Tatort Leipzig: "Frühstück für immer" Hokus Pokus Koitus

Die Kommissare Eva Saalfeld und Andreas Keppler haben sich in "Frühstück für immer" besonders gern.

(Foto: MDR/Saxonia Media/Junghans)

Regisseurin Claudia Garde legt ihren "Tatort" als berührende Geschichte über liebeshungrige Frauen mittleren Alters an. Leider werden bei der Fahndung nach dem "Würger von Mockau-Ost" auch die Frühlingsgefühle der Ermittler Saalfeld und Keppler allzusehr betont.

Von Holger Gertz

Eine Frau ist tot, Würgemale, Fesselspuren. Die Spezialistin von der Spusi denkt an einen älteren Fall: "In der Presse wurde der Täter nur der Würger von Mockau-Ost genannt." Tatsächlich wird dieses bislang unbescholtene Mockau-Ost im Tatort so oft in einem, nun ja, Atemzug mit dem Würger genannt, dass es ein wenig brauchen wird, um sich vom Würger wieder zu emanzipieren.

Abgesehen davon ist die Episode vom MDR (Regie: Claudia Garde) eine berührende Geschichte über liebeshungrige Frauen mittleren Alters, die sich davor fürchten, allein zu sterben irgendwann. Alleinsein als Grube, aus der man sich mit letzter Kraft herausschaufeln muss. Alleinsein als Makel. Das Buch von Katrin Bühlig lässt nicht zu, dass eine esoterische Luftnummer aus dem relevanten Thema wird, die Sprache ist zu hart dafür. Lebensalter ist Verfallsdatum, die Rede ist von "Frauen, die kippen". Und Ursina Lardi als Rechtsanwältin ist sehenswert: eine dieser Frauen, deren Suche in Wahrheit Flucht ist. Die Männerrollen sind dämlicher angelegt, es gibt einen Flirtlehrer, der "Hokus Pokus Koitus" auf seine Website geschrieben hat.

Heiterer Misanthrop

Gekillt wird die Geschichte von den Hauptkommissaren. Saalfeld (Simone Thomalla) und Keppler (Martin Wuttke) waren ja mal ein Paar, seit einigen Folgen nähern sie sich einander wieder an. Die beiden banalisieren das Thema: Keppler balzt und Saalfeld schwärmt. Und Keppler balzt. Und Saalfeld schwebt. So erwartbar geht das die gesamte Folge über. Jedes Wort, das die Frauen über das eigene Welken sagen, bezieht Saalfeld auf sich, auf ihrem Gesicht die ewige Frage: Bin ich schön? In Kepplers Stimme jederzeit die Antwort: Oh ja, du bist schön. Selbst in Verhörsituationen schaut er sich nach der geliebten Kollegin um - das raubt den Szenen jede Intensität.

Überhaupt hat Keppler nicht gewonnen, seit der Weltekel in seinem Wesen durch Liebesrauschen ersetzt worden ist. Gibt ja wenig Unerträglicheres, als einen Misanthropen heiter zu sehen. Irgendwann, morgens im Kommissariat, fragt Saalfeld: "Brauchst'n Kaffee?" Da sagt Keppler: "Ich hätt' jetzt eher Lust auf was anderes." Und das klingt so süßlich und nach Gewohnheitsglück im Vorabendprogramm, dass vor Fremdscham selbst der Würger von Mockau-Ost sein Haupt neigen würde, gen Mockau-West.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.

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