Saarland-Tatort "Melinda" Mehr Märchen als Krimi

Das neue Ermittlerteam des saarländischen "Tatorts": Elisabeth Brück als Kommissarin Lisa Marx und Devid Striesow als Kommissar Jens Stellbrink.

(Foto: dpa)

Dem Tatort Saarland wurden die Kommissare Deininger und Kappl genommen, Ermittler Jens Stellbrink ist der neue Mann. An seiner Seite: Die saarländische Lara Croft oder auch Lisa Marx. Alles ist statisch, alles ist Klischee. Nicht einmal Schauspieler Devid Striesow kann das wieder rausreißen.

Von Holger Gertz

Für den Saarländischen Rundfunk ermittelten bis zum vergangenen Jahr noch die wunderbaren Gregor Weber und Maximilian Brückner als Deininger und Kappl. Gute Quoten, bei den jungen Leuten waren sie das zweitbeliebteste Kommissarpaar, hinter den Komikern aus Münster. Weber und Brückner spielen das Zeug nicht einfach so weg, sie leiden an einem schlechten Drehbuch.

Sie mischten sich ein, es gab Ärger mit Regisseuren und dem für den Tatort zuständigen SR-Redakteur. Der schließlich verkündete das Aus der unbequemen Kommissare, unter anderem mit der Wendung: "Die Story dieses ungleichen Paares ist aus unserer Sicht jetzt zu Ende erzählt." Das hatte niemand sonst so gesehen, aber so ein verantwortlicher Redakteur ist mächtig genug, das Licht an- und ausgehen zu lassen.

Eine grandios missratene Episode mit Jens Stellbrink

Jetzt also übernimmt Devid Striesow als Jens Stellbrink, aber ihm zuzusehen in dieser grandios missratenen Episode, fühlt sich so an, als wäre Mario Götze zum 1. FC Saarbrücken transferiert worden - einer allein reißt es dann auch nicht raus. Zumal dann nicht, wenn er - wie Stellbrink - in kurzen Hosen und Gummistiefeln durch den Baumarkt stolpert. Der Ermittler trifft ein Mädchen, das auf der Flucht ist, und die Flucht des Mädchens ist dann auch seine. Auf in den Märchenwald, wo die Fliegenpilze groß wie Milchkannen sind.

Schon klar, sie wollten einen Experimental-Fall abliefern, mehr Märchen als Krimi, und Striesow hangelt sich mit seinem Jungsgesicht halbwegs heiter durch das Dickicht der Handlung. Ihm zur Seite steht - als seine Kollegin Lisa Marx - ein erfahrenes Nachwuchstalent aus der Region: Elisabeth Brück, schwarze Klamotten, rotes Langhaar, ist der strenge Gegenpol zum verträumten Stellbrink. Frau Brück kommt mit exakt einem Gesichtsausdruck durch den kompletten Film, schmaler Mund, schmale Augen. Der steinerne Blick einer saarländischen Lara Croft, die ihren neuen Kollegen vom ersten Augenblick an verabscheut.

Manchmal trägt sie eine Sonnenbrille, manchmal nicht. Da ist keine Entwicklung, keine aufsteigende Wärme, kein Zwischenton. Nichts. Alles ist statisch, alles ist Klischee. Schließlich tritt eine Staatsanwältin (Sandra Steinbach) auf, die schülertheaterartig gestikuliert und exaltiert daherredet, Sätze wie diesen hier: "Nimm dir Hubschrauber, Hunde, Wärmebildkameras. Folter seinen Hund, nimm seine Oma als Geisel, aber schaff ihn mir hierher."

Programmverantwortliche beim SR: Das ist alles nicht euer Ernst, oder?

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr