Amtsgericht München Bellen gegen den Volkstrauertag

Während sein Herrchen vor dem Richter stand, wartete Pico brav vor dem Justizgebäude.

(Foto: dpa)

Ein Münchner soll 100 Euro Bußgeld zahlen, weil er seinen Hund bei einer Gedenkfeier zum Volkstrauertag bellen ließ. Nun wehrt er sich. Doch der Richter will vor einer Entscheidung den Hund sehen.

Von Christian Rost

Pico kommt vom italienischen piccolo, also klein, und groß ist der Hund wirklich nicht. Was der Mischling namens Pico - halb Pinscher, halb Terrier - 2013 am Volkstrauertag im Hofgarten angerichtet hat, beschäftigt jetzt aber das Münchner Amtsgericht. Während der Trauerfeierlichkeiten am 17. November soll er ein vierzigminütiges Gebell angestimmt haben, just zu dem Zeitpunkt, als die Kapelle der Bundespolizei mit dem Ehrenregiment um 12.30 Uhr den Veranstaltungsort betrat.

Am Gebell während des Gedenkens für die Opfer der Weltkriege störten sich einige Teilnehmer der Feier, so auch der 65-jährige Michael N.: "Was erlauben sie sich?", rief er dem Hundebesitzer Christian S. zu, der Pico weiter bellen ließ. Das Kreisverwaltungsreferat schickte dem 32-Jährigen dann wegen "unzulässigen Lärms" einen Bußgeldbescheid über 100 Euro plus 28,50 Euro Gebühren zu. Dagegen wehrt sich S. seit Donnerstag vor Gericht.

Die Gruppe aus sechs Leuten, mit denen S. und sein Hund in den Hofgarten gekommen waren, sind Pazifisten. Sie lehnen offenbar jede Ehrung mit Kriegsbezug ab. Jedenfalls, so ein Zeuge, war während der Trauerfeier aus der Gruppe heraus der Satz: "Bomber Harris, do it again" zu hören. Unterlegt wurde die Provokation vom anhaltenden Gebell Picos.

S. stachelte seinen Hund nicht an, er unterband das Bellen aber auch nicht - und er ging auch mit ihm nicht weg. Einige Teilnehmer der von 450 Menschen besuchten Gedenkveranstaltung brachte das stoische Ausharren des Hundebesitzers in Rage - die Polizei musste sogar dazwischengehen, weil Übergriffe befürchtet wurden.

Während sein Herrchen vor dem Richter stand, wartete Pico brav vor dem Justizgebäude. S. sagte nichts zu den Vorwürfen vor Gericht, er muss aber noch einmal erscheinen: Mit seinem Hund, den Richter Jürgen Hanselmann vor einer Entscheidung "in Augenschein" nehmen will.