"Spiegel"-Chefredakteur Wolfgang Büchner Einer für alles

Wolfgang Büchner wird neuer Chefredakteur von "Spiegel" und "Spiegel Online".

(Foto: Michael Kappeler/dpa)

Vor dem neuen "Spiegel"-Chefredakteur Wolfgang Büchner liegt eine schwieriges Projekt. Er soll die Redaktionen von Print und Online zusammenführen. Als Anpacker mit großem Interesse für digitale Trends ist er bekannt, als Blattmacher weniger.

Von Johannes Boie, Caspar Busse und Claudia Fromme

Selten gab es eine Konferenz beim Spiegel mit mehr Symbolkraft. Am Montag konferierten die Kollegen des Nachrichtenmagazins zusammen mit den Mitarbeitern der Online-Ausgabe. Der Rauswurf der alten Chefredakteure Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron war den Abteilungen noch getrennt mitgeteilt worden. Für die Verkündigung des neuen Chefredakteurs aber wurden alle Journalisten des Verlags um elf Uhr zusammen in den Raum K4 gebeten, als wären sie eine Redaktion.

Wie passend. Genau das wird auch Wolfgang Büchners neue Aufgabe sein. Der 46-Jährige war bislang Chefredakteur der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Jetzt wird er die Verantwortung für Print und Online beim Spiegel übernehmen. Wann genau, ist noch unklar. Weder der Spiegel-Verlag noch die dpa, die erst noch einen Nachfolger suchen muss, wollen ein Datum nennen. Bis Büchner loslegt, wird die Magazin-Redaktion von den stellvertretenden Chefredakteuren Klaus Brinkbäumer und Martin Doerry geführt. Für Online ist wie bislang Rüdiger Ditz verantwortlich.

Wolfgang Büchner als neuer Chefredakteur: Die Personalie wurde in der Konferenz beim Spiegel am Montag nicht mit Jubel aufgenommen, aber durchaus mit "wohlwollendem Nicken", wie ein Teilnehmer sagt. Die Zurückhaltung mag auch daran liegen, dass Büchner den meisten Printkollegen kaum bekannt ist. Die Onliner dagegen wissen Bescheid: Von 2008 bis 2009 war er Chefredakteur von Spiegel Online, mit Müller von Blumencron verbindet ihn eine Freundschaft. Das ist nicht nur daran abzulesen, dass Büchner der erste Follower bei Twitter von Blumencron war.

Großes Interesse an digitalen Trends

Anfang 2010 wechselte Büchner zur dpa und machte sich dort einen Namen als Redaktionsmanager. Er hat die behäbige Agentur umgekrempelt. Im neuen Newsroom in Berlin sitzen 300 Mitarbeiter, die vor Büchners Amtsantritt über Deutschland verteilt waren. Büchner änderte die Redaktionsstrukturen und die Preispolitik, er zementierte die Marktführerschaft und machte dpa zum multimedialen Nachrichten-Monopolisten.

Nicht nur deshalb hat sich Büchner den Ruf erworben, die digitale Welt zu verstehen und für seine Arbeit zu nutzen. Wer ihm auf Twitter folgt, weiß um sein großes Interesse an digitalen Trends. Wie es sich gehört, hat er sich auch jetzt über Twitter an die dpa-Belegschaft gewandt: "Liebe @dpa-Kollegen, Ihr seid großartig. Danke für vier lehrreiche, aufregende, wunderbare Jahre."

Ist Büchner darum der richtige Mann, um den tiefen Graben zwischen Print und Online beim Spiegel aufzuschütten? Die Chancen stehen nicht schlecht. Menschen, die ihn seit Jahren kennen, sagen: "Das ist ein Anpacker." Auch Ove Saffe, der Spiegel-Geschäftsführer, ist zufrieden. In der Montagskonferenz stellte er den Neuen als "Wunschkandidaten" vor. Büchner bringe alle Voraussetzungen mit, beide Redaktionen gemeinsam zu führen und "damit die publizistische Zukunft der Medienmarke Spiegel erfolgreich zu gestalten".

Andererseits hat sich Büchner weder als Blattmacher noch als Schreiber oder gar Intellektueller, dessen Stimme auch in der Politik gehört wird, einen Namen gemacht.