Mit dem Journalismus ist es so ähnlich wie mit anderen Berufen auch. Es gibt in Deutschland 20.000 Richter; aber es gibt viel, viel mehr Leute, die sich auch täglich ihr Urteil bilden. Es gibt in Deutschland 310.000 Polizisten. Aber es gibt noch viel mehr Leute, die auch ganz gut darauf aufpassen, was in ihrer Umgebung passiert. Es gibt zigtausend examinierte Pädagogen und Erzieher in Deutschland. Aber es gibt viel, viel mehr Leute, Mütter und Väter, die Kinder erziehen, ohne dass sie das studiert haben. Die Leute, die sich ihr Urteil bilden, ohne dass sie Jura studiert haben, machen die Richter nicht überflüssig. Die Leute, die sich um ihr Wohnviertel kümmern, machen Polizisten nicht überflüssig. Und Leute, die ihre Kinder erziehen, machen Pädagogen nicht überflüssig.
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Wozu noch Journalismus? - Wie das Internet einen Beruf verändert. (© Cover/sde)
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So ist das mit dem Journalismus auch. Es gibt in Deutschland zigtausend professionelle Journalisten. Aber es gibt noch viele, viele andere Leute, die auch ganz gut lesen und schreiben können, aber nicht recherchieren, reportieren, kommentieren und pointieren gelernt haben. Wenn es darum geht, vertraut man den Profis. Ein Möbelverkäufer, Fitnesstrainer oder Geschäftsführer, ein Richter, Polizist, Pädagoge oder Meteorologe, der wissen will, was in der Welt passiert und was er davon halten soll, will normalerweise nicht lesen und hören, was andere Möbelverkäufer, Fitnesstrainer oder Geschäftsführer davon halten, sondern was ein professioneller Journalist, ein Experte also, dazu sagt oder schreibt. Professioneller Journalismus erklärt verlässlich, was passiert - nach professionellen Kriterien. Wenn ein Möbelverkäufer oder ein Fitnesstrainer das aus irgendwelchen Gründen auch kann, dann - herzlichen Glückwunsch.
Der Journalismus ist keine verspätete Veranstaltung des hochmittelalterlichen Zunftwesens. Den Journalismus kann man also nicht mit Zunftordnung und Zunftzwang verteidigen - sondern nur mit Können. Der Journalismus ist schon immer ein besonders freier Beruf gewesen. Und die Bloggerei ist eine neue Bühne für diese Freiheit. Wie viel guter Journalismus auf dieser Bühne gedeiht, muss sich noch zeigen. Kein Schauspieler muss sich vor einer neuen Bühne fürchten. Ein Journalist auch nicht.
Ich weiß also wirklich nicht, warum man sich als Zeitungsmensch vor den Blogs oder auch vor digitalen Zeitungen fürchten soll. Eine gute digitale Zeitung macht das, was eine gute klassische Zeitung auch macht: ordentlichen Journalismus. Man sollte damit aufhören, Gegensätze zu konstruieren - hier Zeitung und klassischer Journalismus, da Blog mit einem angeblich unklassischen Journalismus. Man sollte schon gleich gar damit aufhören, mit ökonomischem Neid auf die Blogs zu schauen. Dort wird kaum Geld gemacht. Man sollte auch das Lamento darüber aufhören, dass der klassische Journalismus in einem Bermuda-Dreieck verschwinde. Wenn er das täte, dann hätte er das Attribut "klassisch" nicht verdient, dann wäre er halt einfach nicht gut oder nicht gut genug gewesen.
Konkurrenz belebt das Geschäft
Der gute klassische ist kein anderer Journalismus als der gute digitale Journalismus. Die Grundlinien laufen quer durch diese Cluster und Raster. Es gibt guten und schlechten Journalismus, in allen Medien. So einfach ist das. Und wer sich durch die Wasser- und vor allem durch die Abwasserleitungen des Internets klickt, der merkt ziemlich schnell, wie guter und wie schlechter Journalismus aussieht - und was den Namen Journalismus nicht verdient und womöglich auch gar nicht beansprucht.
