TV-Auftritt von Monica Lierhaus Ins Licht

Seit Monica Lierhaus am Samstag bei der Goldenen Kamera auftrat, wird diskutiert, ob das so gut für sie war. Wie aber kam es dazu, dass die erkrankte Sportmoderatorin an der Veranstaltung teilnahm?

Von Christopher Keil

Rolf Hellgardt ist Geschäftsführer der White Balance GmbH aus Hamburg, ein Unternehmen für TV-Produktionen. Hellgardt, 42, ist auch Lebensgefährte von Monica Lierhaus. Vor mehr als zwei Jahren erlitt die bekannteste Sport-Moderatorin des deutschen Fernsehens (Sat.1, Premiere, ARD) eine Hirnblutung und fiel ins Koma. Seit sie wieder bei Bewusstsein ist, füllen sich ihre Tage damit, normales Gehen zu trainieren, richtiges Sprechen zu üben: Sie ist auf die Hilfe anderer angewiesen, muss betreut werden.

Am vergangenen Samstag trat sie überraschend bei der Goldenen Kamera auf und schuf einen Augenblick widersprüchlicher Gefühle. Sie hielt eine kurze Rede, drückte ihren Wunsch nach Selbstständigkeit aus und machte Hellgardt einen Heiratsantrag.

Darüber, ob es für sie gut war, sich ausgerechnet bei einer Preisverleihung erstmals wieder zu zeigen, ob man Heiratsanträge live von einem Millionenpublikum bezeugen lässt und ob das Fernsehen, in dem Fall das ZDF, Lierhaus nicht besser von einer Teilnahme an der Show hätte abraten sollen, wird nun diskutiert.

Wie aber kam es dazu, dass Lierhaus an der Veranstaltung teilnahm? Im Oktober 2010 soll Hellgardt mit einer Mitarbeiterin der Angenehme Unterhaltungs GmbH telefoniert haben. Hellgardt kennt die Frau. Ob es vorstellbar sei, fragte sie, dass Lierhaus bei der Goldenen Kamera auftrete. Die Sendung wird von der Angenehme Unterhaltungs GmbH hergestellt.

Lierhaus, ist nun zu erfahren, habe zunächst ablehnend reagiert. Bis kurz vor Weihnachten reifte ein anderer Entschluss. Sie wollte aus dem Therapiestundenkreislauf in geschlossenen Räumen ausbrechen. Vielleicht will das auch Hellgardt, oder er spürte, dass sie eine Perspektive brauchte, die sie ins Leben zurückführt. Wie auch immer: Lierhaus, die beruflich ehrgeizig war, habe, so beschreiben es die, die sie in den zurückliegenden Monaten begleiteten, zunehmend die Energie gefehlt. Sie habe Ziele gebraucht. Ein großes Ziel von ihr ist es, Fußballspiele wieder im Stadion sehen zu können. Sie war öffentlich, sie will wieder öffentlich werden.

Um Weihnachten soll der Springer Verlag unterrichtet worden sein, der die Goldene Kamera ausrichtet, und auch ARD-Manager wurden informiert. Weil die Goldene Kamera eine ZDF-Veranstaltung ist, überlegten die ARD-Leute, ob es nicht eine Bühne für Lierhaus im Ersten gebe. Die Bambi-Verleihung? Die richtet der Burda-Verlag im November aus. Das wollten Hellgardt und Lierhaus angeblich nicht. Hatte sie die Berichterstattung eines Burda-Blattes geärgert? Ausschlaggebend war augenscheinlich der Zeitpunkt. Lierhaus, 40, wollte jetzt ins Licht. Es sei, das sagen alle in ihrem Umfeld, ihre Entscheidung gewesen. Kann sein, Hellgardt war offensichtlich nicht dagegen.

Natürlich hätte sie in der Sportschau sitzen und über sich sprechen können. Das soll ihr angeboten worden sein. Sie aber habe sich auf einer Bühne mit direkter Publikumsresonanz zeigen wollen, um ihren aktuellen körperlichen Zustand zu dokumentieren, erfährt man. Sie hätte auch einer Zeitschrift oder Tageszeitung ein exklusives Interview geben können.

Das Interview führte sie ungefähr zwei Wochen vor der Goldenen Kamera mit Springers Bild am Sonntag. Gedruckt wurde das Stück nach der Gala. Allerdings soll es Monate vorbereitet worden sein. War es ein Koppelgeschäft oder hatte die BamS bereits Kontakt mit Lierhaus, als ihr Mitwirken bei der Preisverleihung noch kein Thema war? Springers Medien standen Lierhaus früher schon nicht fern.

Monica Lierhaus wird nicht mehr die Sportschau präsentieren, sondern Botschafterin der ARD-Fernsehlotterie, zunächst in Fotokampagnen, später könnte sie in die Spots eingebaut werden, die sonntagabends laufen. Die Möglichkeit eines Engagements für das Glücksspiel soll Hellgardt geprüft haben, als Lierhaus noch im Koma lag. Er habe, heißt es, vorbereitet sein wollen auf ihren Moment des Erwachens.

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