Stefan Raab im TV-Duell King of Kotelett

Wenn schon kein Spitzenkandidat das TV-Duell gewinnt, dann spielt sich wenigstens einer der vier Moderatoren nach vorne. Stefan Raab fiel im Merkel-Steinbrück-Zweikampf auf wie kein anderer - mit Provokationen gegen Geschwurbel und einem fleischigen Begriff fürs Kanzleramt.

Von Carolin Gasteiger

Vieles hätte man von ihm erwartet. Einen Patzer. Eine fiese Bemerkung. Oder, wie er es in seiner Talkshow "Absolute Mehrheit" auch mal tut, vollkommenes Schweigen. Von Raab, der sonst C- und D-Promis in Woks durch Eiskanäle jagt und vom Turm springen lässt, war zu erwarten, dass er als Duell-Moderator aus der Reihe tanzt. Aber dann überraschte er.

Wer hätte bis zu diesem Sonntagabend wirklich gedacht, dass Raab das Fernsehduell von Angela Merkel und Peer Steinbrück auf Augenhöhe mit den Polit-Profis Peter Kloeppel, Maybrit Illner und Anne Will moderieren würde? Mehr noch: dass er die Duellanten aus der Reserve locken und seine Mit-Moderatoren weithin übertrumpfen würde? Allen voran übrigens Kloeppel, über den er vorher gespottet hatte, die Duellregeln seien gut, weil sie "das berüchtigte Larifari von Herrn Kloeppel" unterbänden.

Mit ihm als emotionalen Typ könnten auch mal "die Pferde durchgehen", hatte Raab gewarnt, und tatsächlich legte er sich ins Zeug. Als die Kanzlerin sich in Endlos-Elogen über Steuern und Arbeitsplätze erging, wie leider einige Male während der Sendung, ging Raab dazwischen, und die Kanzlerin maßregelte noch: "Ja, Herr Raab, das wollte ich gerade erläutern." Dann war Schluss mit Maßregeln. "Endlich! Das hätten wir auch kürzer haben können", platzte er heraus, als später die Kanzlerin zur Pkw-Maut schwurbelte und erst nach Einlassungen von Steinbrück schließlich klarstellte, dass es eine solche Abgabe mit ihr nicht geben werde.

Mit Anne Will bildete Raab das präsentere Moderatorenduo. Beide hakten öfter nach als Kloeppel und Illner; sie stellten klar formulierte Fragen. Dem alten Rat von Rhetorik-Coaches, in einfachen Sätzen zu reden, folgte Raab noch am ehesten - die Hand lässig in der Hosentasche, als hätte er zu viele Musikvideos von Pharrell Williams gesehen.

Mit dieser Haltung schuf Raab am Ende ein Mem des Abends. Steinbrücks Nein zu einer großen Koalition wollte er einfach nicht verstehen. "Das ist doch keine Haltung, zu sagen: Ich will nur gestalten, wenn ich 'King of Kotelett' bin", rief er Steinbrück zu. Gemeint war: Kanzler. So einfach geht's, sich zu profilieren.

Kollegin Will kam da aus dem Grinsen nicht mehr raus.