

(Foto: Stephan Rumpf)

Werden Schwarze in München von Türstehern aus rassistischen Gründen abgewiesen? Das hat Hamado Dipama, Mitglied im Ausländerbeirat, dem Betreiber des Nachtclubs Pimpernel vorgeworfen. Vor Gericht werden sich die beiden dann aber einig - nach stundenlanger Diskussion.

Von Bernd Kastner

Es hat einiger Stunden Diskussion bedurft, in der Schlichtung und vor dem Amtsgericht, ehe in letzter Minute ein Vergleich herauskam: Hamado Dipama, Mitglied im Ausländerbeirat, und der Betreiber des Traditions-Nachtclubs Pimpernel haben am Dienstag ihren Streit beigelegt. Der aus Burkina Faso stammende Dipama hatte dem Pimpernel-Chef Sven Künast vorgeworfen, dass einer von dessen Türstehern ihm aus rassistischen Gründen den Eintritt verweigert habe. "Nur für Stammgäste", habe die Begründung gelautet. Wenig später seien andere, ebenfalls keine Stammgäste, jedoch eingelassen worden.

Dipama hatte mit einigen Bekannten im April vergangenen Jahres einen Rassismus-Test in zahlreichen Clubs und Bars gemacht und immer wieder festgestellt: Schwarze müssen mit fadenscheinigen Begründungen draußen bleiben. Daraufhin hat Dipama sechs Clubs auf der Grundlage des Anti-Diskriminierungsgesetzes verklagt. In der vergangenen Woche wurde ihm zum ersten Mal Schmerzensgeld zugesprochen.

Wie an der Tür "selektiert" wird

Pimpernel-Chef Künast beteuerte immer wieder, dass Dipama nicht wegen seiner Hautfarbe abgewiesen worden sei, sondern weil er eine "negative und provozierende Stimmung" ausgestrahlt habe. Dies habe der Türsteher versichert. Rassismus an seiner Clubtüre würde er nicht dulden. Es werde zwar "selektiert" an der Türe, aber nach anderen Kriterien: Aggression, Stimmung, Alkohol, Drogen. Indirekt bezichtigte Künast den Kläger der Lüge.

Angesichts dieser Argumentation lehnte Dipama einen Vergleich zunächst ab, er vermisse echte Einsicht. Außerdem sei ihm schon in früheren Jahren mehrfach der Zutritt zum Pimpernel verweigert worden. Erst als sich Künast und sein Anwalt zu wortreichen Entschuldigungen durchrangen, lenkte Dipama ein.

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Es tue ihm leid, erklärte der Clubbetreiber, dass bei Dipama der Eindruck entstanden ist, er sei wegen seiner Herkunft nicht ins Pimpernel eingelassen worden, "ich bedauere das wirklich". Im Vergleich bleibt offen, wie es in jener Aprilnacht wirklich war. Aber Künast verpflichtet sich, Dipama künftig nicht wegen seiner Hautfarbe abzuweisen.