Journalisten sind Verknüpfer der Disziplinen und Handwerker der Verbesserung. Was sie dafür brauchen, ist vor allem eine Haltung zu Themen und Beruf.
Wozu noch Journalismus? Die Ethik der Medienmacher ist in Gefahr: Journalisten werden zu Handlangern der Politiker, bloggen im Netz und werden durch Laien ersetzt. Wie ist der Journalismus zu retten - und wieso sollten wir das überhaupt tun? In dieser Serie - herausgegeben von Stephan Weichert und Leif Kramp - setzen sich angesehene Publizisten auf sueddeutsche.de mit dieser Frage auseinander. Diesmal schreibt "Monitor-Chefin Sonia Seymour Mikich.
Wer will eigentlich, dass wir was bearbeiten und warum - die ARD-Journalistin Sonia Mikich über die Zukunft der Zunft. (© Foto: oh)
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Der kleine Putzerfisch befreit den Hai von lästigen Parasiten, dazu schwimmt er jenem ins Maul. Für den Putzerfisch ist die Tafel ständig gedeckt, für den Hai ist es Wellness, ohne einander ginge es schlechter. Sind Journalisten Putzerfische? Leben sie von den Krumen, die die große Realität abwirft? Ist es erstrebenswert, ein Putzerfisch zu sein?
Nach fast drei Jahrzehnten Tummeln in sehr unterschiedlichen Journalismen, nach Jahren der inneren Bereitschaft, vieles an unserem Gewerbe zynisch oder lächerlich zu finden, tut es gut, nach der eigenen Relevanz zu fragen und zwar so naiv wie damals beim Berufseinstieg. Warum will ich Journalistin sein? Wozu noch Journalismus? Das heißt ja, wozu morgens aufstehen?
Echo in den Nischen
Die Untergangsstimmung im Printbereich, die wohl Motor dieser SZ-Selbstfindungsreihe ist, erzeugt ein Echo in den Nischen des politischen Fernsehjournalismus, mag unsereins - noch -nicht um Geschäftsmodelle bangen müssen.
Seien wir doch ehrlich, Journalisten stehen nicht mehr oben auf der Hit-Liste geschätzter und vorbildhafter Zeitgenossen. Außerhalb des Medien-Biotops, nämlich in der Wirklichkeit, ist der Blick auf unseren Berufsstand eher unfreundlich und es wird nicht feinfühlig unterschieden zwischen den Genres. Wir alle sind "die Medien".
Betrüblich aber wahr: Die Mitmenschen unterstellen, wir seien allesamt nur noch getrieben von guten Quoten, Auflagen, Klickzahlen. Dass wir Fehler schönreden, gern hart austeilen, aber ein gläsernes Kinn haben, wenn es um Kritik an uns selber geht. Dass wir Weltmeister im Ätzen und Besserwissen sind.
Ob Print, Radio, Fernsehen oder Online: Viele Nutzer bekritteln - nicht grundlos - den Mangel an Tiefgang, an Persönlichkeiten, an Meinungsfreude. Sie erleben intellektuelles Versagen beim Deuten großer Zusammenhänge und geringe Lust am Einmischen. Und merken an, dass Feuerwehrleute, Lehrer, Briefträger oder Ärzte höhere Vertrauenswerte vorweisen können als "die" Journalisten.
Nebenbei: Jeder telegene Kleiderständer, jedes Model darf sich inzwischen Moderatorin nennen, jeder Handyschwenker Reporter. Das kann nicht gut sein für das Ansehen der Branche.
Tiefe im Denken und Handeln
Gibt unser Berufsstand die eigene Gravitas auf? Gravitas ist eine Qualität aus dem antiken Rom. Sie meinte Substanz in der Persönlichkeit, eine gewisse Ernsthaftigkeit und Verantwortungsbereitschaft. Obwohl Gravitas dieselbe Wortwurzel hat wie Gravität, sollte man es nicht verwechseln mit Wichtigkeit, mit Prominenz. Nein, Gravitas war attraktiv, sie erforderte Tiefe im Denken und Handeln.
