Der Berliner Rapper Sido schaltet seine Anwälte ein: Es geht um einen Artikel im österreichischen Boulevardblatt "Kronen Zeitung". In einer Talentshow des ORF hatte er harsche Urteile über einen Kandidaten abgegeben und sich so mit einem der einflussreichsten Boulevardjournalisten Österreichs angelegt. Dessen Zeitung disste daraufhin den Rapper, nun legt Sido nach.
Talentshows sind nicht der Ort für große Erleuchtungen. Publikum, Kandidaten und Juroren hoffen auf den magischen "Paul-Potts-Moment" - und bekommen Hypnotiseure, Busenwunder oder einen "Motoren-Imitator". Ein solcher Geräuscherzeuger hatte seinen Auftritt im österreichischen Fernsehen in der Talentshow "Die große Chance", die am 9. September aufgezeichnet wurde.
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"Ich glaube auch, dass die, die jetzt hier Plus gedrückt haben, Angst vor dir und deiner Kritik in deiner Zeitung haben", so Sido in der Sendung. (© ddp)
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Er kam soweit, eine finnische Kettensäge und einen 250-Kubikzentimeter-Motorradmotor zu imitieren - ein Unterschied zwischen den beiden Maschinen war dabei kaum zu hören -, bevor ihn der Berliner Rapper Sido stoppte. Sido war vom ORF als Juror in die Sendung gebeten worden, und der Auftritt hatte ihn von Anfang an sichtlich genervt. So wurde aus einem schwachen Talentshow-Moment ein magischer Moment der Medienselbstzerfleischung.
Der Motoren-Imitator war nämlich in Begleitung von Michael Jeannée erschienen - einem einflussreichen Kolumnisten des österreichischen Boulevardblatts Kronen Zeitung, den der Kandidat als seinen Manager präsentierte. Nachdem Sido ein gewohnt undiplomatisches Urteil abgegeben hatte ("Ihr habt jetzt ganz krass meine Zeit verschwendet mit so einer arroganten Scheiße auf der Bühne"), wies ihn ein Mit-Juror auf die Medienmacht des Krone-Schreibers hin: "Die zwei da, die sind ein Doppel, das man in Wien schon ein bisschen kennt und der Kollege ist Journalist, der dich morgen fertig machen könnte."
Da reichte es dem Berliner Import-Juroren. Gemeinsam mit dem Publikum stimmte er für das Aus des Wiener Motorengeräusche-Duos. In der Kronen Zeitung vom 23. September erschien zwei Wochen später ein Artikel über Sido. Unter der Überschrift "Das Leben des 'ORF-Stars' als einziger Mix aus Kriminalität und Taktlosigkeit" zog der Autor Michael Pommer über den Rapper her. Es spickte den Text mit Vorwürfen über die oftmals sexistischen und gewaltverherrlichenden Ausbrüche des Rappers, inklusive einer tadelnden Erwähnung des "Arschficksong". Pommer empfahl, "einen solchen Außenseiter" lieber ins Gefängnis zu sperren als ihn wie der ORF als Juror für "Die große Chance" aufzustellen, und das auch noch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Österreichs "vor 812.000 Gebührenzahlern".
Sido will mit dem Skandal "nächsten Urlaub finanzieren"
Sidos Managerin bestätigte inzwischen, dieser habe wegen des Artikels seine Anwälte eingeschalten. Die Kronen Zeitung wollte sich nicht äußern. Über Twitter gab sich der Musiker siegessicher: "Michael Pommer von der Kronen Zeitung wird meinen nächsten Urlaub finanzieren."
Der Journalist Jeannée äußerte sich inzwischen in der Kronen Zeitung auch zu dem Fall. Der Rapper sei vom Fernsehsender "gebrieft" worden, der Konflikt zwischen ihm und dem Rapper sei vom "Intrigantenstadl ORF" gezielt inszeniert worden. Abschließend urteilt er süffisant, er sei Sido nicht böse, dafür aber dem ORF. Das sah während der Sendung noch ganz anders aus.