Noch nie war Journalismus weltweit zugänglich; heute ist er es. Noch nie hatten Journalisten ein größeres Publikum als heute, nach der digitalen Revolution. Noch nie war die Konkurrenz so groß; sie belebt das Geschäft. Sie schafft Bedürfnisse. Noch nie war das Bedürfnis nach einem orientierenden, aufklärenden, verlässlich einordnenden, klugen Journalismus so groß wie heute. Die Texte, die dieser Journalismus produziert, werden Nachrichten im Ursinne sein: Texte zum Sich-danach-Richten. Internet ist die globale horizontale Verbreiterung des Wissens. Guter Journalismus geht in die Tiefe.
Es gibt die Pressefreiheit, weil die Presse auf die Demokratie achten soll. Diese Achtung beginnt mit Selbstachtung. Es wird daher, und in den Zeiten des Internets mehr denn je, gelten: Autorität kommt von Autor und Qualität kommt von Qual. Dieser Qualitäts-Satz steht zwar in der Hamburger Journalistenschule, aber er gilt nicht nur für Journalistenschüler. Er meint nicht, dass man Leser und User mit dümmlichem, oberflächlichem Journalismus quälen soll. Qualität kommt von Qual: Dieser Satz verlangt von Journalisten in allen Medien, auch im Internet, dass sie sich quälen, das Beste zu leisten - und er verlangt von den Verlegern und Medienmanagern, dass sie die Journalisten in die Lage versetzen, das Beste leisten zu können. Dann hat der Journalismus eine glänzende Zukunft.
Prof. Dr. jur. Heribert Prantl ist Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung und leitet die Redaktion Innenpolitik.
Im Herbst 2010 erscheint das Buch Wozu noch Journalismus? Wie das Internet einen Beruf verändert im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht.
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(sueddeutsche.de/berr)
nachdem bei SPIEGELonline, derWesten und ZEITonline exiliert, bin ich gespannt, wie lange ich hier Unterschlupf finde.
Bei der Sarrazin-Debatte bin ich tatsächlich auf dessen Seite, nicht nur physisch wie Sie in Essen bei Thalia*, und hatte mich in den ersten beiden blogs schon allein wegen meines nicknames, auch mein domainname, www.reichs-tag.de, zu rechtfertigen. Wer in den ersten beiden blogs "dem Deutschen Volke" zugeneigt ist, wird gemobbt.
ZEITonline ertrug mich etwas länger, wiewohl nach sechs Wochen mein blog und account "Ein Volk, ein Reich, und einen Reichs-Tag, der für ersteres arbeitet" wegen "Nazi-propaganda" gesperrt wurde. ("Volk steh auf und stimme ab" war genehmigt.)
Nach Beschwerde und Freischaltung Verglich ich SPD-Öger, der den Ausschluß des folgenden Herrn fordert, mit SPD-Sarrazin:
O-Ton Vural Öger: "Im Jahr 2100 wird es in Deutschland 35 Millionen Türken geben.
Die Einwohnerzahl der Deutschen wird dann bei ungefähr 20 Millionen liegen."
Das war "politisch sehr problematisch" und "entkontextualisiert".
Ich hatte es gewagt, die Integrität des Herrn : "Seid endlich Deutsche – mit einem großen türkischen Herzen!” in Herrn Jörg Laus Jubelartikel zu hinterfragen.
Was für Muslime "Herz", wenn es "Qalb" ausgesprochen wird, bedeutet, mag jeder für sich entscheiden.
http://qalam.de/docs_pdfs/Mensch_und_Seele_im_Islam.pdf
Conclusio: Qualitätsjournalismus oder Hypokrisie im web?
Hilflose und peinliche Versuche, seine Meinung durchzusetzen, um noch als -macher zu gelten sind m. E. mittlerweile die Regel.
Für die Damen und Herren Journalisten gilt Pressefreiheit, die Meinungsfreiheit der Leser und user dagegen unterliegt dem Rahmen, den der einzelne Redakteur demselben zubilligt.
Nur: Dadurch wird der Trend befördert, daß der "Journalist" sich verüberflüssigt, selbst als Nachrichtenlieferant seines Verlagshauses ausdient.
Ein paar you-tube-lieferanten, ein paar gegensätzliche blogs und das "neueste" von Google, fertig ist die Laube, mein immer aktuelles "Nachrichten-und Meinungscenter", vielleicht noch facebook dabei und ein paar eigene domains.
Da müssen keine Bäume für umgelegt werden, keine Eitelkeiten gepflegt werden, nur leider, leider bin ich dann einer der vielen Millionen Totengräber des traditionellen Journalismus.