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Buch über das politische System der USA
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Sie haben eine Meinung? Wunderbar, aber behalten Sie sie für sich, wenn sie schreiben. Stellen Sie gutes, authentisches Material zusammen, das ist schwierig und verdienstvoll genug in unserer Zeit. Aber überlassen Sie um Himmels Willen die Bewertung uns einzelnen Lesern, und erklären Sie uns nicht, was wir zu denken haben. Was wir denken paßt Ihnen nicht? Die Meinung, die wir uns bei der Lektüre Ihres Artikels gebildet haben, steht in krassem Widerspruch zu allem, was Ihnen hehr und heilig ist? Gratuliere, Sie haben großartige Arbeit geleistet und sich um die Wiederbelebung der Komapatienten Demokratie und Meinungsvielfalt in ehrenvoller Weise verdient gemacht. So könnte sich vielleicht aus dem allgegenwärtigen Gesinnungsjournalismus irgendwann tatsächlich mal eine Form von Qualitätsjournalismus erheben, der diese Bezeichnung zurecht für sich in Anspruch nehmen darf. Dann mag auch die Frage, ob das Ganze nun gedruckt, gebloggt, gesendet oder gesonstwast wird, recht bald zur angemessenen Nebensächlichkeit zurechtschrumpfen.
Wie bitte? Diesen Journalismus möchte man nicht, in Journalistenkreisen? Stimmt, genauso sieht es aus, wenn man in die Zeitung schaut, und deshalb heißt für mich die Frage nicht: Wozu brauchen wir Euch noch? sondern: Wie konnten wirs so lange mit Euch aushalten?
Woher kommt die Erosion unserer Autorität? fragt Frau Seymour Mikich.
Nun, könnte es damit zu tun haben, daß diese Autorität, die manch ein Vertreter der journalistischen Zunft mit so selbstgefällig wie selbstverständlich daherkommender Anmaßung für sich einfordert, ihnen, den Journalisten , in Wahrheit noch niemals zugestanden hat? Natürlich, man mag eine x-beliebige Zeitung aufzuschlagen und schon hat man es mit ihr zu tun, mit der Autorität der öffentlich Schreibenden, der man als Lesender, ohne Möglichkeit zur gleichberechtigten Erwiederung, zunächst einmal weitgehend mittellos gegenüber steht. Ja, es gibt sie, und es gibt sie immer noch, die Macht der Veröffentlicher, ihre einzelne Meinung über die Prominenz des Mediums, das sie gewähren läßt, mehr oder weniger gekonnt, mehr oder weniger subtil, in die Köpfe all der vielen anderen zu gießen, die solche Möglichkeiten nicht nutzen können, wollen oder dürfen. Doch vielleicht beginnt sich gerade, noch zaghaft freilich, die Erkenntnis durchzusetzen, daß Macht und Autorität eben doch nicht exakt das selbe sind.
Um es klar zu sagen: Ich will nicht, daß Herr Jörges mir Informationen filtert, erklärt, und interpretiert. Ich möchte keinen Herrn Lilienthal als Öffentlichen Vordenker, ebensowenig wie irgendeinen anderen. Und, mit Verlaub, Frau Seymour Mikich, Ihre Haltung ist mir genau so schnurzegal, wie die Haltung meines Gemüsehändlers auf dem Wochenmarkt. Von dem möchte ich erstklassiges Gemüse, und dann bezahle ich ihm gerne einen angemessenen Preis dafür. Was ich von Ihnen und Ihren Kollegen möchte (und wofür ich dann ebenso gerne zu bezahlen bereit bin), sind erstklassige Recherchen. Nicht weniger, aber vor allem nicht mehr!
Stellen Sie Fakten zusammen, aber nicht nach Ihrem persönlichen Gusto, sondern nach den Geboten der Objektivität.
Bewerten Sie die Quellen, aber nicht nach Ihrer politischen Gesinnung, sondern nach den Geboten der Objektivität.
