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Devid Striesow im "Tatort":Humorvoll tiefenentspannt

In "Die Fälscher" mimte er einen jovialen SS-Offizier, in Tom Tykwers "Drei" gab er sich mit Leidenschaft einer ungewöhnlichen Beziehung hin. Am Sonntag ermittelt Devid Striesow zum ersten Mal als neuer Saarbrücker "Tatort"-Kommissar - ein Glücksfall, den die Krimireihe brauchen kann.

Von Carolin Gasteiger

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Devid Striesow im "Tatort"

Quelle: SR/Manuela Meyer

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In "Die Fälscher" mimte er einen jovialen SS-Offizier, in Tom Tykwers "Drei" gab er sich mit Leidenschaft einer ungewöhnlichen Beziehung hin. Am Sonntag ermittelt Devid Striesow zum ersten Mal als neuer Saarbrücker "Tatort"-Kommissar - ein Glücksfall, den die Krimireihe brauchen kann.

In seinem ersten Fall sieht der neue Saarbrücker Hauptkommissar erledigt aus, mit Schrammen im Gesicht und ratlosem Blick. Aber Jens Stellbrink lässt sich nicht unterkriegen. Und wenn er sich, auf Yogi-Art, erst mal mit geschlossenen Augen ganz in sich zurückziehen muss, um nachzudenken. Eigenartig ist dieser Typ schon. Aber auf seine Art auch herzerfrischend.

Devid Striesow

Quelle: picture alliance / dpa

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Devid Striesow verkörpert diesen Kommissar und der Mann mit dem markanten "e" im Vornamen gehört zu den bekanntesten Unbekannten im deutschen Fernsehen, das SZ Magazin nannte ihn einmal "Jedermann". Sein Gesicht ist vielen ein Begriff, wer aber dahintersteckt, wissen nur wenige.

Daran dürfte dem gebürtigen Rügener, der in Rostock aufwuchs, auch gelegen sein. Er ist keiner, der sein Privatleben in die Öffentlichkeit trägt.

Hannelore Hoger und Devid Striesow in "Bella Block"

Quelle: picture alliance / dpa

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Vor allem das Fernsehpublikum dürfte Striesow als Assistent von Bella Block kennen, den er jahrelang an der Seite von Hannelore Hoger spielte. Und als solcher die Grummeleien seiner Vorgesetzten mit der ihm üblichen Gelassenheit ertrug. Aber zwei Kommissare parallel im Fernsehen - das würde der Zuschauer nicht mitmachen. Striesow wechselte zur ARD, genauer gesagt zum Saarländischen Rundfunk. Der Sender hatte die  Kommissar-Vorgänger Maximilian Brückner und Gregor Weber mit der lapidaren Begründung gekündigt, ihre Geschichte sei "zu Ende erzählt". Striesow interessiert diese Vorgeschichte wenig. Am Tatort habe ihn gereizt, dass er eine Figur über mehrere Filme hinweg mit entwickeln kann, wie er dem Focus erzählte.

Devid Striesow in "Die Fälscher"

Quelle: imago stock&people

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Bislang glänzte der 39-Jährige vor allem auf der Theaterbühne und im Kino. In Rollen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Für seine Rolle als jovialer SS-Offizier in Die Fälscher bekam er den Deutschen Fernsehpreis als Bester Nebendarsteller. Kollegen loben seine Wandlungsfähigkeit, der verstorbene Ulrich Mühe sagte einmal über ihn, er sei zart wie die frühe Liebe und grob wie die Axt im Walde.

Sophie Rois und Devid Striesow in "Drei"

Quelle: picture alliance / dpa

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In Tom Tykwers Drei küsst Striesow überzeugend mal Sophie Rois, mal Sebastian Schipper und begegnet deren Gefühlsverirrung mit notorischer Gelassenheit.

Einer Gelassenheit, die er jeder seiner Figuren verleiht, ob als tuntiger Königsspross in Jo Baiers Henri 4 oder nun als tiefenentspannter Ermittler, als "Bach-Blütentyp", wie Striesow ihn nennt.

Jörg Hartmann im "Tatort"

Quelle: WDR/Willi Weber

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Kino oder Fernsehen? Striesow will sich nicht festlegen lassen. Er entscheide sich immer für das Projekt, das ihn mehr interessiere und würde nie automatisch Kino vorziehen, erzählte er einmal in der SZ.

Als Tatort-Kommissar gehört Striesow, nein eher Stellbrink, zu einer neuen Ermittlergeneration, in der sich eigenwillige Charaktere wie der Dortmunder Ermittler Peter Faber alias Jörg Hartmann (im Bild) finden. Typen mit Ecken und Kanten, die den teils schon altbackenen Tatort wieder aufwerten. Faber drischt voller Frust schon mal auf ein Auto ein, ... 

Devid Striesow, Ulrich Tukur und Markus Herin bei "Tatort"-Dreharbeiten

Quelle: picture alliance / dpa

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... der Wiesbadener Kommissar Felix Murot (M.), den Ulrich Tukur verkörpert, konsultiert bei seinen Nachforschungen seinen Hirntumor "Lilly" (Striesow spielte bereits an Tukurs Seite im Tatort, im Bild links).

Und Stellbrink? Der nimmt in thailändischer Wickelhose, Kapuzenjacke und schräg über der Schulter hängender Leinentasche die Verfolgung von Verdächtigen auf, dekoriert sein Büro mit Klanggebilden und Pflanzen und überdenkt seine Ermittlungsergebnisse im Baum - einer stehenden Yogahaltung.

Devid Striesow mit Mila Böhning im "Tatort"

Quelle: SR/Manuela Meyer

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Schnick, Schnack, Schnuck auf dem Krankenbett: Schon in seinem ersten Fall "Melinda" wird klar, dass Stellbrink intuitiv und unkonventionell handelt. Aber immer mit Humor. "Erst kommt der Bauch und dann kommen die Gedanken hinterher", sagt Striesow der dpa über seine Filmfigur. Und der Tagesspiegel zitiert ihn mit den Worten: "Er soll nicht alles so bierernst nehmen, ein humorvoller und emphatischer Kommissar sein."

Devid Striesow

Quelle: picture-alliance/ dpa

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Wenn Striesow sich zu seiner Tatort-Figur äußert, könnte man meinen, er nehme die Rolle an, um sich austoben zu können, und hätte alle Narrenfreiheit, die er sich nur wünschen kann. Selbst wenn es so sein sollte: Typen wie der neue Saarbrücker Kommissar dürften anderen, teils schon arg angestaubten Kommissarskollegen eine angenehme Frische entgegensetzen.

Auch wenn sich Striesow nicht für immer auf den Tatort festlegen will - wenn die Wotans und Tils dieses Tatort-Jahres nur halb so amüsant wirken, kann sich die ARD freuen.

© Süddeutsche.de/ihe
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