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TV-Duell:"Wenn es langweilig wird, hat Merkel gewonnen"

Vorbereitungen für das TV-Duell

Vorbereitungen für das TV-Duell: Das Fernsehstudio in Berlin Adlershof wird für das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Merkel (CDU) und dem SPD-Kanzlerkandidaten Steinbrück vorbereitet.

(Foto: dpa)

Vorpreschen oder Phrasen dreschen, charmant sein oder aggressiv? Am Sonntagabend treten Angela Merkel und Peer Steinbrück zum großen Rededuell im Fernsehen an. Experten empfehlen dem Herausforderer eine völlig andere Strategie als Angela Merkel.

Sie kennen das ja. Fernsehkameras, die vertrauten Gesichter von Anne Will, Maybrit Illner, Peter Kloeppel und inzwischen auch von Stefan Raab. Ein Stehpult. Und eine Wand, die natürlich - wie immer - blau sein wird. Eigentlich kein Grund für Angela Merkel und Peer Steinbrück, aufgeregt zu sein.

Doch das TV-Duell ist anders. Die Zweiersituation, die direkte Vergleichbarkeit, die zeitliche Nähe zur Wahl. "Es geht um mehr", sagt Peter Ditko. "Man kann danach messen, wie groß der Erfolg gewesen ist, wer um wieviel Prozent hat überzeugen können. Das ist viel Stress." Peter Ditko ist Leiter der Deutschen Rednerschule in Bonn, seit 1978 berät er Politiker vor wichtigen Redeauftritten.

Vorprogrammierte Kandidaten

Er weiß, dass vor einem Fernsehduell die Wahlkampfberater jede Eventualität mit ihren Schützlingen akribisch durchspielen. "Im Fernsehduell können die letzten Unentschlossenen noch überzeugt werden und das überlässt man natürlich nicht dem Zufall. Die Kandidaten werden vorprogrammiert auf die Dinge, die wahrscheinlich angesprochen werden - und auch die Antworten sind schon vorgefertigt."

Aber was raten die Berater? Wir haben Rhetorik-Experten gefragt, was die Duellanten beachten sollten, um siegreich aus der Begegnung herauszugehen. Anne Mattes ist Vizepräsidentin des Verbands der Debattierclubs an Hochschulen (VDCH). Bei aller Vorprogrammierung der Kandidaten empfiehlt sie etwas, das jenseits von auswendig gelernten Antworten liegt, nämlich Atmosphäre:

Höhepunkte des TV-Duells weltweit

Um Kopf und Kragen

"Ich finde den Zuschauerbezug wichtig. Der Redner muss Kontakt schaffen - nicht nur zum Publikum im Saal, sondern zu den Leuten, die zu Hause sitzen. Er muss versuchen, da eine Atmosphäre aufzubauen." Wie das geht? "Indem man in der Sprache der Zuschauer redet", sagt Mattes. "Also nicht zu bürokratisch - raus aus den vielen Details."

Das findet auch Boris Kositzke, Rhetorik-Dozent am Leibniz-Kolleg der Universität Tübingen und freier rhetorischer Berater. "Für differenzierte Argumente ist das Format nicht geschaffen", sagt er. "Beide haben nur eine bestimmte Sekundenzahl für ihre Antwort - da müssen sie zwar konkret werden, aber es geht um Bilder, nicht um Logik. Das erreicht die Leute sonst nicht."