Wenn der Empfänger zum Sender wird und der Ex-Monopolsender nicht Empfänger seiner Empfänger werden will, werden sie woanders senden und empfangen.
* Schade, daß die
Viele Journalisten scheinen sich als reine Informationsvermittler zu verstehen. Der Wert der Nachricht wird von ihnen über simple Kriterien wie "Da ist Krieg" und "Bundeskanzler sagt etwas" oder "Alle anderen schreiben darüber" definiert. Ihre Aufgabe ist es schlicht, Informationen von einer oder zwei Quellen zu nehmen, für die Leser in einen verständlichen Text zu packen, und zu veröffentlichen. Ihre Kompetenz ist lediglich das Verfassen von Texten, und Ihre Rolle dadurch definiert, dass sie für einen Verlag schreiben. Diese Art von Journalisten sind mittlerweile sehr üblich, und sie ist in der Tat vom Aussterben bedroht. In extremen Fällen schreiben sie nur die Meldungen anderer Medien nach oder reproduzieren Pressemeldungen. So etwas brauchen wir (die Leser) schlicht nicht.
Auswahl: Wir brauchen Journalisten, die Nachrichten auch aus unerwarteten Quellen herbeibringen, wenn sie wahr sind, und grade dann veröffentlichen, wenn sie entgegen dem allgemein für wahr gehaltenen oder oft Berichtetem stehen. Wenn der CIA-Chef oder der UNO-Chef-Inspekteur 2004 sagt, daß es *keine* Beweise für Massenvernichtungswaffen in Irak gibt, obwohl der US-Präsident das Gegenteil sagt, dann ist das wichtig, nicht die 100ste Variation der offiziellen Propaganda. Bei sz.de sehe ich da erhebliche Defizite.
Nachforschung: Wir brauchen Journalisten, die selbst nachforschen und Stories finden. Was "investigativer Journalismus" genannt wird und nur noch ein kleines Spezialgebiet ist, ist die eigentliche Kernaufgabe des Journalisten. Ein schreibender Journalist hat keine Daseinsberechtigung ohne Nachforschung und Verständnis der Materie. Wenn das bisher noch anders war, wird es durch das Internet, wo jeder auf alle Quellen zugreifen kann, so werden. Wer nur Texte umschreibt, brangt zu recht um seinen Job.
Das wäre ein göttlicher Anblick: Heribert Prantl steuert ein Hundegespann, misst Lufttemperaturen und bedient einen Theodoliten - da wären ja mathematische Grundkenntnisse vonnöten. Als Ergebnis kommt wahrscheinlich heraus: er befindet sich immer am Pol; die Welt dreht sich um ihn.
Mit allem Respekt: Das Entdecken und Erklären sollte man Wissenschaftlern überlassen, die davon etwas verstehen. Primäre Aufgabe und wichtigste Fertigkeit des Journalisten bleibt das Sammeln und Weitergeben von Informationen, die im Grunde öffentlich vorliegen. Der investigative Journalist darf natürlich ab und zu als Privatdetektiv dilettieren, aber zum Entdecker reicht es deshalb noch lange nicht. Und wie soll ein Journalist ohne entsprechende Ausbildung die Welt einer Leserschaft erklären, die vielleicht zu einem beträchtlichen Teil gebildeter ist, als er selbst? Mich stört es immer wieder, wenn Herr Prantl sein Halbwissen ausbreitet, und ich mir nur denken kann: Wie hat der Mann es an der Uni auch nur durch ein Seminar geschafft?
Und jetzt vergleicht er Journalisten (mit anderen Worten: sich selbst) mit Amundsen und Scott: Welche Hybris!
Ich finde den Artikel ziemlich blauäugig, sowie bezeichnend und merkwürdig gleichermaßen in der Hinsicht, dass Herr Prantl die technischen, medialen und ökonomischen Probleme von Journalismus im Internet fast völlig ausblendet. Journalismus im Internet ist weniger ein journalistisches Problem, richtig. Aber dafür ein neues technisches, mediales und ökonomisches. Das fast völlig auszublenden ist augenwischerisch. Denn insoweit Journalismus im Internet bisher enorme Probleme hat, sich technisch, als Medium und ökonomisch zu etablieren, wird der Journalismus im Internet selbst in Frage gestellt. Journalimus ist im Internet nur insoweit möglich, wie Mittel und Wege gefunden werden, ihn dort technisch und ökonomisch zu etablieren.
K.T.
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