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(sueddeutsche.de/caja/gr)
Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld
Als Deutscher in Wien, sehe ich die Berechtigung für eine solche Berichterstattung etwas anders. Vordergründig ging es um einen Streit zwischen Sido und Jeanee, was in der Tat nicht mehr ist als Boulevard-Berichterstattung.
Das ganze Thema gibt aber wesentlich mehr her – auch wenn es in dem Artikel deutlich zu kurz kommt. So wurde in der Sendung der Wiener-Klüngel angesprochen, die potentielle Allmacht der Kronenzeitung und die Boulevardhörigkeit von zwei der Juroren. Auch sehr interessant war das Echo des größtenteils jungen Publikums auf besagten Jeanee und sein Medium. Es hat den Kolumnisten nämlich von der Bühne gebuht.
Interessant an der Sache ist auch, dass das Video bereits vor Ausstrahlung im Internet auftauchte. Ein Mitarbeiter hatte es – so sieht es zumindest aus – von einem Kontrollmonitor abgefilmt und auf Youtube gestellt. Daraufhin begann erst einmal eine Debatte, ob diese Szene überhaupt ausgestrahlt werden würde, oder ob das ORF vor der Kronenzeitung kuschen würde.
Die Folge ist klar: Sido ist in Österreich bekannter und erhöht hier seinen Absatz, auch die Kronenzeitung dürfte profitieren und der ORF hat seine Einschaltquoten gesteigert, was wichtig ist um solche Sendungen beim Gebührenzahler irgendwie rechtfertigen zu können.
Was die Sueddeutsche, wie alle anderen Medien auch, verpasst hat, war die beteiligten Personen, den Wiener Klüngel und die Boulevardmacht auseinder zu nehmen. Es war so eine schöne Vorlage.
Oh ... das war wohl "freudscher Verschreiber": Es muss natööörlich heißen "Rapper" nicht "Raper"! Wie konnte mir das nur passieren?! Liegt vielleicht an den vielen frauenfeindlichen Texten in diesem "Musik"-Bereich?! ... Trotzdem, wer sich für "RaPPers" kindisches Gezanke mit der Boulevardpresse interessiert, sollte halt auch selbige Presse lesen und nicht die Süddeutsche! Aber die gleicht sich wohl langsam diesem Niveau an? (Ich lese den Artikel einfach nicht, da ist mir meine Zeit zu schade!) Pfüti!
ziel erreicht: kronenzeitung höhere auflage, schnösel mehr downloads, sendung höhere einschaltquoten. geschenktgeschenktgeschenkt
aber: muß das wort "dissen" im aufmacher stehen?
Ich möchte das wissen - sehr sogar.
Aber wahrscheinlich gehören Sie zu der Fraktion, die unter jede TV-Kritik sofort schreibt, das sie seit Jahren keinen Fernseher mehr hat, nix vermisst und sowieso alles Schrott ist.
Und wenn Sie den Artikel nicht gelesen haben, warum regen Sie sich so auf? Sie können mir glauben, wegen dieser Meldung ist kein Artikel über kenianische E-Musik aus dem Internet-Auftritt gestrichen worden.
Und es heisst "Rapper" - Sido ist wohl vieles, aber kein Vergewaltiger.
Schönen Tag noch
P.S.: Falls Sie doch noch den Artikel lesen sollten, werden Sie sich wundern, wie interessant der doch eigentlich ist...
Wer will wissen was irgend ein unwichtiger Mensch ( in dem Fall ein "Raper") über wen wann gesagt hat, und wer will wissen was eine unwichtige Zeitung über einen unwichtiger Mensch geschrieben hat? Läuft das unter "Unterhaltung", und wenn ja, wie tief ist unser aller Niveau gesunken? Oder haben wir keine anderen Probleme? UND WARUM MUSS ICH SO WAS IN DER SÜDDEUTSCHEN SEHEN? Gelesen habe ich es nicht! Denn ich will es einfach nicht wissen!!!
Paging