Beleuchten Sie Zusammenhänge, aber nicht nach Ihrer Weltanschauung, sondern nach den Geboten der Objektivität.
Sie haben eine Meinung? Wunderbar, aber behalten Sie sie für sich, wenn sie schreiben. Stellen Sie gutes, authentisches Material zusammen, das ist schwierig und verdienstvoll genug in unserer Zeit. Aber überlassen Sie um Himmels Willen die Bewertung uns einzelnen Lesern, und erklären Sie uns nicht, was wir zu denken haben. Was wir denken paßt Ihnen nicht? Die Meinung, die wir uns bei der Lektüre Ihres Artikels gebildet habe
..., die leider konterkariert werden von der lieblosen Kurzbiographie des Redakteurs am Ende des Artikels. Vor allem die fehlende grammatikalische Genauigkeit wird hier zum Eigentor.
Ansonsten zeigt sich gerade in Zeiten des Internets, dass Haltung, Meinung und Standfestigkeit, sowie Qualität in der Recherche zum Alleinstellungs- und Verkaufsmerkmal werden können. Einige wenige, gute Blogs, einige wenige gute Medien und einige wenige gute Redaktionen zeigen, wie Journalismus sein sollte und funktionieren kann. Leider schreiben die meisten für die "Big Brother"-Generation, sind kurzlebig, dabei nicht kurzweilig und austauschbar. Wer aus Journalismus eine Casting-Show der PageImpressions macht, schadet nicht nur dem Journalismus, sondern auch der Demokratie und folglich auch der Gesellschaft.
Danke für diesen Beitrag zur nicht immer guten Reihe "Warum noch Journalismus".
Auch wenn Frau Mikisch (leider) in fast allen Punkten ihrer Journalistenschelte Recht hat, sollte sie doch das Treiben ihrer Kollegen von den öffentlich-rechtlichen Anstalten mehr ins Visier nehmen. Nirgends in den Medien sind die Arbeitsbedingungen für Journalisten so gut wie in den Funkäusern von ARD und ZDF. An Monitor und anderen ARD-Magazinen arbeiten Heerscharen von Journalisten, Technikern und Helfern. Und wenn Frau Mikisch dereinst nicht mehr den Rückhalt ihres Senders hat, fällt sie weich: Dann gibt's eben einen anderen Job im Funkhaus, mit weniger Verantwortung, aber gleich bleibendem Salär (allenfalls evtl. Nebeneinkünfte werden dann nicht mehr so sprudeln, weil Frau Mikisch als Ex-Moderatorin uninteressant ist).
Ein aktuelles Beispiel für die mangelnde journalistische Qualität der öÖffentlich-Rechtlichen: Im Frühstücksfernsehen der ARD konnte man sich die "Meldung" auf der Zunge zergehen lassen, dass ein gewisser Herr Brüderle (dem Vernehmen nach Wirtschaftsminister dieser Republik) der BILD-Zeitung etwas gesagt hat. Was er gesagt hat, war zwar bar jeglichen Nachrichtenwerts. Aber wenn es BILD bringt, dann muss es bedeutend sein - und wird deshalb auch öffentlich-rechtlich nachgeplappert.
Ein Zeitungsleser, der mit dem Angebot seiner Zeitung nicht zufrieden ist, kann kündigen. Und wenn das viele tun, dann wackelt der Stuhl des Redakteurs gewaltig. Wer mit den TV-Inhalten nicht einverstanden ist, kann zwar zu einem anderen Sender zappen - doch bezahlen muss er allemal.
Diese Beiträge sind 100 % echt und trotzdem sehenswert !!!
www-quaentchen-glueck.de
vielleicht sollten sich Verlage, Sender und Journalisten überlegen wie sie denn einmal etwas so verpacken, dass kein Zweifel aufkommen, ob der Beitrag echt ist !
dann werden sich auch Leser, Hörer und Zuschauer für das richtige Format entscheiden - die Quote kommt von alleine
Wer dies in Zukunft hinbekommt wird die Krise meistern !!!
Bernd Schmekel
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